Homeoffice Experience

Eine Studie des Fraunhofer IAO / OFFICE 21

Homeoffice Experience

Im Rahmen des Forschungsprojekts OFFICE 21 untersuchte das Fraunhofer für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), wie sich die Arbeit im Homeoffice auf die Produktivität von Mitarbeitern auswirkt. Dazu gaben von Mai bis Juli 2020 rund 2.100 Studienteilnehmer Auskunft über ihre Arbeit im Homeoffice. Zum Vergleich wurden Daten der "Office Analytics"-Studie aus dem Jahr 2018 herangezogen, die sich der Arbeit im Büro gewidmet hatte.

Die zentralen Erkenntnisse

Ob die Befragten nur einzelne Tage oder die gesamte Zeit im Homeoffice arbeiten, hat keine Auswirkung auf ihre Leistung. Relevant ist dagegen das Umfeld, in dem gearbeitet wird. Die Arbeitsleistung von Beschäftigten, denen ein separates Arbeitszimmer zur Verfügung steht, ist signifikant höher als diejenige von Arbeitnehmern, die in der Küche, dem Wohn- oder Esszimmer, im Schlafzimmer oder an wechselnden Orten innerhalb ihrer Wohnung arbeiten. Auch die Kreativität wird durch das räumliche Umfeld beeinflusst. Allerdings führt hier neben der Nutzung eines separaten Arbeitsraums auch der Wechsel zwischen verschiedenen (Arbeits-)Plätzen zu positiven Ergebnissen. Den zunächst überraschenden Befund erklären die Autoren der Studie damit, dass der Wechsel zwischen verschiedenen Arbeitsorten generell eine stimulierende Wirkung habe.

Wo der Arbeitsplatz im Homeoffice eingerichtet wird, hat einen wesentlichen Einfluss auf die Produktivität. 

Ein weiterer bedeutender Faktor für die Arbeitsleistung im Homeoffice ist die Frage, ob sich die Nutzer ganz auf die Arbeit konzentrieren können. Den kreativen Leistungen scheinen Ablenkungen durch die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Personen nichts anhaben zu können. Dagegen ist die Performance von Homeworkern, die sich voll und ganz auf ihre Arbeit konzentrieren können, signifikant höher als bei Personen, die während der Arbeitszeit Familienangehörige betreuen müssen. Während des Untersuchungszeitraums wurden Ablenkungen jedoch vielerorts kompensiert. Eine häufig geübte Strategie war, die Arbeit in die späten Abendstunden zu verlagern. Insgesamt gaben 37 % aller Befragten an, zu Hause häufig außerhalb der üblichen Arbeitszeiten tätig zu sein.

Die geringere Produktivität während der üblichen Arbeitszeiten wegen paralleler Kinderbetreuung machen viele Beschäftigte durch Arbeit am Abend wett.

Leistungsdimensionen im Detail

Informationsfluss im Unternehmen

Der Informationsfluss wurde insgesamt als gut bewertet (Mittelwert 3,8 auf einer fünfstufigen Skala). Insbesondere die gemeinsame Arbeit an Dokumenten funktioniert im Homeoffice weitgehend reibungslos. Probleme bereiteten eher die Vernetzung mit Kollegen und die spontane Informationsvermittlung. Viele Homeworker fühlten sich zudem von Informationen über wichtige das Unternehmen betreffende Angelegenheiten abgeschnitten. Dies wurde allerdings auch schon für die Arbeit im Büro bemängelt.

Eine wichtige Voraussetzung für einen funktionierenden Informationsfluss ist die technische Ausstattung. Auch klare Regelungen für die Arbeit im Homeoffice und frühere Erfahrungen mit der Arbeit zu Hause haben einen nachweislich postiven Einfluss auf die Qualität des Informationsaustauschs. Gleiches gilt für eine auf Vertrauen basierende Führung und die Unterstützung durch Vorgesetzte.

