22.06.2021
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THEMA

Das neue Normal

Wir sehnen uns nach Normalität, aber nicht nach der Rückkehr zum Status quo vor SARS-CoV-2, sondern nach einer neuen Normalität. Dabei sollen ein paar Dinge aus der Pandemiezeit bewahrt werden, insbesondere der geübte Umgang mit Technik, Remote Work auf Basis gegenseitigen Vertrauens, Loyalität, Eigeninitiative und gemeinsamen Experimentierens.

Um diese Mischung aus Normalität und Veränderung zu erreichen, muss sich jedes Unternehmen, jede Führungskraft und jeder Mitarbeiter einige Fragen stellen, zum Beispiel:

Wie viel Autonomie wollen wir Teams und jedem Einzelnen auf Dauer einräumen? Wie viel Autonomie wollen wir für uns selbst haben? Wie organisieren wir die Zusammenarbeit?

Daraus leiten sich weitere Fragen ab. Beispielsweise ob für An- und Abwesenheit im Büro feste Regeln gelten sollen, ob es Empfehlungen gibt oder ob von Fall zu Fall entschieden wird. Was einfach klingt, ist in Wirklichkeit eine schwierige Aufgabe. Schon nach wenigen Wochen des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 gaben 80 % aller Homeoffice-Nutzer an, dass sie ihre Kollegen vermissen. Zudem haben wir, wie die New Work-Expertin und Trendforscherin Birgit Gebhardt in ihrer letzten Studie für den IBA konstatiert, während der Pandemie nur wenige neue Kontakte geknüpft, und das zufällige Gespräch auf dem Flur entfiel für viele ganz. (→ Mensch im Mittelpunkt). Damit versiegten auch wichtige Inspirationsquellen. Der Tiefenpsychologe Stephan Grünewald empfiehlt daher in einem von der New Work SE und dem IBA Forum veranstalteten Online-Talk, dass wir über feste Anwesenheitszeiten für die Arbeit im Büro nachdenken sollten, vielleicht über einen „Büro-Dienst-Tag“.

Bild: IBA, Aufnahmen bei der kununu GmbH, Wien
Viele Beschäftigte haben während der Pandemie ihre Kollegen vermisst. Lupe_grau

Das stellt Anforderungen an die Räumlichkeiten. Denn was es schon vor der SARS-CoV-2-Pandemie zu wenig gab, waren Räume für unterschiedliche Arten der Kommunikation. Das zeigte die IBA-Studie 2019/20 ebenso wie der jüngste Optimaze Workplace Review (→ Räume: Mehr als hybrid). Gerade solche Räume werden aber gebraucht, damit überhaupt Zufälle entstehen können. Auch wird es immer Beschäftigte geben, die lieber im Büro arbeiten als zu Hause, und sei es nur, weil in der eigenen Wohnung der Platz oder die richtige Ausstattung fehlen oder weil sie die unterschiedlichen Raumangebote im Büro dem immer gleichen Homeoffice-Arbeitsplatz vorziehen. … In Zukunft vielleicht aber auch, weil ihnen ihre Smartwatch oder ein anderes Wearable sagt, dass die Arbeit im Büro besser für ihr Wohlbefinden ist (→ Mensch im Mittelpunkt).

Birgit Gebhardt, Trendexpertin, im IBA Forum
Trendexpertin Birgit Gebhardt: Zufällige Begegnungen und neue Kontakte blieben während der Lockdowns auf der Strecke. Lupe_grau
Stephan Grünewald, Tiefenpsychologe, im IBA Forum
Tiefenspychologe Stephan Grünewald. Vielleicht sollten wir über einen Tag nachdenken, an dem alle ins Büro kommen. Lupe_grau

Von den Beschäftigten erfordert die Erweiterung der Möglichkeiten weiterhin ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Selbstfürsorge. Dazu passen die Ergebnisse einer Umfrage des Weltwirtschaftsforums unter internationalen, darunter auch deutschen Arbeitgebern. Gefragt wurde, welche Fähigkeiten der Beschäftigten nach ihrer Einschätzung in Zukunft besonders wichtig sein werden. Ganz oben auf den Wunschlisten von HR-Experten und Unternehmensführern stehen demzufolge analytisches Denken und eigenständiges Arbeiten. Erst danach folgen technische Fähigkeiten, einschließlich der Beherrschung der IT (→ Skills and Knowledges).

Das IBA Forum wartet am 1. Juli 2021 mit vier Vorträgen zur Arbeitsorganisation und Arbeitsplatzgestaltung auf (→ New Normal im IBA Forum). Und unser aktueller Online-Tipp weist auf ein Portal hin, das Sie mit Zahlen und Hinweisen zu vielen weiteren Aspekten der Arbeitswelt der Zukunft versorgt (→ Tipp: Arbeitswelt-Portal).

Wir freuen uns über Ihre Kritik und Anregungen zu weiteren Themen an newsletter@iba.online.