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RESI rockt: Wie nachhaltige Architektur neue Arbeitskultur möglich macht

WW – Work Culture Festival

RESI rockt: Wie nachhaltige Architektur neue Arbeitskultur möglich macht. © Karolina Parot
IBA Redaktionsteam IBA Redaktionsteam ·
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Nachhaltigkeit im Büro wird häufig nur mit Energieeffizienz, Zertifikaten oder CO₂-Bilanzen in Verbindung gebracht. Das ist wichtig –berücksichtigt jedoch nur einen Aspekt von Nachhaltigkeit. Denn ein wirklich zukunftsfähiger Arbeitsplatz sollte auch langfristig nutzbar, anpassungsfähig und sozial wirksam sein. Er sollte Menschen dabei unterstützen, konzentriert zu arbeiten, sich auszutauschen, sich zugehörig zu fühlen und Veränderungen aktiv mitzugestalten.

Die RESI Bamberg zeigt, wie sich diese Perspektiven verbinden lassen. Das Projekt wurde im IBA Forum bereits mehrfach vorgestellt und steht beispielhaft für die Verbindung von nachhaltiger Architektur, Kreislaufdenken und zeitgemäßer Arbeitskultur. Beim Wherever Whenever – Work Culture Festival 2026 greifen Andrea Schmidt und Daniela Merkenich diese Themen nun in ihrem Vortrag „RESI rockt: Nachhaltige Architektur trifft neue Arbeitskultur“ auf. Sie sprechen darüber, weshalb nachhaltige Gebäude nicht nur ökologisch überzeugen können, sondern auch kulturell und organisatorisch. Im Vorfeld haben wir ihnen sieben Fragen gestellt.

RESI Bamberg wurde im IBA Forum bereits als Projekt vorgestellt. Was macht RESI aus Ihrer Sicht so relevant für die Arbeitswelt von morgen?

Andrea Schmidt: RESI steht für die Idee, Architektur nicht isoliert zu betrachten. Ein Gebäude ist kein fertiges Produkt, das nach der Übergabe einfach funktioniert. Es ist ein Rahmen für Arbeit, Begegnung, Veränderung und gemeinsames Lernen. Gerade in einer Zeit, in der viele Unternehmen ihre Arbeitsmodelle neu justieren, wird deutlich: Räume beeinflussen, wie wir miteinander arbeiten und welche Kultur im Alltag tatsächlich erlebbar wird.

Daniela Merkenich: Die Relevanz von RESI liegt deshalb in der Verbindung verschiedener Ebenen. Nachhaltigkeit wird nicht nur als technische oder energetische Aufgabe verstanden. Es geht ebenso um die Frage, wie Gebäude dauerhaft nutzbar bleiben, wie flexibel sie auf neue Anforderungen reagieren können und wie sie Menschen dabei unterstützen, sich am Arbeitsplatz wohlzufühlen und wirksam zu sein. Ein zukunftsfähiger Arbeitsplatz muss sich nicht allein an Flächenkennzahlen messen lassen. Entscheidend ist, ob er Zusammenarbeit ermöglicht, Identifikation stiftet und auch bei sich verändernden Organisationsstrukturen eine gute Grundlage bietet. Ebenso wichtig ist es, die tatsächliche Performance des Gebäudes im Betrieb kontinuierlich zu erfassen und zu bewerten, die angestrebten Nutzerkomfortparameter regelmäßig zu überprüfen und deren Einfluss auf das Nutzerverhalten sowie die Zufriedenheit und Produktivität der Nutzenden transparent nachzuvollziehen.

Was bedeutet nachhaltige Architektur bei RESI konkret und was unterscheidet diesen Ansatz von einem klassischen „grünen Gebäude“?

