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Erfolgsfaktor Altersdiversität: Neue Perspektiven für die Arbeitswelt

Workplace of Tomorrow

Mehrere Generationen im Büro. Bild: iStock @skynesher
IBA Redaktionsteam IBA Redaktionsteam ·
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Noch nie war die Arbeitswelt so generationsübergreifend geprägt wie heute. Das international tätige Architektur- und Designunternehmen Gensler hat diesem Thema einen Beitrag im Blog „dialogue“ gewidmet und stützt sich dabei auf Daten der Gensler Global Workplace Survey 2025. Das Fazit: Ältere Beschäftigte sind längst kein Randphänomen mehr, sondern entwickeln sich zu einem wichtigen Erfolgsfaktor. Unternehmen, die diese Entwicklung aktiv gestalten, profitieren von Erfahrung und Loyalität und schaffen Arbeitsumgebungen, die in allen Karrierephasen inspirieren und motivieren.

Altersgemischte Belegschaft: Chance und Herausforderung

Demografischer Wandel und veränderte Lebensentwürfe verschieben die Grenzen des Erwerbsalters: Immer mehr Menschen arbeiten weit über die bisherige Rentengrenze hinaus. Diese „grauen Talente“ prägen den Arbeitsalltag mit und beeinflussen Erwartungen an Führung, Kultur und Raumgestaltung. Die Gensler-Survey unterscheidet drei Karrierephasen: Berufseinsteiger, Mitarbeiter im mittleren Karriereverlauf und verlängerte Karrierephasen ab 65 Jahren. Besonders auffällig: Ältere Beschäftigte zeigen eine hohe Bindung an ihren Arbeitsplatz. So geben über 65‑jährige Mitarbeiter an, ihrer Organisation treu bleiben zu wollen und bereit zu sein, mehr als das Geforderte einzubringen. Das unterstreicht das Loyalitätspotenzial dieser Gruppe.

Arbeitsplatzgestaltung: Vier Empfehlungen für generationenübergreifende Qualität

Aus den Ergebnissen lassen sich vier zentrale Empfehlungen für die Gestaltung multigenerationaler Arbeitsplätze ableiten:

  • In High-Performance-Umgebungen investieren
    Hochwertige Arbeitsplätze unterstützen Konzentration, Kollaboration und Wohlbefinden quer durch alle Altersgruppen. Dazu gehören ergonomische Möbel, gute Akustik, Zonen für fokussiertes Arbeiten und offene Bereiche für kreativen Austausch. Besonders das Zusammenspiel aus Tageslicht, flexiblen Arbeitsorten (Einzelplätze, Teamzonen, Community-Flächen) und digitalen Tools (z. B. Kollaborationslösungen, buchbare Meetingräume) macht Organisationen anpassungsfähiger und resilienter.
  • Loyalität und Zugehörigkeit stärken
    Räume, in denen Wertschätzung und Gemeinschaft erlebbar werden – etwa Lounges, Projekt‑Cafés, Bibliotheksecken oder Outdoor-Bereiche – fördern Begegnung über Generationen hinweg. Sie unterstützen ältere Beschäftigte dabei, Wissen weiterzugeben, und schaffen Orte, an denen sich Teams mit dem Unternehmen identifizieren können. Studien zeigen, dass eine hohe emotionale Bindung an Arbeitsplatz und Organisation die Loyalität und Innovationsbereitschaft messbar erhöht.
  • Stereotype in der Raumgestaltung abbauen
    Die verbreitete Annahme, ältere Mitarbeiter bevorzugten vor allem abgeschottete, traditionelle Arbeitsplätze, lässt sich empirisch nicht halten. Gensler weist darauf hin, dass verschiedene Altersgruppen ähnliche Wünsche nach Flexibilität, Rückzugsoptionen und echter Zusammenarbeit äußern. Offene, interaktive Flächen, variable Workpoints statt fester Schreibtische und modulare Raum‑in‑Raum-Lösungen werden von jüngeren wie älteren Beschäftigten gleichermaßen genutzt und geschätzt.
  • Inklusive Gestaltung für alle Karrierephasen
    Die Survey zeigt, dass Arbeitsweisen individuell sehr unterschiedlich sein können, aber nicht strikt an Altersgrenzen gebunden sind. Multigenerationale Arbeitsplätze sollten daher flexibel und barrierearm konzipiert sein, zum Beispiel durch höhenverstellbare Tische, gut lesbare Leitsysteme, gezielte Ruhezonen und eine Infrastruktur, die sich an wechselnde Teamstrukturen und Aufgaben anpassen lässt. So wird Raum zum Bindeglied zwischen Generationen.

