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Das richtige Licht im (Home-) Office: Tipps fürs hybride Arbeiten

Beleuchtung

OKA 3D-Chair
Lorenz Riethmüller Lorenz Riethmüller ·
8 Minuten

Hybride Arbeitsmodelle, Flexibilität und Employee Wellbeing gehören zu den Schwerpunktthemen der modernen Arbeitswelt. Unternehmen investieren in eine digitale Infrastruktur, in Fitness- und Meditations-Apps und in ergonomische Möbel. Doch ein Faktor wird bei alledem oft übersehen: die richtige Beleuchtung des Arbeitsplatzes.

Dabei hat diese einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden der Belegschaft. Gute Beleuchtung ist eine Kombination aus ausreichender Helligkeit, hoher Lichtqualität und der intelligenten Nutzung von Tageslicht. Sie unterstützt den Biorhythmus, fördert die Konzentration und zahlt auf die Gesundheit der Mitarbeitenden ein. Es ist aus ergonomischer Sicht mindestens genauso wichtig wie der Bürostuhl oder der passende Schreibtisch. Denn schlechte Beleuchtung führt zu Müdigkeit, Kopfschmerzen, brennenden Augen, Haltungsschäden, nachlassender Konzentration und verminderter Produktivität. Das richtige Licht entscheidet folglich über den Erfolg eines jeden Unternehmens. Aber was ist gutes oder richtiges Licht? Welches Licht braucht es für den Arbeitsplatz? Was gilt es bei der Einrichtung eines Büros und was gilt es bei der Einrichtung eines Homeoffice zu beachten?

Alles eine Frage des guten Lichts

Für eine gute Arbeit braucht es gutes Licht. Eine zeitgemäße Lichtplanung berücksichtigt heutzutage nicht nur die Organisation ausreichender Beleuchtungsstärken, sondern bezieht die Wahrnehmung von Helligkeiten bei der Leuchtdichtenverteilung mit ein. Ziel einer stabilen Wahrnehmung ist, durch die Balance aller Leuchtdichten im Raum ein optimales Helligkeitsverhältnis zwischen Sehaufgabe und Umfeld zu erreichen. Bei einem Bildschirmarbeitsplatz oder klassischen Schreibtisch ist eine mittlere Beleuchtungsstärke von mindestens 500 Lux zu berücksichtigen. Auch die direkte Umgebung darf nicht im Dunkeln verschwinden, sondern muss mit 300 Lux oder mehr beleuchtet werden. Die Norm definiert bei alldem das Minimum. Je nach Alter und persönlichem Empfinden der Mitarbeitenden kann der Helligkeitsbedarf variieren. Es lohnt sich, in Leuchten zu investieren, die variabel einstellbar sind. Denn ausreichend helles Licht vermeidet ermüdete und schmerzende Augen.

Neben der Helligkeit trägt auch die Farbtemperatur, gemessen in Kelvin (K), entscheidend zur Arbeitsproduktivität und Arbeitsatmosphäre am Arbeitsplatz bei. Je höher der Anteil roter Spektralfarben im Licht ist, desto wärmer empfinden wir Licht. Bei einem hohen blauen Lichtanteil, wird das Licht kälter wahrgenommen. Die Eigenfarben der Lichtquellen werden in drei übergeordneten Gruppen eingeteilt. Tageslichtweißes Licht (über 5300 K) wirkt aktivierend und konzentrationssteigernd und kommt zumeist in Büroräumen zum Einsatz. Neutralweißes Licht (3300–5300 K) ist oft weniger kühl und eignet sich für produktive Umgebungen. Warmweißes Licht (bis 3300 K) dagegen wirkt entspannend und gemütlich. Es kommt häufig in Wohnräumen zum Einsatz und eignet sich daher gut für Aufenthalts- oder Besprechungsräume. Die Wahl der richtigen Lichtfarbe ist also sehr abhängig von der Sehaufgabe und dem zu beleuchtenden Umfeld. Es sollte nicht nur darauf geachtet werden, welche Emotionen mit einer Lichtfarbe geweckt werden sollen, sondern auch darauf, dass die Lichtfarbe der Beleuchtung auf die gewählten Farben und Oberflächen abgestimmt ist und diese bei der Reflexion des Lichts die bestmögliche Wirkung bekommen. Grundsätzlich sind kältere Lichtfarben eher mit höheren Beleuchtungsstärken und einer diffusen Lichtverteilung verbunden, während warme Lichtfarben bei geringeren Beleuchtungsstärken und gerichtetem Licht zum Einsatz kommen.

