Die Kolumne für das IBA Forum von Dr. Daniel Dettling, einem der profiliertesten Zukunftsdenker im deutschsprachigen Raum, beschäftigt sich im Juli 2026 mit dem Thema Zukunftsinvestitionen für die Generationen Z und Alpha:
Das Klagen über die Jugend ist älter als der berühmte Satz von Sokrates: „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ Vor allem die fehlende Leistungsorientierung ist ein populärer Vorwurf der Älteren. Empirisch lässt er sich nicht belegen. Im Gegenteil: einer neuen Befragung zufolge blickt eine deutliche Mehrheit der jungen Menschen in Deutschland optimistisch in die Zukunft und fast zwei Drittel glaubt, dass sie mit Leistung und Anstrengung eine persönlich bessere Zukunft erreichen.
Leistung und Anstrengung müssen sich lohnen
Das Aufstiegsversprechen, wonach sich Leistung und Anstrengung lohnen, ist essenziell für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft, in der das individuelle Vermögen nicht allein vererbt, sondern auch erworben werden kann. Fast alle jungen Menschen wünschen sich der Umfrage zufolge mehr Investitionen in die Zukunft: Bildung, bezahlbarer Wohnraum, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Mobilität und Stärkung der Demokratie. Und weniger Kosten im Alltag: Steuern und Abgaben und den Erwerb von Wohneigentum. Wenn Leistung als sinnlos empfunden wird und der Traum vom Eigentum sich nicht erfüllt, verlieren wir unsere Zukunft. Die Älteren sind jetzt in einer Bringschuld: Welches Land wollen sie der nächsten Generation, ihren Kindern und Enkelkindern hinterlassen?
Grunderbe für Alle
Es geht um gerechte Startchancen für alle jungen Menschen. In Deutschland werden pro Jahr bis zu 400 Milliarden Euro vererbt, das sind im Schnitt 85.000 Euro pro Erbfall. Das Problem: Die Hälfte erbt weniger als 33.000 Euro, fast 25 Prozent gehen an die TOP 10 der Einkommensbezieher. Wer Vermögen hat, erbt am häufigsten und am meisten. In den neuen Bundesländern erben nur wenige. Viel spricht daher für ein „Grunderbe“, das jedem Kind mit der Geburt vom Staat geschenkt und später für ein Studium, eine Ausbildung oder Unternehmensgründung investiert werden kann. Der Staat könnte für jeden Bürger einen Betrag von 10.000 Euro anlegen. Bis zum 18. Lebensjahr würde sich dieser bei einer Rendite von 3–4 Prozent verdoppeln. So viel Vertrauen in die junge Generation sollte uns das Geld wert sein. Die gesellschaftliche Rendite wäre um ein Vielfaches höher.
Dr. Daniel Dettling ist Zukunftsforscher und Gründer des Instituts für Zukunftspolitik (www.institut-zukunftspolitik.de). Dort erschien vor Kurzem das Buch „Eine bessere Zukunft ist möglich – Ideen für eine Welt von morgen“.
Titelbild: Dr. Daniel Dettling (Foto: Laurence Chaperon)
IBA Forum-Gastbeitrag