Die Kolumne für das IBA Forum von Dr. Daniel Dettling, einem der profiliertesten Zukunftsdenker im deutschsprachigen Raum, beschäftigt sich im Juni 2026 mit dem Thema Führungskultur:
Gute Zeiten für große Jungs? Mit der Wiederwahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA feiert der Urtyp der Führungskultur ein Comeback: der alte weiße Mann. Auch in Deutschland sollen zwei ältere Männer die bürgerlichen Parteien CDU und FDP retten: Der 70-jährige Friedrich Merz und der vier Jahre ältere, neu gewählte Wolfgang Kubicki. Viele fürchten einen Backlash, einen Maskulinismus, der an die Stelle von Diversität, Inklusion und Gleichstellung tritt und vor allem von jüngeren Männern geteilt wird.
Die Bro-Kultur war nie weg
Von einem neuen Trend berichten auch Personalverantwortliche und Headhunter. Gefragt sind wieder härtere Führungstypen, Zahlenmenschen, Restrukturierer und Umsatzbringer. Die Zeiten der mitarbeiterzentrierten Führung auf Augenhöhe seien vorbei. Waren sie je in? In vielen großen Unternehmen war die Bro-Kultur nie richtig weg. „Divers, offen und motivierend“ war zwar der Anspruch an die (überwiegend männlichen) Unternehmenschefs, die wenigsten haben es jedoch zur Chefsache gemacht. Themen wie Führungskultur, Diversität und Werte wurden fast ausschließlich an weibliche Personalvorstände und ihre Abteilungen delegiert.
Der beste Beweis für den Siegeszug der Frauen
Dennoch sprechen zwei Gründe gegen die Ära der Machos im Management und den Backlash bei den Bossen. Erstens sitzen heute mehr Frauen und Männer mit diversen Lebensläufen und Erfahrungen aus anderen Berufszweigen in Vorständen und Aufsichtsräten, die zwischen authentischer und stringenter Führung und bloßem patriarchalen Gehabe unterscheiden können. Und zweitens zeigt der Backlash der Maskulinisten, wie erfolgreich gemischte Teams und Frauen in Führungspositionen längst geworden sind. Frauen sind in Wirtschaft und Politik auf dem Vormarsch, immer mehr Frauen werden Boss, Aufsichtsrätin und Regierungschefin.
Der „Gender War“ ist längst entschieden
Auf jede erfolgreiche Bewegung folgt eine Gegenbewegung. Die Gleichstellung der Geschlechter wird trotz Trump und den neuen Machos vorankommen. Der „Gender War“ ist längst entschieden. Frauen sind heute besser gebildet als Männer, ihre Arbeitslosenquote ist niedriger, ihre Gehälter wachsen schneller und sie leben länger. Die Krise in der Finanzwelt vor 20 Jahren und der Automobilwirtschaft heute zeigt, was aus Branchen wird, die auf eine homogene Führungskultur, Statussymbole und Privilegien setzen und blind sind für den Wandel. Sie sterben aus wie einst die Dinosaurier. Der Meteorit vor 66 Millionen Jahren ist heute die Macht des Wandels. Der Wandel kennt kein Geschlecht, er kennt nur eine Richtung: nach vorn, in die Zukunft.
Dr. Daniel Dettling ist Zukunftsforscher und Gründer des Instituts für Zukunftspolitik (www.institut-zukunftspolitik.de). Dort erschien vor Kurzem das Buch „Eine bessere Zukunft ist möglich – Ideen für eine Welt von morgen“.
Titelbild: Dr. Daniel Dettling (Foto: Laurence Chaperon)
IBA Forum-Gastbeitrag