18.05.2020
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Wunsch und Wirklichkeit

IBA-Studie 2019/20

Für 71 % aller Erwerbstätigen, fast 32 Mio. Menschen in Deutschland, gehört der Gang ins Büro zu ihrem Alltag. 5,5 Mio. verbringen lediglich einen Teil ihrer Arbeitszeit im Büro. Für 26,5 Mio. Beschäftigte ist das Büro aber der Ort, an dem sie den größten Teil ihrer Arbeitszeit verbringen. Kein Wunder also, dass gut zwei Drittel aller Beschäftigten angeben, Wert auf eine Büroeinrichtung zu legen, in der sie sich wohlfühlen.

Die derzeitige Arbeitsumgebung

Bei ihren derzeitigen Arbeitsplätzen sehen allerdings noch viele Beschäftigte deutlichen Nachholbedarf. Immerhin 39 % sind der Meinung, dass mehr auf die ergonomische Qualität der Ausstattung geachtet werden sollte, die optische Gestaltung ihrer Büros erscheint 40 % aller Beschäftigten verbesserungsfähig. Besonders kritisch sind in beiden Punkten die unter 30-Jährigen. Unter ihnen findet mehr als die Hälfte, dass mehr für Gesundheits­förderung und ein motivierendes Umfeld getan werden könnte. Rundum zufrieden mit der Ausstattung ihres Arbeitsplatzes ist gerade einmal jeder vierte Arbeitnehmer.

Die kritische Haltung ist leider berechtigt. Weniger als die Hälfte aller Erwerbstätigen bekommt von ihren Arbeitgebern einen Drehstuhl für dynamisches Sitzen zur Verfügung gestellt. Dem Rest bleibt nur starres Sitzen. Das ist umso bedenklicher, als die Mehrheit aller Angestellten keine Chance hat, zwischendurch im Stehen zu arbeiten. Nur 28 % der Büroarbeitsplätze sind mit einem Schreibtisch für Sitz-/Steharbeit ausgestattet. Die besten Arbeitsbedingungen finden Beschäftigte in Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern. Die schlechtesten Arbeitsbedingungen herrschen an Arbeitsplätzen, die nur zeitweise genutzt werden.

Belästigung durch Lärm

Viele Beschäftigte klagen über Lärm. Grafik: IBA
Viele Beschäftigte klagen über Lärm. Grafik: IBA

59 % der Beschäftigten werden immer wieder durch Lärm von ihrer Arbeit abgehalten. Bei 28 % aller Arbeitnehmer ist das sogar sehr häufig der Fall. In Räumen mit mindestens neun Arbeitsplätzen liegt der Anteil derjenigen, die häufig unter Lärm leiden, bei 46 %.

Belastungsmindernd wirkt die Möglichkeit, sich tätigkeitsbezogen einen passenden Arbeitsplatz zu suchen. Insofern mag es von Vorteil sein, dass immer mehr Beschäftigte nonterritorial arbeiten. 2019 taten dies 9 % aller Beschäftigten.

Auch bei einer festen Zuordnung von Arbeitsplätzen bestünde die Möglichkeit, für mehr Entlastung zu sorgen, z. B. indem den Arbeitnehmern mehr Möglichkeiten für kurze Besprechungen oder Teamarbeit geboten würden.

Kommunikationszonen

Zugang zu alternativen Kommunikationszonen. Grafik: IBA
Zugang zu alternativen Kommunikationszonen. Grafik: IBA Lupe_grau

Jeder fünfte Erwerbstätige findet derzeit in seinem Umfeld keinen geeigneten Ort für spontane Kommunikation. Am besten ausgestattet sind auch hier die Unternehmen ab 200 Mitarbeitern, aber selbst unter ihren Beschäftigten geben noch 13 % an, keinen Zugang zu Kommunikationszonen zu haben. 

Am häufigsten vorhanden sind Teeküchen oder Kaffeebars. Dass das allein nicht ausreicht, liegt auf der Hand. Kaffeebars sind kaum der richtige Ort für einen intensiven Austausch oder vertrauliche Gespräche. Trotzdem sind sie ein guter Anfang, insbesondere dann, wenn es dort kostenfreie Getränke gibt. 45 % aller Arbeitnehmer legen nämlich großen oder sehr großen Wert auf ein solches Angebot. Bei den unter 35-Jährigen steigt der Anteil derjenigen, die einen solchen Service erwarten, sogar auf 59 %.

Arbeitsatmosphäre

Die Gestaltung des Arbeitsumfelds ist 89 % aller Arbeitnehmer wichtig, wichtiger sogar als flache Hierarchien, Homeoffice und persönliche Karrierechancen. Das einzige Kriterium für die Bewertung der eigenen Arbeitsstelle ist der Arbeitsplatz indes natürlich nicht. Wenn es um die Frage geht, wie gut ein Arbeitgeber bewertet wird, stehen Arbeitsatmosphäre, Verhalten der Vorgesetzten und die Zukunftssicherheit der Arbeitsstelle nach wie vor an erster Stelle.


Die Studie beruht auf drei repräsentativen Befragungen aus dem Jahr 2019. Befragt wurden jeweils zwischen 1.000 und 1.500 Beschäftigte im Bürobereich.

  • Durchführung: Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH
  • Auftraggeber: Industrieverband Büro und Arbeitswelt e. V. (IBA)
  • Veröffentlichung: Februar 2020

Die IBA-Studie 2019/20 kann hier heruntergeladen werden.