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Vom Müssen zum Wollen: Wie die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung Unternehmen zukunftsfähig macht

Nachhaltigkeit

IBA Forum Gastbeitrag von Kristina Broger, SAIM, über die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung. Bild: iStock
Kristina Broger Kristina Broger ·
6 Minuten

Im Dezember 2025 hat die EU mit der Omnibus-Einigung einen neuen Rahmen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung gesetzt. Der Kreis der reportingpflichtigen Unternehmen wurde deutlich enger gezogen: Künftig sind nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und einem jährlichen Nettoumsatz von über 450 Millionen Euro verpflichtet, über ihre sozialen und ökologischen Auswirkungen nach der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) zu berichten.

Weniger Pflicht, mehr Spielraum

Das bedeutet konkret: Neun von zehn Unternehmen fallen künftig nicht mehr unter die Berichtspflicht. Für viele bedeutet das eine spürbare Entlastung. Andere wiederum sehen gerade in dieser neuen Situation eine Chance – und entscheiden sich bewusst dafür, weiterhin strukturiert ihre Nachhaltigkeitsleistung offenzulegen. Unternehmen wie der Modehersteller OLYMP orientieren sich an den europäischen Standards – obwohl sie dazu nicht verpflichtet sind. Sie sehen in einem Nachhaltigkeitsbericht ein strategisches Instrument, ihr Geschäftsmodell zukunftsfähig zu machen, Stakeholder zu überzeugen und sich deutlicher im Wettbewerb zu positionieren.

Transparente Kommunikation bei OLYMP

Ein Blick auf jene Unternehmen, die bereits in der Vergangenheit freiwillig berichtet haben, legt nahe, dass Investitionen in die Nachhaltigkeitsberichterstattung also weiterhin sinnvoll sein können. So etwa beim internationalen Modehersteller OLYMP aus Bietigheim-Bissingen.

2024 entschied sich das Unternehmen nach Jahren erfolgreicher Nachhaltigkeitskommunikation, den Bericht erstmals angelehnt an die CSRD zu erstellen – obwohl keine Pflicht bestand.

„Unser Anspruch war es, sämtliche Nachhaltigkeitsaktivitäten transparent zu kommunizieren, die Vergleichbarkeit unserer Nachhaltigkeitsleistung – durch die Orientierung an geltenden europäischen Standards – zu erhöhen und damit auch unsere Glaubwürdigkeit weiter zu unterstreichen“, sagt Mark Bezner, Inhaber und CEO von OLYMP.

Gemeinsam erarbeiteten wir mit dem Modehersteller im ersten Schritt die notwendigen Datengrundlagen, bewerteten und strukturierten diese in einem klaren Berichtskonzept und setzten den Nachhaltigkeitsbericht in deutscher und englischer Fassung um. Mit der Veröffentlichung im Oktober 2025 wurde der Bericht zur Referenz für kommende Berichtszyklen – und zugleich zur belastbaren Grundlage für eine fundierte, zielgruppengerechte Kommunikation über unterschiedliche Kanäle.

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Die Vorteile der freiwilligen Berichterstattung auf einen Blick

  • Mehr Transparenz fürs Geschäftsmodell: Ein strukturierter Nachhaltigkeitsbericht verschafft Klarheit. Die vorgelagerte doppelte Wesentlichkeitsanalyse zeigt, wo das eigene Geschäftsmodell Wirkung entfaltet – positiv wie negativ. Unternehmen gewinnen also eine faktenbasierte Transparenz und können neue Produkte, effizientere Prozesse oder bessere Lieferantenbeziehungen punktgenau gestalten.
  • Stärkere Verhandlungsmacht gegenüber Stakeholdern: Banken, Handelspartner und Investoren stellen zunehmend Anfragen zu Nachhaltigkeitsthemen. Ein strukturierter Bericht liefert vergleichbare, belegte Antworten. Das stärkt die Position in Verhandlungen: Banken können nachhaltigkeitsorientierte Finanzierungen besser einschätzen – mit möglichen Vorteilen bei Kapitalzugang und Konditionen. Auch gegenüber Kunden und Geschäftspartnern schafft die standardisierte Offenlegung Vorteile: Wer belegen kann, wie das eigene Unternehmen mit Nachhaltigkeitsthemen umgeht, stärkt nicht nur seine Glaubwürdigkeit, sondern kann auch neue Geschäftstätigkeiten erschließen.
  • Konsistente Kommunikation und Schutz vor Reputationsschäden: Ein Nachhaltigkeitsbericht bündelt Daten und Belege zentral. Das erhöht innerbetrieblich die Effizienz und spart Abstimmungsschleifen, verhindert widersprüchliche Aussagen und schützt vor Fehlkommunikation. Das Marketing findet dort geprüfte Zahlen für Kampagnen, der Vertrieb Argumente für Kundengespräche, die Personalabteilung Material für Recruiting und die Unternehmenskommunikation kann hier einen unschätzbaren Bestand von Fakten für Pressemitteilungen nutzen.
  • Silos aufbrechen und interne Zusammenarbeit stärken: Der Berichtsprozess bringt Abteilungen an einen Tisch, die sonst selten gemeinsam arbeiten. Nachhaltigkeit, Finanzen, Einkauf und Personal müssen Daten abstimmen und Prioritäten klären. Das kostet zunächst Zeit, zahlt sich aber schnell aus: Entscheidungen entstehen auf breiterer Informationsbasis. Mitarbeitende verstehen besser, wie ihre Arbeit mit den Nachhaltigkeitszielen zusammenhängt. Künftige Abstimmungen werden einfacher, weil Prozesse und Verantwortlichkeiten geklärt sind.