Eine LED-Beleuchtung sollte möglichst in seiner Helligkeit und Farbtemperatur flexibel an die Raum- und Sehbedürfnisse angepasst werden. Mit modernen Büroleuchten lassen sich auch Energieeinsparungen maximieren. Wer auf Leuchten mit Tageslichtsensoren (automatische Anpassung der Lichtqualität) und Bewegungssensoren (Licht schaltet bei Abwesenheit ab) setzt, kann bis zu 80 Prozent der Energiekosten einsparen – das gilt für das Büro und das Homeoffice. 

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Zwischen Funktion und Wohnlichkeit: Die Licht-Strategie für hybride Arbeitsplätze

Die Beleuchtung im Büro und im Homeoffice verfolgt zwar dasselbe Ziel – Ermöglichung konzentrierter Arbeit – unterscheidet sich aber stark hinsichtlich der Prioritäten und Anforderungen.

Das klassische Büro: Zwischen Produktivität und Wellbeing

Eines ist nicht von der Hand zu weisen: Eine optimale Lichtplanung ist neben der Raumgestaltung entscheidend für die Produktivität sowie das Wohlbefinden der Mitarbeitenden. Das Beleuchtungskonzept muss immer auf die jeweilige Organisationsform abgestimmt sein – also auf Einzel‑, Gruppen‑, Großraumbüros etc. Die Planung umfasst nicht nur die reinen Arbeitsplätze, sondern auch Meetingräume, Teeküchen, Foyer und Flure. Das Zusammenspiel von Tageslicht und künstlicher Beleuchtung stellt die Basis jeder Büro-Lichtplanung dar. Einzelbüros haben oft einen höheren Tageslichtanteil. Meeting- und Konferenzräume werden in der Regel mit Lichtsystemen ausgestattet, die ein konzentriertes Arbeiten und eine anregende Kommunikation fördern. Teeküchen dagegen sind ein Ort der Entspannung und des Austausches. Hier wird ein Lichtkonzept benötigt, das den funktionalen Ansprüchen gerecht wird, aber auch den atmosphärischen. Um den unterschiedlichen Teilfunktionen der Räume gerecht zu werden, lohnt es sich, in steuerbare und regelbare Leuchtmittel zu investieren.

Für Büroräume und Arbeitsplätze gelten Normen, die es einzuhalten gilt. So müssen Lichtblendungen und Reflexionen vermieden werden. Außerdem muss eine gleichmäßige Verteilung der Beleuchtung garantiert werden. Zu starke Hell-Dunkel-Zonen sollten immer vermieden werden. Neben der richtigen Lichtfarbe ist auch eine gute Farbwiedergabe wichtig. Diese wird mit dem sogenannten Farbwiedergabeindex (CRI) definiert. Hierbei ist das Sonnenlicht mit CRI 100 der beste Referenzwert.

Um eine ergonomische Lichtumgebung zu schaffen, kommen in Unternehmen verschiedene Lichtarten zum Einsatz, die sich gegenseitig ergänzen: direktes Licht für die Akzentbeleuchtung am Schreibtisch und indirektes Licht für die allgemeine Raumhelligkeit. Flexible Office-Standleuchten oder gegebenenfalls fest über Arbeitsplätzen installierte Pendelleuchten kombinieren direktes Arbeitslicht mit einer Aufhellung der Decke. Für die Allgemeinbeleuchtung sorgen oft Downlights, die durch Reflexion an den Wänden für allgemeine Helligkeit sorgen und gezielt Akzente setzen. Wichtig ist bei allen direkt strahlenden Leuchten (Spots oder Fluter), dass diese gut abgeblendet sind, um störende Blendungen zu vermeiden.