Andrea Schmidt: Ein grünes Gebäude wird häufig vor allem mit Energieverbrauch, Materialien oder technischen Standards verbunden. Diese Aspekte sind unverzichtbar. Nachhaltige Architektur geht jedoch weiter: Sie denkt den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes mit. Was passiert mit Materialien, wenn sich Anforderungen verändern? Lassen sich Bauteile trennen, weiterverwenden oder umnutzen? Wie robust ist das Gebäude gegenüber künftigen Veränderungen? Wieviel Technik benötigt ein Gebäude wirklich, um den Anforderungen des Nutzerkomforts gerecht zu werden und wo sind evtl. Kompromisse denkbar?

RESI stellt genau diese Fragen in den Mittelpunkt. Dabei geht es um ressourcenschonende Entscheidungen, aber auch um Dauerhaftigkeit und Anpassungsfähigkeit. Ein Gebäude ist besonders nachhaltig, wenn es nicht nach wenigen Jahren aufwendig umgebaut oder ersetzt werden muss, weil sich Arbeitsweisen, Flächenbedarfe oder technische Anforderungen verändert haben. Damit rückt ein Gedanke in den Vordergrund, der für die Arbeitswelt ebenso relevant ist wie für die Architektur: Nicht alles muss von Anfang an bis ins Letzte festgelegt sein. Gute Räume lassen Entwicklung zu. Sie können sich verändern, ohne dass ihre Qualität verloren geht.

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Der Vortrag trägt den Titel „Nachhaltige Architektur trifft neue Arbeitskultur“. Warum lassen sich diese beiden Themen nicht voneinander trennen?

Daniela Merkenich: Weil Arbeitskultur immer auch räumlich stattfindet. Ob Teams eher konzentriert, kreativ, vernetzt oder zurückgezogen arbeiten können, hängt nicht nur von Regeln, Tools oder Führung ab. Es hängt auch davon ab, welche Situationen Räume ermöglichen. Wer Zusammenarbeit fördern möchte, braucht Orte für Austausch. Wer konzentriertes Arbeiten ernst nimmt, muss Rückzug und Ruhe ermöglichen. Wer Zugehörigkeit und Identifikation stärken will, sollte Räume schaffen, die Orientierung  und Gemeinschaftsgefühl bieten und die Organisation sichtbar machen. Nachhaltigkeit ist deshalb nicht nur eine Frage des Gebäudes, sondern auch eine Frage der Nutzungsqualität. Wenn Flächen nicht zu den tatsächlichen Bedürfnissen passen, entstehen Leerstände, Ausweichverhalten oder unnötige Umbauten. Das ist weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll. Umgekehrt kann ein gut durchdachtes Raumkonzept dazu beitragen, vorhandene Ressourcen besser zu nutzen, Wege zu verkürzen und den Arbeitsplatz wieder zu einem barrierefreien Ort zu machen, an dem Menschen bewusst und ohne Einschränkungen zusammenkommen.

Viele Unternehmen ringen aktuell mit der Rolle des Büros in hybriden Arbeitsmodellen. Welche Antwort kann ein Projekt wie RESI darauf geben?

Andrea Schmidt: Das Büro muss heute nicht mehr für alles gleichzeitig die beste Lösung sein. Für konzentrierte Einzelarbeit gibt es oft auch andere Orte. Seine besondere Stärke liegt zunehmend dort, wo Begegnung, Zusammenarbeit, Beziehungspflege und gemeinsames Entwickeln stattfinden. Das bedeutet nicht, dass Büros zu reinen Eventflächen werden sollten. Vielmehr brauchen sie ein ausgewogenes Angebot mit Räumen für Fokusarbeit, informellen Treffpunkten, Orten für Projektarbeit, Rückzugsmöglichkeiten und Bereiche, die unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit unterstützen. Entscheidend ist, dass das Nutzungskonzept nicht an einem idealisierten Bild von „der“ Arbeitsweise ausgerichtet wird. RESI zeigt, wie wichtig es ist, Architektur und Arbeitsorganisation gemeinsam zu denken. Die zentrale Frage lautet nicht: Wie viele Schreibtische brauchen wir? Sondern: Welche Tätigkeiten, Begegnungen und Prozesse sollen hier gut funktionieren – heute und morgen?

