Das Büro der Zukunft muss mehr bieten als einen Arbeitsplatz. Es muss ein Ort sein, an dem Menschen gerne zusammenkommen, konzentriert arbeiten und sich wohlfühlen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Beleuchtung. Dennoch wird Licht bei der Planung moderner Arbeitswelten häufig unterschätzt. Im Vorfeld seines Vortrags auf dem Wherever Whenever – Work Culture Festival erklärt Licht- und Workplace-Experte Heiner Hans, warum Beleuchtung mehr ist als eine technische Notwendigkeit und welchen Beitrag sie zu Produktivität, Wohlbefinden und Büroattraktivität leisten kann.
Herr Hans, welche Rolle spielt Licht in den Arbeitswelten der Zukunft?
Beschäftigte sollen sich in modernen Officewelten wohlfühlen. Ein ganz entscheidender Faktor hierfür ist die Beleuchtung. Was viele nicht wissen: Licht ist nicht nur eine Voraussetzung für gutes Sehen. Es kann Menschen inspirieren, motivieren und aktivieren. Licht wirkt also nicht nur visuell, sondern auch emotional und biologisch.
Warum wird Beleuchtung Ihrer Meinung nach noch immer unterschätzt?
Im Gegensatz zu offensichtlichen Störfaktoren wie Lärm machen sich Beleuchtungsmängel häufig nicht sofort bemerkbar. Die Auswirkungen zeigen sich oft erst nach einem langen Bürotag in Form sogenannter astenopischer Beschwerden. Symptome wie Augenbrennen, Augenrötungen, trockene Augen oder Licht- und Flimmerempfindlichkeit werden deshalb häufig gar nicht mit dem Bürolicht in Verbindung gebracht. Selbst eine schlechte Schlafqualität kann durch ungeeignetes Licht mitverursacht werden.
Kann gutes Licht die Büropräsenz fördern?
Definitiv! Wer den Einfluss von gutem Licht auf das Wohlbefinden im Büro ignoriert und an überholten Beleuchtungssystemen festhält, läuft Gefahr, dass Mitarbeitende das Büro als ungeeigneten Arbeitsort empfinden. Die Folge: Das Homeoffice wird bevorzugt und der gewünschte persönliche Austausch mit Kollegen leidet. Im schlimmsten Fall drohen sogar Zombie-Gebäude mit verwaisten Büroflächen.
Was bedeutet nutzerzentrierte Beleuchtung konkret?
Nutzerzentrierte Beleuchtung bedeutet, dass die Bedürfnisse des Menschen konsequent im Mittelpunkt stehen – von der Konzeptentwicklung über die Planung bis zur Installation und Inbetriebnahme. Dies ist eine Zielsetzung des Lighting-System-Design-Prozesses, der in der technischen Spezifikation DIN SPEC 67503 beschrieben ist. Oft wird jedoch übersehen, dass auch die Nutzungsphase kontinuierliche Aufmerksamkeit erfordert, z. B. wenn sich Arbeitsaufgaben oder Arbeitsbereiche verändern. Deshalb sollten Arbeitgeber regelmäßig prüfen, ob die Lichtlösung weiterhin den tatsächlichen Anforderungen entspricht.
Wo liegen die größten Planungsfehler?
Der Hauptfehler liegt darin, dass ein Großteil der Beleuchtungsanlagen gar nicht professionell geplant wird. Heutzutage sind die Anforderungen in modernen Büros so projektspezifisch, dass Lösungen nach Schema F nicht mehr funktionieren. Planerische Expertise ist dafür unverzichtbar. Allerdings kann selbst die beste Planung nicht zum gewünschten Ergebnis führen, wenn Produkte mit fragwürdiger Qualität eingesetzt werden. Sorgfältige Vergleiche mit den ausgeschriebenen Leistungsmerkmalen werden angesichts großer Qualitätsunterschiede im Markt immer wichtiger. Denn nicht immer ist das günstigste Angebot auch das Beste.
Was ist im Hinblick auf Konzentration, Kreativität und Zusammenarbeit bei der Lichtplanung zu beachten?
Zukunftsweisende Bürokonzepte schaffen unterschiedlich gestaltete Zonen für die verschiedenen Anforderungen – jeweils mit der passenden Lichtatmosphäre. Für Aufgaben mit hoher Konzentration ist eine normgerechte Beleuchtung wichtig, die ermüdungsfreies, effizientes Arbeiten gewährleistet. In Kreativbereichen wirken technisch anmutende Leuchten dagegen deplatziert. Hier passt ein dekoratives Leuchtendesign besser zu den meist wohnlich gestalteten Räumen. Und für die Zusammenarbeit, etwa in Meetings, Präsentationen oder Diskussionen, ist flexibel steuerbares Licht optimal – idealerweise als einfach zu bedienende Szenensteuerung.
Welche Erkenntnis über Licht sollte jeder Workplace-Entscheider vom Wherever Whenever – Work Culture Festival mitnehmen?
Das richtige Licht ist entscheidend für Produktivität, Atmosphäre und Wohlbefinden im Büro. Gute Lichtlösungen gelingen, wenn Unternehmensvertreter, Architekten, Licht- und Elektroplaner sowie Workplace-Consultants interdisziplinär zusammenarbeiten und die Bedürfnisse des Nutzers konsequent in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen.
Herr Hans, vielen Dank für das Gespräch.
Dipl.-Ing. Heiner Hans studierte Elektrotechnik an den Technischen Universitäten Dortmund und Braunschweig. Von 1985 bis 2023 war er bei TRILUX in Arnsberg tätig und verantwortete dort unter anderem die Bereiche Technische Kommunikation, Anwendungstechnik und Operatives Marketing. Ab 2011 leitete er die TRILUX Akademie mit mehreren Standorten in Europa und engagierte sich für den Wissenstransfer rund um professionelle Beleuchtung und Lichtplanung. Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand beschäftigt sich Heiner Hans intensiv mit den Themen Lichtqualität, nutzerzentrierte Beleuchtung und moderne Arbeitswelten. Als Dozent und Autor vermittelt er praxisnahes Wissen darüber, wie Licht Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit beeinflusst und welchen Beitrag es zur Gestaltung attraktiver Arbeitsumgebungen leisten kann. Auf dem Wherever Whenever – Work Culture Festival spricht er über die Bedeutung nutzerzentrierter Beleuchtung für die Arbeitswelten der Zukunft.
Titelbild: ©TRILUX