06.08.2018
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THEMA

Neues wagen

Wie gut sind deutsche Unternehmen auf die Zukunft vorbereitet? Unterschiedlich gut. Diese wenig überraschende Antwort ist ein Ergebnis einer Befragung von Nutzern der größten Online-Plattform zur Arbeitgeberbewertung im deutschsprachigen Raum, kununu. Die in Kooperation mit Prof. Dr. Ruth Stock-Homburg, der Leiterin des Fachgebiets Marketing und Personalmanagement an der TU Darmstadt und Gründerin des Forschungsinstituts Leap in Time, durchgeführte Befragung förderte aber auch Bemerkenswertes zutage. So mangelt es in vielen Branchen explizit an dem Mut, Neues auszuprobieren. Dies könnte aber fatale Folgen haben, denn auch das zeigt die Studie: Die Innovationsaffinität von Unternehmen ist ein wichtiger Gradmesser für ihre Attraktivität als Arbeitgeber.

Vier Dimensionen hatten Prof. Stock-Homburg und ihr Team der Bewertung der Zukunftsfähigkeit von Unternehmen zugrunde gelegt: zunächst die Dimension der Zukunftsorientierung, also die Frage, ob sich ein Unternehmen mit den künftigen Herausforderungen auseinandersetzt; dann die Fähigkeit, bestehende Prozesse und Produkte an neue Gegebenheiten anzupassen; zum Dritten die Frage, ob Unternehmen in der Lage sind, sich regelmäßig neu zu erfinden und schließlich die Fähigkeit, die so gewonnenen Erkenntnisse mit bestehenden Prozessen in Einklang zu bringen. Im Hinblick auf die Attraktivität als Arbeitgeber identifizierten die Studienmacher die Faktoren Flexibilität, Agilität und Transparenz als ausschlaggebende Faktoren für die Wertschätzung von Unternehmen durch ihre Beschäftigten. Auch hier ist Offenheit gegenüber Neuem gefragt. So ist nachvollziehbar, dass gerade die innovativen und experimentierfreudigen Unternehmen von ihren Beschäftigten als besonders attraktiv bewertet wurden.

Zukunftsfaktor Innovationskraft: Zur Fähigkeit, bestehende Prozesse zu optimieren, muss sich die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, gesellen.
Zukunftsfaktor Innovationskraft: Zur Fähigkeit, bestehende Prozesse zu optimieren, muss sich die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, gesellen.
Zukunftsfaktor Arbeitgeberattraktivität: Gefragt sind Flexibilität, Agilität und Transparenz. – Alle Aufnahmen entstanden in den Räumen der kununu GmbH in Wien.
Zukunftsfaktor Arbeitgeberattraktivität: Gefragt sind Flexibilität, Agilität und Transparenz. – Alle Aufnahmen entstanden in den Räumen der kununu GmbH in Wien.

Einrichtung als Indikator

Wie aufgeschlossen Unternehmen gegenüber Neuerungen sind, zeigt sich oft schon beim ersten Betreten der (Büro-)Räume. In langweiligen, monotonen Umgebungen kann kaum Neues entstehen. Das sieht offensichtlich auch die Mehrheit der Beschäftigten so. Immerhin zwei Drittel der befragten „Büroarbeiter” gaben in der bso-/IBA-Studie 2014 an, dass sie sich bei der Auswahl eines neuen Arbeitgebers auch an der Gestaltung der Arbeitsplätze orientieren. Laut einer aktuellen, ebenfalls repräsentativen Studie des Coworking-Anbieters Mindspace hat das immer häufiger Konsequenzen. Immerhin 14 % der Erwerbstätigen, so die Ergebnisse der Befragung, haben schon einmal ein Stellenangebot abgelehnt, weil ihnen die angebotene Arbeitsumgebung nicht gefiel. 6,3 % haben aus diesem Grund sogar schon gekündigt. Was zunächst nach wenig klingt, bekommt ein anderes Gewicht, wenn man ausschließlich die Aussagen der 25- bis 34-Jährigen betrachtet. Unter ihnen hat immerhin schon jeder Fünfte ein Jobangebot abgelehnt, weil er sich in den Räumen des potenziellen Arbeitgebers nicht wohlgefühlt hätte; fast jeder Achte hat schon einmal aufgrund eines schlechten Bürodesigns gekündigt. 

Zwei Drittel der Arbeitnehmer beurteilen die Attraktivität ihres Arbeitgebers auch anhand der Einrichtung.
Zwei Drittel der Arbeitnehmer beurteilen die Attraktivität ihres Arbeitgebers auch anhand der Einrichtung.
Jeder Fünfte der 25- bis 34-Jährige hat bereits ein Jobangebot abgelehnt, weil ihm die Arbeitsumgebung nicht gefiel.
Jeder Fünfte der 25- bis 34-Jährige hat bereits ein Jobangebot abgelehnt, weil ihm die Arbeitsumgebung nicht gefiel.

Enger Zusammenhang

Endgültig schließt sich der Kreis von Zukunftsorientierung und Arbeitsplatzgestaltung bei einem Blick auf die Treiber für Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Sie hatte der auf Gebäudemanagement spezialisierte, finnische Softwareanbieter Rapal in seinem diesjährigen „Optimaze Workplace Review” im Blick. Besonders gut für das Wohlbefinden der Mitarbeiter sind demnach einerseits Arbeitsumgebungen, die Kreativität und innovationsorientiertes Denken unterstützen und gleichzeitig auf die jeweiligen Arbeitsanforderungen abgestimmt sind.

Die Antwort auf die Frage, was das für die Gestaltung der eigenen Büroräume bedeutet, wird von Unternehmen zu Unternehmen anders ausfallen. Schließlich geht es nicht um schönes Dekor, sondern um Räume die zur Kultur des eigenen Unternehmens passen. Dennoch ist es möglich, sich Anregungen zu holen. Eine Möglichkeit dafür ist die temporäre Nutzung von Coworking Spaces. Ihnen haben wir daher gleich zwei Beiträge dieses Newsletters gewidmet. Insgesamt wollen wir aber vor allem Mut machen, Neues auszuprobieren. Betrachtet man die Studienergebnisse von Prof. Ruth Stock-Homburg und kununu haben hier übrigens besonders die mittelgroßen Unternehmen Nachholbedarf. 

Arbeitsplätze sollten auf die jeweiligen Anforderungen abgestimmt sein.
Arbeitsplätze sollten auf die jeweiligen Anforderungen abgestimmt sein.
Außerdem müssen Arbeitsplätze die Kreativität und das Wohlbefinden der Nutzer fördern.
Außerdem müssen Arbeitsplätze die Kreativität und das Wohlbefinden der Nutzer fördern.

Sollten Sie mehr Anregungen suchen, empfehlen wir einen Besuch bei der ORGATEC 2018 vom 23.10. bis zum 27.10.2018. Die internationale Leitmesse für neues Arbeiten steht in diesem Jahr unter dem Motto „Culture@work”.