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Frauke von Polier im Gespräch: Sinn, Human Experience Management und Führung als Erfolgsfaktoren für Transformation

Work Culture Festival

Work Culture Festival: Frauke von Polier im Gespräch mit Michael Trautmann. Bild: IBA
IBA Redaktionsteam IBA Redaktionsteam ·
6 Minuten

Im Rahmen des Work Culture Festivals diskutierten Frauke von Polier und Michael Trautmann in einem Live-Podcast über die wesentlichen Elemente erfolgreicher Unternehmenstransformation. Unter dem Titel „Transformation steuern: Sinn, HXM und Führung als die wichtigsten Steuerelemente erforschen“ beleuchteten sie, wie Unternehmen ihre Arbeitskultur weiterentwickeln können, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der Weg zur sinnerfüllten Führung

Trautmann, Moderator des Podcasts „On the Way to New Work“, fragte zu Beginn des Gesprächs nach dem beruflichen Werdegang von Frauke von Polier und welche Lehren sie aus ihren bisherigen Stationen gezogen habe. Von Polier, derzeit Chief People Officer der Viessmann Gruppe und ehemals CHRO bei Zalando und SAP, beschrieb, wie ihre Karriere von einer starken Leistungsorientierung und dem Wunsch nach sinnstiftender Arbeit geprägt war. Im Laufe der Jahre habe sie gelernt, dass Sinnhaftigkeit und Menschlichkeit entscheidende Faktoren für nachhaltige Transformationen seien. Sie betonte, dass sie erst nach vielen Jahren ihre Berufung gefunden habe und heute davon überzeugt sei, dass Unternehmen nur dann langfristig erfolgreich sein können, wenn sie den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Strategie stellen.

HXM als neues Paradigma des Personalmanagements

Ein zentraler Aspekt der Diskussion war das Konzept des Human Experience Management (HXM). Im Gegensatz zum traditionellen Human Resources Management (HRM), das stark auf Prozesse und Effizienz ausgerichtet ist, nimmt HXM jeden Mitarbeiter und dessen Bedürfnisse in den Blick, denn, so Frauke von Polier, es reiche nicht mehr aus, Mitarbeiter nur als Ressource zu betrachten. Vielmehr müsse die Employee Experience bewusst gestaltet werden, damit sich Menschen langfristig mit einem Unternehmen identifizieren und zur Leistungsmotivation beitragen. Sie betonte, dass insbesondere die Generation Z Wert auf sinnstiftende Arbeit, eine positive Unternehmenskultur und persönliche Weiterentwicklung lege. Diese Generation habe hohe Erwartungen an ihre Arbeitgeber: Sie suche nicht nur stabile Jobs, sondern auch Unternehmen, die authentische Werte vertreten, Diversität fördern und flexible Arbeitsmodelle anbieten. Unternehmen müssten sich daher stärker auf die Bedürfnisse der Generation Z einstellen, um talentierte Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Dazu gehören eine offene Kommunikation, ein klares Werteverständnis und die Möglichkeit, sich aktiv in Entscheidungsprozesse einzubringen. „Die Generation Z will nicht nur mitarbeiten, sondern mitgestalten“, so von Polier. Um dies zu ermöglichen, sei es wichtig, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die Sinnhaftigkeit, Eigenverantwortung und Zusammenarbeit in den Mittelpunkt stellt.

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Leadership in Zeiten der Transformation

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Rolle von Führung in Transformationsprozessen. Laut von Polier ist eine erfolgreiche Führungskraft jemand, der sowohl über Managementfähigkeiten als auch über Führungsqualitäten verfügt. „Management ist das System, das funktioniert, Leadership ist die Vision, die motiviert“, erklärte sie. Sie betonte, dass gute Führung vor allem innere Arbeit sei. Wer sich selbst reflektieren könne und bewusst führe, könne auch andere inspirieren und voranbringen. Führung sei daher weit mehr als das bloße Verwalten von Strukturen, sondern bedeute, eine klare Richtung vorzugeben, Veränderungen aktiv zu gestalten und Mitarbeiter in ihrer Entwicklung zu fördern. Für von Polier gibt es nicht den einen richtigen Führungsstil. Unternehmen bräuchten je nach Phase der Unternehmensentwicklung und Aufgabe unterschiedliche Führungspersönlichkeiten. Entscheidend sei, dass die Führung in sich stimmig und authentisch sei. Gerade in unsicheren Zeiten seien Anpassungsfähigkeit und Empathie gefragt, um Teams effektiv durch Veränderungen zu navigieren. Von Polier betonte zudem, dass Führungskräfte heute verstärkt als Coaches und Mentoren agieren sollten. Der klassische hierarchische Führungsstil weiche immer mehr einem partizipativen Ansatz, bei dem die Führungskraft nicht nur Anweisungen gebe, sondern vielmehr ein Umfeld schaffe, in dem die Mitarbeiter ihr Potenzial entfalten könnten. Abschließend betonte sie, dass erfolgreiche Führungskräfte diejenigen seien, die es verstehen, sowohl strategisch zu denken als auch die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu berücksichtigen. In einer sich ständig verändernden Arbeitswelt sei es daher entscheidend, Führung als dynamischen Prozess zu begreifen und kontinuierlich weiterzuentwickeln.

