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Gesundheit von Beschäftigten
in der hybriden Arbeitswelt
– Fokus Homeoffice

Hybrides Arbeiten

Wilkhahn AT Mesh Bürostuhl
IBA Redaktionsteam IBA Redaktionsteam ·
3 Minuten

Die Experten für betriebliches Gesundheitsmanagement Oliver Walle, Dozent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) und der BSA-Akademie, und Prof. Dr. Volker Nürnberg, Partner sowie Advisory bei BDO Deutschland und Lehrstuhlinhaber an der Konstanzer Allensbach Hochschule, diskutierten am 27. Januar 2022 über das Thema Gesundheit in einer hybriden Arbeitswelt. Eingeladen hatten der IBA und das Personalmagazin. Moderiert wurde das Gespräch von Katharina Schmitt aus der Redaktion des Personalmagazins.

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Risikofaktor Homeoffice?

In der Corona-Pandemie wurden große Teile der Büroarbeit ins Homeoffice verlagert – mit ihr hielten dort auch gesundheitliche Probleme Einzug. Bewegungsmangel, Rückenbeschwerden, Dauerstress, Burn-out und psychische Erkrankungen nahmen zu. Die Beschäftigten bewegten sich im Homeoffice durchschnittlich 25 % weniger als im Büro.

Dennoch, das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Und damit neue Arbeitsformen jenseits der Nine-to-five-Präsenzpflicht. Das Homeoffice ist gesetzt. Unklar ist bislang nur, an wie vielen Tagen pro Woche wir künftig zum Arbeiten ins Büro gehen werden. 30 % der Gruppentreffen und Konferenzen mit physischer Präsenz werden, so die Prognose von Prof. Dr. Nürnberg, wegfallen, virtuelle Meetings werden sich dank verbesserter Funktionalität und Technik professionalisieren. Was nach Covid bleibt, ist mehr Hybridzeit und weniger Monotonie. Mehr Vertrauen und weniger Kontrolle. Aber auch mehr Kreativität und Agilität. Somit gilt es, agile Teams zu organisieren und ein Umfeld in Unternehmen zu schaffen, in dem alle Teammitglieder auf ihre Weise produktiv und effektiv arbeiten können.

Neues Führungsverhalten und andere Mitarbeiter­kompetenzen gefordert

Auch eine von Selbstbestimmung und Flexibilität bestimmte Arbeitswelt geht mit gesundheitlichen Herausforderungen einher, denen sich Unternehmen und Führungskräfte stellen müssen. Veränderte Arbeitsbedingungen erfordern zudem neue Kompetenzen. So empfiehlt Nürnberg die Einführung eines Homeoffice-Führerscheins, der Mitarbeiter für Arbeitsorganisation, Datenschutz und Gesundheitsförderung fit macht.

Hybride Arbeitswelten verlangen ein anderes Mindset und neue Führungskompetenzen. Aber hybrides Führen will gelernt sein, haben doch 80 % der Führungskräfte ihre Position aufgrund ihrer fachlichen und nicht aufgrund von Sozialkompetenz inne. Daher sind sich Walle und Nürnberg einig, dass Unternehmen ihre Führungskräfte dabei unterstützen müssen, wertschätzend mit ihren Mitarbeitern umzugehen und eine kanalübergreifende Kommunikation zu pflegen. Es braucht Führungskräfte, die agiles Arbeiten organisieren, hybride Teamarbeit fördern und Mitarbeiter im Veränderungsprozess hin zu mehr Digitalisierung begleiten und unterstützen.

Prof. Dr. Volker Nürnberg fordert einen Führerschein fürs Homeoffice.
Prof. Dr. Volker Nürnberg fordert einen Führerschein fürs Homeoffice.

Arbeitsschutz und betriebliches Gesundheitsmanagement in der Arbeitswelt 4.0

Ein Umdenken ist auch in Bezug auf Arbeitssicherheit und betriebliches Gesundheitsmanagement erforderlich. Arbeitsschutz, Unfallschutz und Ergonomie am Arbeitsplatz sind zu Hause meist sehr viel schwieriger umzusetzen als im Büro. Als Teil des mobilen Arbeitens erfordern die Arbeitsplätze im Homeoffice dennoch gleichwertige Arbeitsschutzmaßnahmen. Hier gilt es neue Wege und Antworten auf die Frage zu finden, welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen.

Es müssen neue Maßnahmen zur Prävention und Gesunderhaltung entwickelt und in den hybriden Arbeitswelten umgesetzt werden. Dabei tun Unternehmen gut daran, ihre Beschäftigten in die Gestaltung gesundheitsfördernder Arbeitsbedingungen einzubeziehen und die Maßnahmen individueller zu gestalten. Und: Unternehmen sollten betriebliches Gesundheitsmanagement in Zukunft auch im Kontext von Employer Branding sehen – zumindest, wenn sie die junge Arbeitnehmergeneration für sich gewinnen wollen.

Oliver Walle empfiehlt, Beschäftigte in die für sie relevanten Entscheidungen einzubeziehen.
Oliver Walle empfiehlt, Beschäftigte in die für sie relevanten Entscheidungen einzubeziehen.

Den Mitschnitt der Expertendiskussion finden Sie in unserer Mediathek.