Die Kolumne für das IBA Forum von Dr. Daniel Dettling, einem der profiliertesten Zukunftsdenker im deutschsprachigen Raum, beschäftigt sich im April 2026 mit dem Thema Wohlbefinden und mentale Gesundheit:
Schon wieder Finnland! Zum neunten Mal in Folge führt das kleine Land im Nordosten Europas den Glücksbericht der Vereinten Nationen an („World Happiness Report“). Und das trotz Rekord-Arbeitslosigkeit, weniger Sonne und kälteren Durchschnittstemperaturen. Unter den Top 10 ist erstmals kein englischsprachiges Land. Die Ergebnisse des Reports erstaunen: Entscheidend sind nicht nur Einkommen und Wohlstand, sondern gesunde Lebenserwartung, soziale Unterstützung, Freiheit und Selbstbestimmung, soziale Sicherheiten und das Gefühl der Zugehörigkeit in der realen und nicht in der digitalen Welt.
Vertrauen und Zugehörigkeit machen glücklich
Die gute Nachricht des Reports: Wohlbefinden, mentale Gesundheit und das Vertrauen in Mitmenschen und Regierungen sind der beste Garant in Zeiten von Kriegen, Klimawandel und Konflikten. Zu den Verlierern gehört die Generation Z, die unter 25-Jährigen, in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland. Ihr Wohlbefinden ist im Gegensatz zu anderen Weltregionen, in denen junge Menschen heute glücklicher sind als vor 20 Jahren, deutlich gesunken. Zentrale Ursache ist die exzessive Nutzung sozialer Medien. Die Verweildauer auf TikTok, Instagram, Facebook etc. steht in direktem Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit. Vor allem Mädchen in westlichen Ländern sind betroffen.
Das glücklichste Land außerhalb Europas in der westlichen Welt ist nach Costa Rica Neuseeland. Bereits vor Jahren hat es ein „Wellbeing Budget“ genanntes Förderprogramm aufgelegt mit fünf Zielen: Verbesserung der psychischen Gesundheit, Reduzierung von Kinderarmut, Bekämpfung der sozialen und ökonomischen Ungleichheit, Innovationen und Teilhabe im digitalen Zeitalter sowie die Transformation der Wirtschaft im Sinne einer emissionsfreien, nachhaltigen Zukunft. Alle staatlichen Ausgaben sollen danach bewertet werden, ob und in welcher Form sie zur Erreichung dieser fünf Ziele beitragen.
Vor allem Faktoren wie schlechte Arbeitsbedingungen, fehlende soziale Sicherheit und politische Unfreiheit wirken sich negativ auf das Wohlbefinden der Bürger aus. Glück ist am Ende eine Frage von persönlicher und politischer Freiheit. Deutschland liegt (immerhin) unter den Top 20 und hat sich zuletzt deutlich verbessert. Wir können also auch glücklich, welch eine gute Nachricht in diesen unguten Zeiten!
Dr. Daniel Dettling ist Zukunftsforscher und Gründer des Instituts für Zukunftspolitik (www.institut-zukunftspolitik.de). Dort erschien vor Kurzem das Buch „Eine bessere Zukunft ist möglich – Ideen für eine Welt von morgen“.
Titelbild: Dr. Daniel Dettling (Foto: Laurence Chaperon)
IBA Forum-Gastbeitrag