Nachhaltigkeit wird manchmal als Einschränkung wahrgenommen. Kann sie auch zu besseren, attraktiveren Arbeitsorten führen?

Daniela Merkenich: Unbedingt. Nachhaltigkeit bedeutet nicht Verzicht auf Qualität. Im besten Fall führt sie sogar zu einer höheren Qualität von Räumen und Arbeitsumgebungen. Natürliche Materialien, gute Akustik, Tageslicht, angenehme Aufenthaltsbereiche, langlebige Lösungen und eine kluge Flächennutzung zahlen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen ein. Im Fall der RESI bedeutet die Nachhaltigkeit vielleicht Verzicht auf Überflüssiges, so haben die Architekten ganz nach dem Prinzip „Zeigen was ist“ entworfen und bspw. Sichtbetonoberflächen und offen geführte Technikkanäle als Gestaltungselemente platziert. Auch die emotionale Dimension spielt eine Rolle. Menschen nehmen wahr, ob ein Unternehmen seine Werte konsequent umsetzt. Wenn Nachhaltigkeit nicht nur in Leitbildern steht, sondern im Arbeitsalltag sichtbar und erlebbar wird, kann das Identifikation schaffen. Das gilt besonders in Zeiten, in denen Mitarbeitende stärker darauf achten, wofür Organisationen stehen und wie glaubwürdig sie handeln. Ein nachhaltiger Arbeitsplatz kann daher ein wichtiger Teil der Arbeitgeberattraktivität sein sowie der Ausdruck einer langfristigen Haltung.

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Welche Herausforderungen entstehen, wenn Architektur, Nachhaltigkeitsziele und Arbeitskultur zusammengebracht werden sollen?

Andrea Schmidt: Die größte Herausforderung besteht oft darin, unterschiedliche Perspektiven früh genug zusammenzuführen. Architektur, Immobilienmanagement, Nachhaltigkeit, IT, HR, Führungskräfte und Mitarbeitende bringen jeweils eigene Anforderungen mit. Wenn diese erst kurz vor Abschluss eines Projekts zusammenkommen, sind wichtige Entscheidungen häufig bereits getroffen. Es braucht deshalb einen offenen, interdisziplinären Prozess. Nachhaltigkeit darf nicht nur am Ende über ein Zertifikat geprüft werden. Arbeitskultur darf nicht erst nach dem Einzug über Kommunikationsmaßnahmen erklärt werden. Beides muss von Beginn an Teil der Planung sein. Das erfordert Zeit, Dialog und manchmal auch den Mut, gewohnte Muster zu hinterfragen. Doch genau darin liegt die Chance: Wenn Menschen früh beteiligt werden, entstehen Lösungen, die besser zur Organisation passen und im Alltag eher angenommen werden.

Worauf dürfen sich die Besucher beim Wherever Whenever – Work Culture Festival freuen?

Daniela Merkenich: In unserem Vortrag „RESI rockt: Nachhaltige Architektur trifft neue Arbeitskultur“ geht es um konkrete Erfahrungen, Perspektiven und Fragestellungen rund um das Zusammenspiel von Raum, Ressourcen und Zusammenarbeit. Dabei soll sichtbar werden, dass nachhaltige Architektur kein Spezialthema für Planungs- oder Immobilienabteilungen ist. Sie betrifft alle, die Arbeitsorte gestalten, nutzen oder weiterentwickeln: Unternehmen, Führungskräfte, HR-Verantwortliche, Planer sowie Mitarbeitende. RESI lädt dazu ein, den Arbeitsplatz nicht nur als Kostenfaktor oder Flächenfrage zu sehen, sondern als strategischen Ort für Zukunftsfähigkeit. Denn die Arbeitswelt von morgen braucht nicht einfach weniger oder mehr Büro. Sie braucht bessere Antworten auf die Frage, wie wir Ressourcen verantwortungsvoll nutzen und gleichzeitig Orte schaffen, an denen Menschen gerne zusammenkommen, wirksam arbeiten und Veränderungen gestalten können.