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Die Kraft altersgemischter Teams

Altersdiversität erschöpft sich nicht darin, Erfahrung „mit an Bord“ zu haben. Studien zu Altersvielfalt und Innovation zeigen, dass Teams mit unterschiedlichen Altersgruppen häufiger neue Produkte und Dienstleistungen hervorbringen. Ältere Mitarbeiter bringen Branchenwissen, Kontext und Pragmatismus ein, jüngere Kollegen ergänzen digitale Kompetenzen und frische Perspektiven. Die Kombination macht Organisationen widerstandsfähiger und innovationsfähiger. Andere Untersuchungen zeigen zudem, dass altersdiverse Belegschaften Anpassungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit steigern, gerade in Zeiten, in denen sich Märkte und Technologien schnell verändern.

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Kontinuierlicher Wissensaustausch durch altersgemischte Teams

Studien wie der EDGE–EY–EqualVoice Generations Report 2024 kommen zu dem Ergebnis, dass rund zwei Drittel der befragten Führungskräfte Altersvielfalt als wichtigen Treiber für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit sehen. Weitere Untersuchungen von Allianz Research, dem IAB und BCG belegen, dass altersgemischte Teams häufiger Innovationen hervorbringen und die Stärken jüngerer wie älterer Mitarbeiter besser nutzen. 

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Ergonomie, Kommunikation und Gesundheitsförderung als Erfolgsbausteine

Eine zukunftsfähige Arbeitsplatzgestaltung berücksichtigt ergonomische Anforderungen in allen Altersgruppen. Anpassbare Möbel, gute Beleuchtung, sinnvolle Wegeführung und akustische Qualität unterstützen die Leistungsfähigkeit und Gesundheit. Genauso wichtig sind Kommunikationsstrukturen, die Raum für Austausch, Feedback und gemeinsames Lernen bieten. Experten verweisen darauf, dass betriebliche Angebote für körperliche und mentale Gesundheit zunehmend zum Erfolgsfaktor werden, um die Arbeitsfähigkeit älterer Beschäftigter zu erhalten. Davon profitieren auch jüngere Mitarbeiter, weil sich die Arbeitsumgebung insgesamt produktiver und menschlicher gestaltet.

Die Arbeitswelt von morgen: offen, inklusiv, performanceorientiert

Der Paradigmenwechsel ist deutlich: Ältere Beschäftigte halten nicht automatisch an traditionellen Arbeitsmustern fest. Im Gegenteil zeigen Untersuchungen, dass sie, genauso wie jüngere Generationen, moderne, gut gestaltete Arbeitsumgebungen mit Interaktions- und Lernmöglichkeiten schätzen. Unternehmen, die in flexibel gestaltbare Arbeitsräume investieren, stärken die Zusammenarbeit und Kommunikation und fördern ein Gefühl von Zugehörigkeit, den „Spirit of Belonging“, über alle Altersgruppen hinweg. Multigenerationale Gestaltung unterstützt die langfristige Bindung von Talenten und trägt dazu bei, das Bild einer inklusiven, innovativen Organisation mit Leben zu füllen.

Gensler betont: Der Schlüssel zum Erfolg liegt im generationenübergreifenden Miteinander. Arbeitsplätze, die Vielfalt ernst nehmen, ermöglichen Konzentration, Innovation und eine neue Form von Loyalität. Den Herausforderungen des demografischen Wandels lässt sich nicht mit starren Konzepten begegnen, sondern mit flexiblen, offenen und leistungsfähigen Arbeitsumgebungen, die allen Generationen Entwicklung und Teilhabe ermöglichen.

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Weitere Daten und vertiefende Analysen zur multigenerationalen Arbeitsplatzgestaltung unter:

Gensler (2025): Gensler Global Workplace Survey 2025. Online unter: https://www.gensler.com/gri/global-workplace-survey-2025

Gensler (2025): Designing for a Multigenerational Workforce. Blog „dialogue“. Online unter: https://www.gensler.com/blog/multigenerational-workforce-design

EDGE Certified Foundation / EY / EqualVoice (2024): Generations Report – Making the most of the advantages of age diversity in corporations. Online unter: https://www.ey.com/en_ch/newsroom/2024/12/generations-report-making-the-most-of-the-advantages-of-age-diversity-in-corporations

Allianz Research (2024): Fostering age inclusion at work to make companies more resilient and innovative. Online unter: https://www.allianz.com/content/dam/onemarketing/azcom/Allianz_com/economic-research/publications/specials/en/2024/september/2024_09_19_demography_2024_AZ.pdf

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) (2019): Age Diversity and Innovation: Do mixed teams of “old and young” workers foster innovative firm performance? IAB-Discussion Paper 04/2019. Online unter: https://doku.iab.de/discussionpapers/2019/dp0419.pdf

Boston Consulting Group (BCG) (2018, aktualisiert): How Diverse Leadership Teams Boost Innovation. Online unter: https://www.bcg.com/publications/2018/how-diverse-leadership-teams-boost-innovation

Titelbild: @iStock / skynesher