Fachschriften und Studien

Studie:
Kreativität fördern

Mehr erfahren

Einfach mal spazieren gehen

Untersuchung der Stanford University zu kreativitätsförderlichen Arbeitsbedingungen

  • Durchführung: Marily Oppezzo and Daniel L. Schwartz, Stanford University
  • Veröffentlichung: August 2014

Die kalifornischen Forscher gewannen ihre Erkenntnisse durch insgesamt fünf Experimente mit Studenten und Personal der Hochschule. In der vierten Versuchsanordnung, die hier beschrieben wird, absolvierten 40 zufällig ausgewählte Personen einen Kreativitätstest.

Dabei wurden die Probanden einer der folgenden Versuchsanordnungen zugewiesen:

  • Die erste Gruppe saß vor einer weißen Wand innerhalb eines geschlossenen Raums.
  • Die zweite Gruppe blickte ebenfalls auf diese weiße Wand, statt zu sitzen, gingen die Probanden aber während der gesamten Bearbeitungszeit auf einem Laufband.
  • Die dritte Gruppe machte einen Spaziergang an der frischen Luft.
  • Die vierte Gruppe wurde die gleiche Strecke im Außenbereich des Universitätsgeländes im Rollstuhl gefahren.

Jeder Teilnehmer sollte seine Kreativität unter Beweis stellen, indem er Assoziationen und Analogien zu vorgegebenen Bildern (beispielsweise eine Glühbirne, die erlöscht) entwickelte. Alle Antworten wurden hinsichtlich ihrer Detailliertheit, dem Abstraktionsgrad und anderer Kreativitätsmerkmale bewertet. Außerdem wurde der Neuheitsgrad der entwickelten Ideen im Vergleich zu anderen Antworten bewertet.


Die Ergebnisse:


  • Wie erwartet, hatte die attraktivere Umgebung einen positiven Einfluss auf die Kreativität der Probanden. Personen, die sich auf dem Universitätscampus aufhielten, entwickelten weit mehr neue Ideen als diejenigen, die in einem spärlich ausgestatteten Raum auf eine weiße Wand blickten.
  • Noch stärker war jedoch die Wirkung des Gehens. Selbst diejenigen Versuchsteilnehmer, die in dem langweiligen Innenraum auf einem Laufband gingen, konnten noch mehr neue Ideen entwickeln als alle ihre im Freien sitzenden Kollegen. Zudem wirkte sich die Möglichkeit, zu gehen, ausgesprochen positiv auf die Qualität der entwickelten Ideen aus.
  • Dabei beobachteten die Forscher einen weiteren Effekt des Gehens. Es fördert ganz offensichtlich die Lust zu reden. So beobachteten die Versuchsleiter, dass Testpersonen, die im Campus spazieren gingen oder sich auf dem Laufband bewegten, ihre Ideen wortreich erläuterten, dabei ihre Gedanken vertieften und so zu präziseren Beschreibungen fanden.

infobox

Um neue Ideen zu entwickeln, muss man sich nicht unbedingt ins Freie begeben. Schon ein Gang durch das Bürogebäude kann die Gehirnzellen anregen.

infobox

Dass Bewegung zu neuen Ideen führen kann, wussten schon die Menschen in der Antike. So heißt es von dem altgriechischen Philosophen Sokrates, dass dieser mit seinen Gesprächspartnern über den Athener Marktplatz schlenderte, während er sie durch Fragen zu neuen Erkenntnissen führte. Wie wäre es also mit einem „Marktplatz” im Büro?


Quelle: Marily Oppezzo and Daniel L. Schwartz, Stanford University, Research Report ‘Give Your Ideas Some Legs: The Positive Effect of Walking on Creative Thinking’, in Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition 2014, Vo. 40, No. 4, 1142-1152 (http://www.apa.org/pubs/journals/releases/xlm-a0036577.pdf)