13.01.2020
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Fraunhofer IAO / OFFICE 21

Homeoffice Experience

Im Rahmen des Forschungsprojekts OFFICE 21 hat das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) unter anderem untersucht, wie sich die Arbeit im Homeoffice auf die Produktivität von Mitarbeitern auswirkt. Dazu gaben von Mai bis Juli 2020 rund 2.100 Studienteilnehmer Auskunft über ihre Tätigkeit zu Hause. Zum Vergleich wurden Daten der „Office Analytics”-Studie aus dem Jahr 2018 herangezogen, die sich der Arbeit im Büro gewidmet hatte.

Einflussfaktoren

Wo der Arbeitsplatz im Homeoffice eingerichtet wird, hat einen wesentlichen Einfluss auf die Produktivität.
Wo der Arbeitsplatz im Homeoffice eingerichtet wird, hat einen wesentlichen Einfluss auf die Produktivität. Lupe_grau

Ob die Befragten nur einzelne Tage oder die gesamte Zeit im Homeoffice arbeiten, hat keine Auswirkung auf ihre Leistung. Relevant ist dagegen das Umfeld, in dem gearbeitet wird. Die Leistung von Arbeitnehmern, denen ein separates Arbeitszimmer zur Verfügung steht, fällt signifikant höher aus als bei Beschäftigten, die in der Küche, dem Wohn- oder Esszimmer, im Schlafzimmer oder an wechselnden Orten arbeiten. Auch die Kreativität wird durch das räumliche Umfeld beeinflusst. Allerdings führt hier neben der Nutzung eines separaten Arbeitsraums auch der Wechsel zwischen verschiedenen (Arbeits-)Plätzen zu positiven Ergebnissen. Den zunächst überraschenden Befund erklären die Autoren der Studie damit, dass der Wechsel zwischen verschiedenen Arbeitsorten generell eine stimulierende Wirkung habe.

Eine geringere Produktivität während der üblichen Arbeitszeiten machen viele Beschäftigte durch Arbeit am Abend wett.
Eine geringere Produktivität während der üblichen Arbeitszeiten machen viele Beschäftigte durch Arbeit am Abend wett. Lupe_grau

Ein weiterer bedeutender Faktor für die Arbeitsleistung im Homeoffice ist die Frage, ob sich die Nutzer ganz auf die Arbeit konzentrieren können. Kreativen Leistungen scheinen Ablenkungen durch die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Personen nichts anhaben zu können. Dagegen ist die Performance von Homeworkern, die sich voll und ganz auf ihre Arbeit konzentrieren können, eine signifikant höhere Performanz als bei Personen, die während der Arbeitszeit Familienangehörige betreuen müssen. Während des Untersuchungszeitraums wurden Ablenkungen jedoch vielerorts kompensiert. Eine häufig geübte Strategie war, die Arbeit in die späten Abendstunden zu verlagern. Insgesamt gaben 37 % aller Befragten an, zu Hause häufig außerhalb der üblichen Arbeitszeiten tätig zu sein.

Die Arbeitsleistung

Durchschnittlich geben die Befragten ihrer Arbeitsleistung im Büro auf einer fünfstelligen Skala (1: geringe Produktivität, 5: sehr hohe Produktivität) eine 4,0. 44 % geben an, im Homeoffice genauso produktiv zu arbeiten wie im Büro. 39 % haben den Eindruck, dass sie zu Hause produktiver sind. Nur 18 % empfinden die Arbeit im Homeoffice als weniger produktiv als die Arbeit im Büro.

Bemerkenswert ist, dass die Befragten ihre Produktivität im Homeoffice durchschnittlich höher einschätzen als ihre Leistung im Büro. Das könnte unter anderem daran liegen, dass sie dem heimischen Arbeitsplatz eine deutlich bessere Eignung für konzentriertes Arbeiten attestieren als ihren Arbeitsplätzen im Büro (60 %). Auch für Telefonate und Webkonferenzen bevorzugen die Beschäftigten das Homeoffice.

Ausblick

Abschließend wurden die Teilnehmer nach ihren Erwartungen für die Zukunft gefragt. Hier gehen die Befragten davon aus, dass der Anteil der Arbeit im Büro abnehmen wird und sie auch künftig mehr Zeit im Homeoffice verbringen werden. Vor Corona arbeiteten die Studienteilnehmer von 20 Arbeitstagen durchschnittlich 14,6 Tage im Büro und 2,8 Tage zu Hause. Für die Zukunft gehen sie davon aus, dass sich das Verhältnis zu 10,8 Tagen im Büro und 7,2 Tagen im Homeoffice verschieben wird. Jüngere Beschäftigte wollen etwas häufiger ins Büro gehen (12,2 Tage) als ihre älteren Kollegen (10,4 Tage). Generell erwarten die Beschäftigten, ihre Arbeit künftig flexibler gestalten zu können.


INFORMATIONEN ZUR STUDIE
Studie des Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), veröffentlicht unter:
Bockstahler, Milena; Jurecic, Mitja; Rief, Stefan (2020), „Homeoffice Experience – Eine empirische Untersuchung aus Nutzersicht während der Corona-Pandemie”, Stuttgart: Fraunhofer IAO, 2020, ISBN 978-3-446-46224-3.

Weitere Informationen und Download hier