14.03.2022
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Plädoyer

Das Büro muss
attraktiver werden

In der Pandemie haben Arbeitnehmer verschiedene Arbeitsorte erlebt. Schnell wurde offensichtlich, welche Umgebung Mitarbeiter dabei unterstützt, effizient zu arbeiten, und welche nicht. Homeoffice-Pflicht, hybrides Arbeiten und die Entstehung alternativer Arbeitsorte haben dazu geführt, dass das Büro Konkurrenz bekommen hat. In einem Vortrag anlässlich des Quality-Office-Beratertreffens im vergangenen Juli zeigte die Hamburger Trendexpertin und Autorin der New-Work-Order-Studien Birgit Gebhardt auf, wie sich das Büro verändern muss, um Arbeit zugleich attraktiver und effizienter zu gestalten.


Gebhardt kritisiert, dass sich Unternehmen bei der Büroplanung zu wenig an ihren Mitarbeitern orientieren. Um eine Veränderung von tätigkeitsorientierter Planung hin zu mitarbeiterzentrierten Büros in Gang zu bringen, sei ihre stärkere Einbindung in die Büroplanung notwendig. Nach vielen Monaten des Arbeitens zu Hause und auf Distanz wünschen sich viele Beschäftigte wieder verstärkt das persönliche Gespräch und Begegnungen mit den Kollegen. Bei allen positiven Erfahrungen im Homeoffice haben sie ihre Kollegen und die Gemeinschaft vermisst. Wenn Arbeitnehmer daher zukünftig ins Büro kommen, geht es vor allem um die Bedeutung der Gemeinschaft, um „Quality Time“ und eine Kultur des Miteinanders.

..., aber es muss vielfältiger werden.
..., aber es muss vielfältiger werden. Lupe_grau

Büroplanung muss somit neu gedacht werden. Es gilt die zentrale Frage zu beantworten, wie Unternehmen für ihre Mitarbeiter eine Wirksamkeit des Wohlfühlens in einer ebenso angenehmen wie funktionalen Arbeitsumgebung schaffen können.

  • Kreative Tätigkeiten wie Projektarbeit und Entwicklung von Innovationen gewinnen zunehmend an Gewicht. Das Büro muss diesen Prozess abbilden und sich künftig als Ort gemeinsamen Lernens, des Austauschs und der kreativen Zusammenarbeit verorten. Büroflächen haben die Aufgabe, die verschiedenen Tätigkeiten durch ein entsprechendes Raum- und Ausstattungsangebot zu unterstützen. Team- und Projektarbeit erfordern passende Räume und Kommunikationsflächen mit der dafür notwendigen technischen Ausstattung.
  • Neben der Kreativarbeit muss das Büro den Beschäftigten die Möglichkeit geben, Arbeit differenzierter zu erleben. So sollten Büros neben dem konzentrierten Arbeiten auch das Bedürfnis nach Ausgleich und Erholung abbilden. Kann Arbeit differenzierter ausgeübt wird – gesellig und ungestört, individuell, erfahrungsreich und effizient –, wirkt sich das positiv auf die Mitarbeiterzufriedenheit und die Arbeitgeberattraktivität aus.
  • Zu guter Letzt sollten Unternehmen die Zeit im Büro als Quality Time zum Ideen- und Wissensaustausch sowie zur Pflege von Beziehungen sehen, beispielsweise beim Aufenthalt in der Cafeteria, auf Gemeinschaftsflächen oder auch beim informellen Gespräch auf dem Gang.

„Aufgabe wird es sein, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die die positiven Learnings aus der Corona-Zeit weiterführt, Mankos und Entbehrungen während Social Distancing ausgleicht und neu entstandene Bedürfnisse der Mitarbeiter zum New Normal macht“, so Birgit Gebhardt.

Der Vortrag von Birgit Gebhardt ist als Mitschnitt im IBA Forum zu finden.


Vorbild Tech-Konzerne

Auch Tech-Konzerne wie Google arbeiten mit Hochdruck an neuen Arbeitsplatzkonzepten. Bild: Google
Auch Tech-Konzerne wie Google arbeiten mit Hochdruck an neuen Arbeitsplatzkonzepten. Bild: Google

War es bei Google bislang normal, in offenen Großraumbüros auf einer Art Campus zusammenzuarbeiten, setzt das Unternehmen künftig auf abtrennbare Bereiche (Team Pods), die sich durch frei aufstellbare Wände und mobile Möbel innerhalb kurzer Zeit flexibel gestalten und anpassen lassen. Konferenzräume ersetzt Google durch sogenannte Campfire-Bereiche. Im Lagerfeuerstil sitzen sich in Meetings die Mitarbeiter im Kreis gegenüber. Mittig platzierte Bildschirme binden hybrid zugeschaltete Meeting-Teilnehmer in die Besprechung ein. An einigen Standorten errichtet Google zudem Outdoor-Büros. Hier können Mitarbeiter unter freiem Himmel ohne störende Umgebungsgeräusche arbeiten. Diese werden mithilfe von moderner Technik gekonnt ausgeblendet.

Erste Bilder der Test-Umgebungen zeigte Google im vergangenen Jahr in einem Blog-Beitrag für Mitarbeiter.