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New Work: Mehr als nur Homeoffice und Tischkicker

Im Zuge der Debatte um New Work wurde deutlich, dass moderne Arbeitsformen weit über flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice hinausgehen. Auf Trautmanns Frage, ob das Konzept New Work in Krisenzeiten an Relevanz verliere, entgegnete von Polier, dass es gerade jetzt wichtig sei, die gelernten Prinzipien agiler Arbeit und hybrider Strukturen weiterzuentwickeln. Sie kritisierte, dass die Diskussion ums Homeoffice oft zu einseitig geführt werde. Viel wichtiger sei die Frage, wann Präsenz im Unternehmen wirklich notwendig ist und wie man Büroräume so gestaltet, dass sie ein inspirierendes Umfeld für die Zusammenarbeit bieten. „Statt Homeoffice oder Büro sollten wir uns fragen: Wann brauchen wir physische Begegnungen?“ Sie betonte, dass der Sinn des Büros nicht mehr nur in der klassischen Arbeitsweise liege, sondern zunehmend als Ort für kreative Zusammenarbeit, soziale Interaktion und kollaboratives Problemlösen dienen müsse. Von Polier wies darauf hin, dass hybride Arbeitsmodelle gezielt gestaltet werden sollten, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Mitarbeiter gerecht zu werden. Unternehmen sollten verstärkt in moderne Bürostrukturen investieren, die mehr Raum für informellen Austausch und kollaboratives Arbeiten bieten. Eine durchdachte Arbeitsplatzgestaltung, die sowohl Rückzugsorte für konzentrierte Einzelarbeit als auch offene, kommunikative Räume für Teambildungsprozesse umfasst, könne wesentlich zur Arbeitsqualität und Motivation beitragen. Darüber hinaus sei es unerlässlich, die Führungskräfte im Umgang mit hybriden Teams zu schulen. Kommunikation müsse bewusst gestaltet und regelmäßige Teamchecks müssten etabliert werden, um Zusammenhalt und Produktivität zu fördern. Nur durch eine durchdachte und strategische Umsetzung könne New Work sein volles Potenzial entfalten und Unternehmen langfristig erfolgreicher machen.

Abschließend fasste Frauke von Polier die zentrale Botschaft des Talks zusammen: „Es geht nicht darum, ob wir uns verändern, sondern wie wir es tun.“ Denn nur durch eine bewusste und zielgerichtete Transformation können Unternehmen nachhaltig erfolgreich sein. Die Zukunft der Arbeit wird nicht durch einzelne Maßnahmen oder Modetrends entschieden, sondern durch eine tief verankerte Sinnhaftigkeit und ein nachhaltiges Verständnis von Führung. Unternehmen, die diesen Wandel bewusst gestalten, werden langfristig nicht nur wirtschaftlich erfolgreich sein, sondern auch eine Kultur schaffen, die Mitarbeiter wirklich inspiriert und motiviert.

Work Culture Festival Impressionen

Ikonische Momente erleben Hier finden Sie eine erste kleine Auswahl an Fotos des Festivals.

Frauke von Polier ist seit März 2021 Chief People Officer und Mitglied der Geschäftsführung der Viessmann Gruppe. Sie ist eine der führenden Stimmen in der „People & Culture“-Community und wurde vom Personalmagazin zum „CHRO of the Year 2022“ gewählt. Zuvor war sie COO People bei SAP und als Chief People Officer maßgeblich an der Wachstumsstory der Zalando SE beteiligt. Sie beschäftigt sich leidenschaftlich mit Menschen und Organisationen in einer digitalen Welt und ist davon überzeugt, dass alle geschäftlichen Herausforderungen mit den richtigen Menschen, der richtigen Führung und der richtigen Kultur gelöst werden können. Mehr Informationen unter: viessmann.family und https://www.linkedin.com/in/frauke-von-polier-499589b1/.

Titelbild: © IBA