Das Homeoffice: Harmonie und Flexibilität

Das Homeoffice ist weniger ein Raum als vielmehr eine Tätigkeit, die mal im Arbeitszimmer stattfindet, mal am Esstisch, mal im Gästezimmer oder in einer Ecke des Wohn- oder Schlafzimmers.  Hier geht es weniger um starre Normen als um individuelle Anpassbarkeit und das Schaffen einer angenehmen Arbeits- und Wohnatmosphäre. Aus diesen Gründen wird Warmweiß (unter 3000 K) zumeist für die Allgemeinbeleuchtung im Homeoffice genutzt, um eine wohnliche Stimmung zu erzeugen. Für die Arbeit sollte es jedoch mit neutralweißem oder tageslichtweißem Licht am Schreibtisch kombiniert werden, um die Konzentration während der Arbeitszeit zu gewährleisten. Für das Homeoffice ist eine ausrichtbare Tischleuchte mit direktem Licht immer eine gute Wahl. Zusätzliche Leuchten hellen den Arbeitsraum entsprechend auf. Moderne LED-Lichtlösungen sind flexibel in der Nutzung. Alternativ können mehrere separat schaltbare Lichtquellen verwendet werden. Das gewährleistet, je nach Nutzungsszenario, die passende Stimmung.

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Quick-Tipps für das richtige Licht im (Home) Office

  • Tageslicht nutzen: Positionieren Sie den Schreibtisch so, dass das Tageslicht von der Seite einfällt. So werden Blendung und Verschattung vermieden und der Blick aus dem Fenster ermöglicht kurze und notwendige Bildschirmpausen. Tageslicht trägt zur Gesundheit und zum Wohlbefinden bei.
  • Faustregel: Schreibtischleuchten sollten bei Rechtshändern immer links auf dem Schreibtisch stehen und bei Linkshändern rechtsseitig.
  • Licht-Mix: Kombinieren Sie Allgemeinbeleuchtung (indirekt, Reflexion an Decke/Wänden) und Akzentbeleuchtung (direkt und konzentriert).
  • Human Centric Lighting: Nutzen Sie smarte Leuchtmittel, die den Tageslichtverlauf simulieren. Morgens kühles, aktivierendes Licht; zum Feierabend hin automatisch wärmeres Licht zur Entspannung.

Licht als Investition in die Produktivität, Wirtschaftlichkeit und Mitarbeiterbindung

Eine professionelle Lichtplanung ist eine strategische Investition. Sie steigert die Produktivität der Mitarbeitenden und mindert Krankheitstage und Energiekosten. Das richtige Licht ist ein oft unterschätzter Faktor, erweist sich jedoch als eine der entscheidenden Stellschrauben für das Employee Wellbeing, die Mitarbeiterzufriedenheit und die Mitarbeiterbindung in Zeiten des Fachkräftemangels.

 

Lorenz Riethmüller ist Architekt und seit 2023 Leiter der Lichtakademie bei Prediger, Deutschlands führender Lichtberatung. In diesen Rollen vereint er drei Jahrzehnte architektonischer Expertise mit fundiertem Lichtverständnis. Das Thema zieht sich dabei wie ein Roter Faden durch sämtliche seiner Planungsaufgaben – von der Gestaltung des öffentlichen Raums bis zur Planung eines Shop Designs. Die Lichtplanung bei den Entwurfsprozessen von Anfang an mit zu denken, war immer ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit. Nach seinem Innenarchitekturstudium prägte Riethmüller bei der ECE Projektmanagement über 20 Jahre lang die Entwicklung vieler Großprojekte, wie die Umgestaltung des Olympia Einkaufszentrums München oder den Neubau der Schloss-Arkaden Braunschweig. Mit seinem eigenen Planungsbüro konnte er seit 2011 namhafte Projektentwickler bei der Revitalisierung oder Neukonzeption von Handelsimmobilien unterstützen. Dazu zählen unter anderem das Palladium in Prag sowie in Hamburg die Rindermarkthalle St. Pauli und die Passage Perle. Weitere Informationen unter: www.prediger.de.

Titelbild: OKA