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Das Vermächtnis

Einblicke in das Leben der Deutschen, ihre Wünsche und Erwartungen

  • Face-to-Face-Befragungen von mehr als 3.104 Menschen im Alter zwischen 14 und 80 Jahren.
  • Durchführung: Institut für angewandte Sozialwissenschaft (infas) und Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) unter Leitung von Frau Prof. Ph.D. Jutta Allmendinger.
  • Auftraggeber: Wochenzeitung DIE ZEIT
  • Veröffentlichung: 2016/2017

Arbeit ist den Deutschen wichtig

„Plötzlich war die Jugend weg“, heißt es in einer dieser Veröffentlichungen. Die Rede ist von der Verblüffung der Studienmacher bei der Auswertung der von ihnen erhobenen Zahlen. Wo sie klare Unterschiede zwischen den Generationen erwartet hatten, bestand eher große Einigkeit. Sie rechneten nach und stellten fest: Die Wertvorstellungen sind über alle Generationengrenzen hinweg sehr ähnlich. Das zeigt sich beispielsweise bei der Einstellung zur Arbeit. In allen Altersgruppen sagen die Befragten, dass es ihnen wichtig sei, zu arbeiten. Insgesamt stimmen 86 Prozent aller Deutschen dieser Aussage zu. Dabei sind es meist weder wirtschaftliche Notwendigkeit noch Pflichtgefühl, die die Deutschen zur Arbeit treiben. Selbst wenn sie sich ein Leben ohne Arbeit leisten könnten, würde immer noch mehr als die Hälfte der Deutschen gerne weiterhin arbeiten. Auch mit Blick auf die Zukunft behält Arbeit einen hohen Stellenwert im Leben der Menschen. 90 Prozent der Deutschen würde künftigen Generationen empfehlen, Arbeitsleben und Beruf ernst zu nehmen.


Wunschberuf mit spannenden Aufgaben

Was also ist es, was die Erwerbstätigen zur Arbeit treibt. Drei von vier Befragten gehen heute ihrem Wunschberuf nach. 46 Prozent finden ihre Tätigkeit unter anderem deshalb so spannend, weil sich die Arbeitsinhalte so schnell ändern, dass sie immer spannend bleiben. Auch ihre Rolle im beruflichen Umfeld erleben die Deutschen überwiegend positiv. Um dies zu ermitteln, zeigten die Forscher ihren Interviewpartnern einen stilisierten Fischschwarm und fragten, welcher Fisch am ehesten ihre Rolle symbolisiert.

24 Prozent entschieden sich für einen der beiden Schwarmführer, acht Prozent empfanden den einzigen farblich herausstechenden Fisch als treffende Beschreibung ihrer eigenen Rolle im Berufsleben. 35 Prozent erleben sich als Teil einer Gruppe im Mittelfeld. Über alle Berufsgruppen hinweg sehen sich nur drei Prozent als Nachzügler oder gar als beruflich abgehängt. 


Feste Arbeitszeiten oder völlig flexibel?

Wie die Deutschen ihre Arbeitszeit gestalten wollen, hängt zu einem großen Teil von ihrer Berufsbildung ab. Während immerhin 69 Prozent der Befragten ohne (fach-)beruflichen Abschluss einer Berufstätigkeit mit festen Arbeitszeiten nachgehen, trifft dies bei den Beschäftigten mit Universitätsabschluss nur auf 42 Prozent zu. Der Unterschied verstärkt sich sogar noch, wenn man auf die Empfehlungen für künftige Generationen blickt. Während die unteren Bildungsgruppen empfehlen, an festen Arbeitszeiten festzuhalten, halten dies nur 31 Prozent der Hochschulabsolventen für erstrebenwert.

Daraus zu schließen, dass die gut ausgebildeten Nachwuchskräfte jederzeit verfügbar sein werden, wäre jedoch ein Trugschluss. Wiederum über alle Generationen hinweg hat die Familie eine große Bedeutung für die Deutschen. 78 Prozent finden es erstrebenswert, Kinder zu haben. Ähnlich vielen ist es wichtig, sich Zeit für die Familie zu nehmen. So achtet beispielsweise eine große Mehrheit der Befragten auf regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten.


Gruppenzugehörigkeit und Solidarität

Überhaupt schätzen die Deutschen den Zusammenhalt in einer Gemeinschaft. 81 Prozent finden es heute wichtig, ein Wir-Gefühl zu erleben, 84 Prozent finden, dass das auch in Zukunft so sein sollte. Sicher, dass dies gelingen wird, sind sich allerdings die wenigsten. Nur 22 Prozent glauben, dass es den Menschen in Zukunft tatsächlich noch gelingen wird, dieses positive Gefühl zu erfahren. Zu vielfältig sind die Veränderungen, deren Folgen sie nicht abschätzen können. Pessimismus dürfte dennoch unbegründet sein. Wahrscheinlicher ist, dass sich die Wertvorstellungen, die Art und Dauer von Gruppenzugehörigkeiten prägen, verändern werden. Dass das nichts Neues ist, zeigen die Antworten auf eine Frage zu familiären Bindungen. Nur noch eine Minderheit der Deutschen ist der Meinung, dass man Partnerschaften ausschließlich der Kinder wegen aufrechterhalten sollte. Traditionelle Bindungen verlieren somit an Gewicht, nicht aber Werte wie Solidarität oder Fürsorge. So waren sich die Befragten weitgehend einig, dass eine allgemein bezahlbare, gemeinschaftlich finanzierte medizinische Versorgung auch in Zukunft allen Menschen offen stehen sollte.


Positive Grundeinstellung

Veränderungen gegenüber sind die Deutschen generell aufgeschlossen. Mit 48 Prozent findet es heute nahezu jeder Zweite wichtig, immer mal wieder etwas ganz Neues zu beginnen. Ähnlich viele Befragte versuchen somit auch, mit den neuesten technischen Entwicklungen Schritt zu halten. Künftigen Generationen raten sie, sich noch intensiver mit neuen Technologien auseinanderzusetzen. Insgesamt scheinen die Deutschen recht positiv gestimmt zu sein. 82 Prozent der Befragten sagen von sich, dass es wichtig sei, das Leben zu genießen. Ähnlich viele würden künftigen Generationen empfehlen, darauf zu achten, dass der Spaß im Leben nicht zu kurz kommt. Etwas weniger Menschen, aber immer noch eine deutliche Mehrheit der Befragten, ist sich sicher, dass das gelingen kann.


Am 19. Juni 2017 erschien das Buch zur Vermächtnis-Studie. Titel: Das Land, in dem wir leben wollen – Wie die Deutschen sich die Zukunft vorstellen; Autorin: Frau Prof. Ph.D. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).

Weitere Ergebnisse der Vermächtnis-Studie können unter www.zeit.de nachgelesen werden.