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Droht ein Comeback der alten Arbeitskultur? – von Dr. Daniel Dettling

Kolumne

Dr. Daniel Dettling, Foto: Laurencen Chaperon
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Die Kolumne für das IBA Forum von Dr. Daniel Dettling, einem der profiliertesten Zukunftsdenker im deutschsprachigen Raum, beschäftigt sich im August 2025 mit der Back to Office-Diskussion:

Steht die neue Arbeits- und Bürokultur vor dem Aus, bevor sie überhaupt begonnen hat? Immer mehr (große) Unternehmen zwingen ihre Mitarbeitenden zurück ins Büro. Ihre Begründung: mehr persönlicher Austausch, der Aufbau von Verbindungen und Stärkung der Unternehmenskultur. Das Zurück zur Präsenzkultur ist eher ein Akt der Verzweiflung orientierungsloser Führungskräfte.

 

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Das Ende der mitarbeiterzentrierten Führung?

Von einem neuen Trend berichten Personalverantwortliche und Headhunter. Gefragt sind wieder härtere Führungstypen, Zahlenmenschen, Restrukturierer und Umsatzbringer. Die Zeiten der mitarbeiterzentrierten Führung auf Augenhöhe seien vorbei. Waren sie je da? „Divers, offen und motivierend“ war zwar der Anspruch an die (überwiegend männlichen) Unternehmenschefs, die wenigsten haben es jedoch zur Chefsache gemacht. Stattdessen wurden Themen wie Führungskultur, Diversität und Werte an (fast ausschließlich weibliche) Personalvorstände und ihre Abteilungen delegiert.

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Die Zukunft gehört den Mikrokulturen

Statt auf Makrokultur und alte Führung zu setzen, gehört den Mikrokulturen die Zukunft. Gemeint sind jene Einheiten und Personenkreise, in denen Unternehmenskultur gelebt wird. Je geringer das (gefühlte) Maß an Flexibilität und Autonomie vor Ort, desto niedriger ist das Gefühl der Verbundenheit mit dem Unternehmen, belegt eine neue Studie des Beratungsunternehmens Gartner. Und mit der Verbundenheit sinkt auch die Produktivität. Bürokultur, Arbeitsschutz und Wellbeing gehören zusammen. Wie auch sonst kommt es auf das gesunde Maß an Flexibilität und Präsenz an. Schlägt das Pendel zu stark in eine Richtung, gerät das System aus dem Gleichgewicht.

Auf jede erfolgreiche Bewegung folgt eine Gegenbewegung. Die Krise in der Finanzwelt vor bald 20 Jahren und der gesamten deutschen Industrie heute zeigt, was aus Branchen wird, die auf eine homogene Führungskultur, Status-Symbole und Präsenz setzen und blind für den Wandel sind: Sie sterben aus wie einst die Dinosaurier. Der damalige Meteorit ist heute die Macht des Wandels. Der Wandel kennt keinen Ort, er kennt nur eine Richtung: nach vorn, in die Zukunft.

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Dr. Daniel Dettling ist Zukunftsforscher und Gründer des Instituts für Zukunftspolitik (www.institut-zukunftspolitik.de).  Dort erschien vor Kurzem das Buch „Eine bessere Zukunft ist möglich – Ideen für eine Welt von morgen“.

Titelbild: Dr. Daniel Dettling (Foto: Laurence Chaperon)