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Psychosoziale Aspekte

Psychische Erkrankungen sind nach Beeinträchtigungen des Muskel-Skelett-Systems die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Typische Erscheinungsformen sind depressive Störungen oder Angststörungen. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Folge psychischer Belastungen sein.


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Psychischen Störungen liegt in der Regel ein multifaktorielles Ursachengeschehen aus individuellen und beruflichen Einflussfaktoren zugrunde. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass neben der individuellen Disposition psychosoziale Stressfaktoren, z. B. aus der Arbeitswelt, sowie schwerwiegende Lebensereignisse eine Rolle spielen.

Quelle: BKK-Gesundheitsreport 2015


Stress am Arbeitsplatz

Many office workers regard the volume of work they have to do as a problem.

der Beschäftigten fühlen sich durch zu viele oder zu umfangreiche Aufgaben überfordert. Über fachliche Überforderungen klagen dagegen nur 4,5 % der Erwerbstätigen in Deutschland.

Quelle: BAuA/BiBB Erwerbstätigenbefragung 2012

Stress kann aber auch andere Ursachen haben. Auch Unterforderung kann belastend wirken, ebenso wie fehlende Wertschätzung, Unsicherheit aufgrund fehlender Rückmeldungen zur eigenen Arbeit und widersprüchlicher Anweisungen. Eine weitere Ursache sind fehlende Absprachen. Viel diskutiert werden die Auswirkungen permanenter Erreichbarkeit. In einer international durchgeführten Studie fragte das Forschungs- und Beratungsunternehmen Oxford Economics Beschäftigte, ob ihre Vorgesetzen von ihnen erwarten, dass sie auch außerhalb der Arbeitszeiten erreichbar sind. 46 % der Befragten beantworteten dies mit „ja”. Unter den ebenfalls befragten Vorgesetzen, gaben dagegen nur 26 % an, dass sie dies von ihren Mitarbeitern erwarten.


Schon früh gefährdet: Während die Wahrscheinlichkeit einer Muskel-Skelett-Erkrankung mit zunehmendem Alter steigt, sind von psychischen Erkrankungen bereits jüngere Beschäftigte betroffen. Jüngere Beschäftigte sind gelegentlich sogar besonders gefährdet, weil sie noch nicht über die Erfahrung und die Ressourcen zur Bewältigung besonderer Probleme verfügen.


Gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen

In der IBA-/buero-forum-Fachschrift Nr. 10 – Kreativität und Gesundheit beschreiben die beiden Psychologen PD Dr. Jürgen Glaser und Dr. Britta Herbig Aspekte der Arbeitsgestaltung, die sich positiv auf die physische und psychische Gesundheit sowie die kreativen Leistungen der Beschäftigten auswirken. Ansatzpunkte zur psychosozialen Gestaltung der Arbeit ergeben sich bei den Personen, den Tätigkeiten und der Organisation.

Personen:

Hier stehen Motivation und Lernfähigkeit im Vordergrund. Gute Ansatzpunkte, um Motivation freizusetzen, sind vielfältige Anforderungen, ganzheitliche Arbeitsaufgaben und – auch das ist nicht immer selbstverständlich – die Übertragung von Aufgaben, die als sinnhaft empfunden werden. Auch die autonome Arbeitsgestaltung, insbesondere der Möglichkeit einer flexiblen Wahl des Arbeitsortes und der Arbeitszeit, stehen bei vielen Beschäftigten weit oben auf der Wunschliste. Rückmeldungen und Unterstützung zur persönlichen Entfaltung tun ihr Übriges.

Tätigkeiten:

Im Blickfeld stehen der Aufgabenzuschnitt, die persönliche Autonomie bei der Arbeitsgestaltung sowie die Anforderungsvielfalt. Ein anderer Ansatzpunkt ist die Vollständigkeit von Arbeitsaufgaben. Vollständig sind Arbeitstätigkeiten dann, wenn die Arbeit eines Mitarbeiters sowohl Aufgaben der Planung und Organisation, der Durchführung wie auch der Kontrolle und Rückkopplung enthalten. Dabei gilt es, die individuellen Voraussetzungen der Beschäftigten zu berücksichtigen, denn die gleiche Aufgabe kann bei einer Person zur Über- und bei einer anderen zur Unterforderung führen.

Organisationen:

Teamarbeit und Führung sind entscheidende Ansatzpunkte.

Da Büroarbeit meist auf der Zusammenarbeit mehrerer Personen beruht, sind Teamaspekte ein elementarer Teil der Arbeitsgestaltung. Vier Dimensionen des Teamklimas bieten Ansatzpunkte zur Gestaltung: die gemeinsame Zielstellung, die Aufgabenorientierung, die Sicherheit und die Unterstützung.

Im Bereich des Führungsverhaltens sind Mitarbeiterorientierung und ebenfalls Aufgabenorientierung zu nennen. Aufgabenorientierung meint in diesem Fall die klare Festlegung von Zielen und Rollen innerhalb der Gruppe.

Eine Herausforderung für viele Unternehmen und ihre Führungskräfte dürfte die Toleranz von Unsicherheit sein. In komplexen Umfeldern ist häufig nicht absehbar, wohin ein Projekt führt. Planungen sind dann nur in Stufen möglich. Auch die zeitliche und räumliche Freiheit der Beschäftigten bei ihrer Arbeitsgestaltung erfordert Vertrauen.


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Dass die Arbeit zur Belastung wird, kann auch am Umfeld liegen. Es ist nur schwer möglich, sich zu konzentrieren, wenn man immer wieder durch Gespräche oder Telefonklingeln abgelenkt wird. Und wer an einem offensichtlich minderwertigen Arbeitsplatz sitzt, wird kaum das Gefühl haben, von seinen Vorgesetzten wertgeschätzt zu werden.