Wie der Einstieg gelingen kann

Die Vorteile der Nachhaltigkeitsberichterstattung sind längst greifbar. Der Weg dorthin führt dabei weniger über den Abbau vermeintlich bürokratischer Hürden, als über eine sorgfältige interne Planung. Denn Nachhaltigkeitsberichterstattung ist kein Selbstzweck, sondern ein strategisches Instrument – und verlangt entsprechend nach Vorbereitung und Klarheit in den Prozessen.

Wer freiwillig einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen will, steht vor praktischen Fragen: Wie lässt sich das Vorhaben im Unternehmen verankern? Welche Strukturen braucht es?

Erfahrungen aus der Praxis zeigen: Die Geschäftsführung spielt eine zentrale Rolle. Wenn der Bericht als Teil der Unternehmensstrategie verstanden wird und nicht als isolierte Aufgabe einer einzelnen Abteilung, steigen die Chancen auf breite Akzeptanz und Nutzung der Ergebnisse. So auch bei OLYMP. Hier ist Nachhaltigkeit aus dem Selbstverständnis des Familienunternehmens heraus strategisch verankert: Man betrachtet sie als Teil der Verantwortung für die Menschen – im Unternehmen, am POS und in der gesamten Lieferkette.

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Die Wesentlichkeitsanalyse dient als strategische Priorisierung. Wenn Fragestellungen wie „Welche Nachhaltigkeitsthemen haben tatsächlich Einfluss auf das Geschäftsmodell?” und „Welche Stakeholder sollen mit dem Bericht erreicht werden?” früh geklärt werden, spart das später Zeit und sorgt für fokussiertes Arbeiten.

Ein strukturiertes Datenmanagement mithilfe von Tools und standardisierten Dokumenten erleichtert den Prozess erheblich. Das reduziert Suchzeiten und macht den Bericht auch in den Details jederzeit nachvollziehbar.

Einen weiteren Vorteil bietet die freiwillige Berichterstattung selbst: Sie eröffnet Spielräume im Umgang mit dem Standard. Anders als berichtspflichtige Unternehmen sind freiwillig Berichtende nicht gehalten, sämtliche Anforderungen vollständig abzubilden. Stattdessen können sie gezielt Prioritäten setzen – und bereits an dieser Stelle die Grundlage für spätere kommunikative Schwerpunkte in ihrer Branche legen.

Und schließlich gilt: Jedes Berichtsjahr liefert wertvolle Erkenntnisse. Welche Prozesse haben gut funktioniert? Wo traten Engpässe auf? Diese systematische Reflexion ermöglicht es, den nächsten Zyklus effizienter und zielgerichteter aufzusetzen.

Auch bei OLYMP ist dieser Lernprozess fest verankert. Der Nachhaltigkeitsbericht hat sich dort zum zentralen Bezugspunkt der Kommunikation entwickelt. Er schafft Klarheit darüber, wofür das Unternehmen steht – und genau diese Transparenz wird von Stakeholdern ebenso wie von Markenfans und einer breiteren, an der Marke interessierten Öffentlichkeit geschätzt.

Über OLYMP
OLYMP ist ein international tätiger deutscher Modehersteller mit Sitz in Bietigheim-Bissingen und steht für hochwertige Männermode im gehobenen Mittelpreissegment. Nachhaltigkeit ist dabei kein Zusatz, sondern Teil des Qualitätsverständnisses. Durch kontinuierliche Arbeit entlang der Wertschöpfungskette und verlässliche Handelsbeziehungen hat OLYMP Strukturen etabliert, die ökologische und soziale Verantwortung mit marktrelevanten Wettbewerbsvorteilen verbinden.

Über die Autorin
Kristina Broger ist Head of Digital Communication bei SAIM – der Unternehmensberatung von Utopia. Mithilfe ihres kommunikativen Gespürs und ihrer analytischen Fähigkeiten entwickelte sie bereits eine Vielzahl von erfolgreichen digitalen Kommunikationsstrategien für Unternehmen aus diversen Branchen.

Über SAIM
Nachhaltigkeit ist unsere Mission – Sustainability is our AIM. SAIM ist die Unternehmensberatung für Zukunftsfähigkeit – aus dem Hause UTOPIA. Wir unterstützen Unternehmen dabei, mit Nachhaltigkeit wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Nachhaltigkeit zielgerichtet implementieren und kommunikative Potenziale heben: Wir steuern Nachhaltigkeitsthemen strategisch und übersetzen sie in überzeugende und nachhaltig wirksame Kommunikation. Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir Strategien für Nachhaltigkeit und Kommunikation, die über die Umsetzung von Regulatorik hinausgehen und dazu beitragen, nachhaltige Transformation wirtschaftlich erfolgreich zu gestalten.

Titelbild: @ iStock