Vielen Dank für das Gespräch.

Seien Sie dabei

Wherever Whenever – Work Culture Festival 2026 Vom 27. bis 30. Oktober 2026 bringt das Wherever Whenever – Work Culture Festival erneut Entscheidungsträger und Visionäre aus aller Welt auf der ORGATEC zusammen.

Daniela Merkenich ist Partnerin und Expertin für nachhaltige Arbeitswelten und Immobilien bei der Alpha IC GmbH. Nach ihrem Bachelorstudium der Architektur absolvierte sie den Master Sustainable Building. Nach einer Projektstation für die GIZ in Äthiopien war sie mehrere Jahre als Nachhaltigkeitsexpertin für die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) tätig. Seit 2016 arbeitet sie in der Nachhaltigkeitsberatung, zunächst bei der ifes GmbH und anschließend bei der Alpha IC. Daniela Merkenich ist DGNB-Senior-Auditorin, DGNB-ESG-Managerin und BREEAM AP. Nachhaltigkeit versteht sie als ganzheitliches Konzept und als Zugewinn für Mensch und Gebäude. Weitere Informationen: https://www.alpha-ic.com/

Andrea Schmidt ist Partnerin bei der Alpha IC und Expertin für Change Management. Die Diplom-Ingenieurin für Raumplanung verfügt über langjährige Erfahrung in der Immobilienwirtschaft und war unter anderem für die Deutsche Bahn tätig. Ergänzt wird ihr Profil durch Qualifikationen in Change Management, systemischem Coaching und Corporate Real Estate Management. Heute begleitet sie Veränderungsprozesse in Organisationen und setzt dabei auf Kommunikation und Partizipation: „Change gelingt mit guter Kommunikation und Partizipation. So können wir mehr Akzeptanz und Motivation der Mitarbeitenden erreichen.“ Weitere Informationen: https://www.alpha-ic.com

Titelbild: © Karolina Parot

RESI rockt: Nachhaltige Architektur trifft neue Arbeitskultur

Die RESI in Bamberg ist mehr als ein Gebäude – sie ist gelebter Kulturwandel und steht für Responsibility, Excellence, Sustainability und Innovation. Als Netto-Null-Haus funktioniert sie ohne aktives Heizen und Kühlen und zeigt: Weniger Technik kann mehr Wirkung entfalten. Entstanden aus interdisziplinärem Wissen, Simulationen und echter Praxis – als Reallabor, in dem Anforderungen gemeinsam gedacht, hinterfragt und in Räume übersetzt wurden.

Im Mittelpunkt steht der Mensch: Ein intensiver Change Prozess mit Beteiligten aus allen Bereichen hat die Arbeitswelt mitgestaltet. Heute wird hier Activity Based Working gelebt – offene Zonen für Austausch, Rückzugsorte für Fokus und maximale Selbstbestimmung durch flexible Arbeitszeitmodelle. Desk Sharing, Buchungs-App und gemeinschaftlich genutzte Flächen stärken Vertrauen, Verantwortung und Begegnung.

Die RESI lebt von Partizipation – im Arbeiten, Nutzen und Weiterentwickeln. Ein offenes Haus für Dialog, Lernen und Ausprobieren. Nachhaltigkeit ist hier keine Theorie, sondern Haltung: Weniger Ressourcen, mehr Wirkung!

Erleben Sie, was möglich wird, wenn Nachhaltigkeit und New Work zusammentreffen!

mit Andrea Schmidt und Daniela Merkenich
Donnerstag, 29. Oktober 2026, 13:00 Uhr
Next Stage, WW-Festival / ORGATEC