Beschreibung fehlt
Fachschriften und Studien

Studie:
Sitz-Steh-Arbeit

Expertenwissen

Gelegentliches Stehen macht produktiver

Vergleichende Studie zum Einfluss wechselnder Körperhaltungen (Sitzen und Stehen) auf die Produktivität von Call-Center-Mitarbeitern.

  • Durchführung: Gregory Garrett, Mark Benden, Ranjana Mehta, Adam Pickens und S. Camille Peres, Department of Environmental & Occupational Health, Texas A&M Health Science Center, sowie Hongwei Zhao, Department of Epidemiology & Biostatistics, Texas A&M Health Sience Center, Texas
  • Veröffentlichung: April 2016

Für die Studie wurden 167 Beschäftigte (118 weiblich, 49 männlich) eines Call Centers, das im Bereich der Gesundheitsberatung und der klinischen Beratung tätig ist, in zwei Gruppen unterteilt. 74 Personen arbeiteten an Plätzen, an denen sie sowohl im Sitzen als auch im Stehen arbeiten konnten (Interventionsgruppe). 93 Personen arbeiteten an herkömmlichen Tischen, die nur im Sitzen genutzt werden können (Kontrollgruppe). Zur Beurteilung der Produktivität wurde die Anzahl der erfolgreich durchgeführten Anrufe je Arbeitsstunde herangezogen. Diese wurde während einer Versuchsdauer von sechs Monaten täglich ausgewertet. Zudem wurde erfasst, wie häufig und wie lange die Beschäftigten während der Gesamtarbeitszeit saßen oder standen. Schließlich wurden die Probanden und Probandinnen zu Beginn und am Ende des Versuchs nach ihrem körperlichen Wohlbefinden gefragt.


Die Ergebnisse:

  • Über die Gesamtdauer des Versuchs waren die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Interventionsgruppe um 46 % produktiver als ihre Kollegen und Kolleginnen in der Kontrollgruppe. Der Effekt zeigte sich im Laufe der sechsmonatigen Versuchsphase stabil.
  • Die Interventionsgruppe arbeitete während 73 % ihrer Arbeitszeit im Sitzen. Die Kontrollgruppe saß durchschnittlich während 91 % ihrer Arbeitsstunden.
  • Nach Abschluss der Versuchs gaben drei Viertel der Personen in der Interventionsgruppe an, dass sich ihr körperliches Wohlbefinden aufgrund der Möglichkeit, häufiger im Stehen arbeiten zu können, verbessert habe.

Die Autoren der Studie weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die Effekte in einem anderen Umfeld geringer ausfallen könnten. So ist es beispielsweise möglich, dass Personen, die sich ohnehin den gesamten Tag mit Gesundheitsfragen beschäftigen, das Angebot, gelegentlich im Stehen zu arbeiten, intensiver nutzen als andere Arbeitnehmergruppen.


infobox

In der Versuchsgruppe wurden teils Sitz-Steh-Arbeitstische in Kombination mit einem Drehstuhl für dynamisches Sitzen eingesetzt. Teils kamen auch einfache Stehtische in Kombination mit dem gleichen Stuhlmodell als erhöhte Counterversion zum Einsatz. Von dem Einsatz dieser Konstellation als reguläre Arbeitsplätze raten die deutschen Berufsgenossenschaften dringend ab. An Schreibtischarbeitsplätzen sollten als Standard Sitz-Steh-Arbeitstische eingesetzt werden. In Projekträumen, die eher kurzzeitig genutzt werden, kann dagegen die Kombination von Stehtischen und Counterstühlen vorteilhaft sein.


Quelle: Die Forschungsergebnisse können unter http://www.tandfonline.com/eprint/km4nB428SqEGEqw7Bwjz/full heruntergeladen werden.