Performance im Homeoffice

Ihre Arbeitsleistung im Homeoffice bewerten die Befragten mit einem Mittelwert von 4,0. 44 % geben an, im Homeoffice genauso produktiv zu sein wie im Büro. 39 % haben den Eindruck, dass sie zu Hause produktiver sind. Nur 18 % empfinden die Arbeit im Homeoffice als weniger produktiv als die Arbeit im Büro.

Bemerkenswert ist, dass die Befragten ihre Produktivität im Homeoffice durchschnittlich höher einschätzen als die Beteiligten der "Office Analytics"-Studie ihre Arbeit im Büro. Ein möglicher Grund ist, dass die Befragten dem heimischen Arbeitsplatz eine deutlich bessere Eignung für konzentriertes Arbeiten attestieren als ihren Arbeitsplätzen im Büro (60 %). Auch für Telefonate und Webkonferenzen bevorzugen die Beschäftigten das Homeoffice.

Kreativität im Homeoffice

Am schlechtesten schneidet das Homeoffice bei der Eignung für die "Entwicklung kreativer Gedanken" und die "Entstehung neuer Ideen und Lösungen" ab. Durchschnittlich wurde der Faktor Kreativität mit einem Mittelwert von 3,4 bewertet. Das vergleichsweise schlechte Abschneiden scheint allerdings nur zum Teil mit dem Arbeitsort zusammenzuhängen. Auch in der "Office Analytics"-Studie bedachten die Befragten die eigene Kreativität mit eher unterdurchschnittlichen Werten.

Erfolgsfaktoren im Zeitverlauf

Bis zur 12. Woche verbesserte sich der Informationsfluss zwischen den Beschäftigten im Homeoffice stetig und fiel danach wieder leicht ab. Die Performance erlebte ihren Höhepunkt in der 16. Woche, ehe auch sie wieder leicht zurückging. Nur wenig Steigerung erfuhr die Kreativität. Nach der 16. Woche fiel sie zudem auf ihr ohnehin niedriges Ausgangsniveau zurück.

Aus der zeitlichen Entwicklung der drei Faktoren schließen die Studienmacher zweierlei: Viele Unternehmen brauchten Zeit, um die notwendigen technischen und organisatorischen Voraussetzungen für das Arbeiten im Homeoffice zu schaffen, und nach der ersten Euphorie vieler Homeworker seien Ermüdungserscheinungen eingetreten, die das zuvor ausgesprochen hohe Engagement etwas gebremst hätten.

Ein Blick in die Zukunft

Abschließend wurden die Teilnehmer nach ihren Erwartungen für die Zukunft gefragt. Hier gehen die Befragten davon aus, dass der Anteil der Arbeit im Büro abnehmen wird und sie auch künftig mehr Zeit im Homeoffice verbringen werden. Vor Corona arbeiteten die Studienteilnehmer von 20 Arbeitstagen durchschnittlich 14,6 Tage im Büro und 2,8 Tage zu Hause. Für die Zukunft gehen sie davon aus, dass sich das Verhältnis zu 10,8 Tagen im Büro und 7,2 Tagen im Homeoffice verschieben. Generell erwarten die Beschäftigten, ihre Arbeit künftig flexibler gestalten zu können. 61 % der Studienteilnehmer rechnen mit einer höheren räumlichen wie zeitlichen Flexibilität. 23 % erwarten, dass diesbezüglich alles beim Alten bleibt, und 17 % erwarten eine uneinheitliche Entwicklung.

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Informationen zur Studie

Bockstahler, Milena; Jurecic, Mitja; Rief, Stefan, "Homeoffice Experience – Eine empirische Untersuchtung aus Nutzersicht während der Corona-Pandemie". Stuttgart: Fraunhofer IAO 2020, ISBN 978-3-446-46224-3.

Weitere Informationen und Download hier >

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Bilder zu diesem Beitrag: aluxum / iStockdusanpetkovic / iStock, damircudic / iStock