08.08.2017
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New Work Studio

Dritter Ort auf Rädern

Wenn Räume so mächtig sind, warum dann nicht die Zusammenarbeit mit der Einrichtung eines Raums beginnen? Die Rede ist von den New Work-Initiativen des Sozialen Netzwerks XING und des IBA sowie von ihrem ersten gemeinsamen Projekt, dem New Work Studio.

Ein sogenannter Dritter Ort sollte es sein, an dem sich Menschen treffen, diskutieren und gegenseitig inspirieren können. Ein Thinktank, in dem Ideen weiterentwickelt werden, in dem man sich aber auch einfach nur zu einer Tasse Kaffee treffen kann.

Dabei dachten XING und IBA an den US-amerikanischen Soziologen Ray Oldenburg. Dieser widmete sich schon in den 1980er-Jahren der Frage, warum in den amerikanischen Vorstädten mehr und mehr der Gemeinsinn verloren ging.

Die Antwort, die Oldenburg fand, war so nachhaltig wie einfach: Weil die Orte für ein zwangloses Aufeinandertreffen der Bewohner fehlten, fehlte der zwischenmenschliche Kontakt. Um die Ursachen verständlich zu machen, entwickelte Oldenburg eine Typologie der Räume für unterschiedliche Lebensbereiche. Das Zuhause der Menschen, das der Familie und engen Freunden vorbehalten ist, bezeichnete er als Ersten Ort, die Arbeitsstelle als Zweiten Ort und gemeinschaftlich genutzte Lokalitäten wie Restaurants, Cafés oder Bibliotheken als Dritte Orte. Was den amerikanischen Vorstädten fehlte, waren folglich genau diese Dritten Orte.

Experimentierfeld für New Work

Ähnlich ergeht es auch vielen Unternehmen. Die Beschäftigten arbeiten in räumlicher Nähe, in der Regel sogar innerhalb eines Gebäudes, und trotzdem treffen sie sich selten. Mit ihrer gemeinsamen Initiative wollten XING und IBA deshalb deutlich machen, wie wichtig es für die Entwicklung einer neuen Arbeitskultur ist, Vernetzung zu ermöglichen.

Die Idee für die konkrete Umsetzung lieferte schließlich der Architekt, Designer und Buchautor Van Bo Le-Mentzel, der derzeit auf dem Außengelände des Bauhaus Archivs in Berlin einen Versuchsraum für neue Formen des Zusammenlebens, Lernens und Arbeitens entstehen lässt.

Dafür kombiniert er sogenannte Tiny Houses, Häuser auf Rädern, zu einem Dorf im Miniformat, mit Wohnhäusern, einem Café, einer Werkstätte und dem New Work Studio von XING und IBA, das als Lern- und Veranstaltungsraum fungiert.

Van Bo Le-Mentzel bei der Übernahme des Studios in den Bauhaus Campus, Berlin. Bild: IBA
Van Bo Le-Mentzel bei der Übernahme des Studios in den Bauhaus Campus, Berlin. Bild: IBA

Ideen sammeln

Seine Premiere hatte das New Work Studio allerdings einige Kilometer von dem Gelände des Bauhaus Archivs entfernt im Berliner Westhafen. Dort veranstaltete die XING AG Ende März dieses Jahres ihre New Work Experience-Veranstaltung, bei der die knapp 1.000 Teilnehmer über neue Formen der Arbeit diskutierten. Hier wie auch bei allen anderen bisherigen Einsätzen des Studios schien das Konzept, einen Ort zu schaffen, an dem sich Menschen gerne aufhalten und diese so miteinander ins Gespräch zu bringen, aufzugehen.

New Work Experience, 30. März 2017, Berlin; Bild: IBA
New Work Experience, 30. März 2017, Berlin; Bild: IBA Lupe_grau
New Work Session, 31. März 2017, Wolfsburg; Bild: IBA
New Work Session, 31. März 2017, Wolfsburg; Bild: IBA
Global Media Forum, 19.-21. Juni 2017, Bonn; Bild: IBA
Global Media Forum, 19.-21. Juni 2017, Bonn; Bild: IBA Lupe_grau

Erfahrungen teilen

Ihre Erfahrungen mit dem New Work Studio als Beispiel eines mobilen Dritten Orts und die Erkenntnisse zur Übertragbarkeit auf die Arbeitswelt, werden XING und IBA im kommenden Jahr an andere weitergeben. Gemeinsame Fixtermine im Kalender der Projektpartner sind am 6. März 2018 die New Work Experience 2018 in der Elbphilharmonie in Hamburg und vom 23. bis 27.10.2018 die ORGATEC in Köln.


Konstruiert und gebaut wurde das New Work Studio von der Berliner Werkstatt Edgar Reinke. Ausgestattet wurde es von Mitgliedern des IBA (König + Neurath, C+P, Vitra, Interstuhl, Kusch+Co) und von der Dell GmbH.