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„Vergleichbarkeit schafft Vertrauen“: Über das neue IBA-Statement zur CO₂-Bilanzierung

Nachhaltigkeit

Amelie Schulte, Nachhaltigkeitsreferentin bei Assmann Büromöbel GmbH & Co. KG
IBA Redaktionsteam IBA Redaktionsteam ·
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Mit einem gemeinsamen Statement zur Bilanzierung und Reduzierung von Treibhausgasemissionen setzen die Mitglieder des Industrieverband Büro und Arbeitswelt e. V. (IBA) ein deutliches Zeichen. Das Dokument beschreibt erstmals gemeinsame Grundsätze für die CO₂-Bilanzierung innerhalb der Branche und schafft Orientierung für Unternehmen, Kunden und Öffentlichkeit. Warum dieser Schritt wichtig ist, weshalb Scope 3 eine Schlüsselrolle spielt und welche Herausforderungen auf die Unternehmen zukommen, erläutert Amelie Schulte, Nachhaltigkeitsreferentin bei Assmann Büromöbel und Mitglied der IBA-Arbeitsgruppe Regelwerke.

Frau Schulte, warum war jetzt der richtige Zeitpunkt für ein gemeinsames Statement zur Bilanzierung und Reduzierung von Treibhausgasemissionen?

In den vergangenen Jahren haben sich die Anforderungen an Unternehmen stark verändert. Immer mehr Kunden fragen nach belastbaren Klimadaten, gleichzeitig entstehen durch den European Green Deal und neue europäische Regelwerke zusätzliche Berichtspflichten. Uns war deshalb wichtig, als Branche gemeinsame Orientierung zu schaffen. Die Initiative entstand innerhalb der IBA-Arbeitsgruppe Regelwerke. Ziel war es neben der Zusammenfassung der Anforderungen zu zeigen, wie die Unternehmen der Büro- und Arbeitswelt mit dem Thema umgehen. Das Statement soll den Mitgliedern eine gemeinsame Grundlage bieten und gleichzeitig transparent machen, warum CO₂-Bilanzen verschiedener Unternehmen trotz gleicher Zielsetzung nicht immer unmittelbar vergleichbar sind.

Warum orientiert sich der IBA dabei konsequent am Greenhouse Gas Protocol?

Das Greenhouse Gas Protocol ist heute der international anerkannte Standard für die Bilanzierung von Treibhausgasemissionen. Wenn wir Vergleichbarkeit schaffen wollen, brauchen wir auch eine gemeinsame Methodik. Gleichzeitig wollten wir die Einstiegshürde für Unternehmen möglichst gering halten. Deshalb empfehlen wir, Scope 1 und Scope 2 vollständig zu berichten. Die erforderlichen Daten sind in den meisten Unternehmen bereits vorhanden und lassen sich mit überschaubarem Aufwand erfassen. Für Scope 3 braucht es dagegen häufig noch weitere Daten aus der Lieferkette. Hier verfolgen wir einen schrittweisen Ansatz.

Im Statement konzentriert sich der Verband bei Scope 3 auf ausgewählte Kategorien. Weshalb gerade diese?

Während der Erarbeitung des Statements haben die Mitgliedsunternehmen ihre bisherigen CO₂-Bilanzen miteinander verglichen. Dabei wurde deutlich, dass der überwiegende Teil der Emissionen in nahezu allen Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette in Scope 3 entsteht, insbesondere bei den eingekauften Materialien und Dienstleistungen.  Gerade Materialien wie Stahl, Aluminium, Kunststoffe, Holzwerkstoffe oder Textilien bestimmen den CO₂-Fußabdruck unserer Produkte wesentlich stärker als die eigentliche Produktion. Hinzu kommen Transporte sowie die Entsorgung der Produkte am Ende ihres Lebenszyklus. Das zeigt auch, wo die größten Potenziale liegen.

Gleichzeitig gelten einige Scope-3-Kategorien nur als optional. Welche Rolle spielt dabei das Prinzip der Wesentlichkeit?

Nicht jede Kategorie ist für jedes Unternehmen gleichermaßen relevant. Deshalb orientieren wir uns am Prinzip der doppelten Wesentlichkeit. Unternehmen betrachten sowohl ihre Auswirkungen auf Umwelt und Klima als auch die Auswirkungen dieser Themen auf ihr eigenes Geschäftsmodell. Auf dieser Grundlage können Unternehmen ihre wesentlichen Emissionstreiber identifizieren. Das schafft einerseits Vergleichbarkeit und berücksichtigt andererseits die unterschiedlichen Geschäftsmodelle innerhalb unserer Branche.

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Die größte Herausforderung bleibt also Scope 3?

Definitiv. Die eigentliche Herausforderung liegt weniger in der Berechnung als in der Datenverfügbarkeit. Unternehmen sind auf Informationen ihrer Lieferanten angewiesen, beispielsweise zum Recyclinganteil, zur Materialzusammensetzung oder zu produktspezifischen Emissionswerten. Gerade kleinere Zulieferer verfügen häufig noch nicht über diese Daten oder stellen sie nicht in der erforderlichen Qualität bereit. Deshalb sehen wir die Zusammenarbeit entlang der gesamten Lieferkette als entscheidenden Erfolgsfaktor. Je besser die Datenqualität wird, desto belastbarer werden künftig auch die CO₂-Bilanzen.

Welche Rolle spielen dabei Kooperationen mit Lieferanten?

Eine sehr große. Nachhaltigkeit lässt sich nicht allein innerhalb des eigenen Unternehmens umsetzen. Bei Assmann sprechen wir beispielsweise mit Lieferanten über den Einsatz von Elektro-LKW, über Verpackungsoptimierungen oder über den verstärkten Einsatz von Recyclingmaterialien. Solche Projekte entstehen nur im Dialog. Oft sind bereits heute deutlich mehr Möglichkeiten vorhanden, als zunächst sichtbar werden. Wichtig ist deshalb, anzufangen und gemeinsam Erfahrungen zu sammeln.

Können Sie dafür ein konkretes Beispiel nennen?

Ein gutes Beispiel ist unsere vollständig recycelte Möbelkante, die wir gemeinsam mit unserem Partner Rehau entwickelt haben. Dabei werden Produktionsreste aus unserer Fertigung sortenrein gesammelt, an den Lieferanten zurückgegeben und anschließend wieder zu neuem Kantenmaterial verarbeitet. So bleibt das Material vollständig im Kreislauf. Das mag zunächst wie eine kleine Komponente erscheinen. Tatsächlich zeigt das Projekt aber sehr anschaulich, wie Circular Economy in der Praxis funktionieren kann. Wenn viele solcher Lösungen zusammenkommen, entsteht ein erheblicher Beitrag zur Ressourcenschonung und zur Reduzierung von CO₂-Emissionen.

Welche weiteren Maßnahmen tragen bereits heute zur Emissionsreduzierung bei?

Viele Unternehmen der Branche investieren bereits seit Jahren in erneuerbare Energien, Photovoltaik oder energieeffiziente Produktionsprozesse. Bei Assmann beziehen wir ausschließlich zertifizierten Ökostrom und bauen unsere Photovoltaikanlagen kontinuierlich aus. Zusätzlich erzeugen wir den überwiegenden Teil unserer Prozesswärme durch die energetische Nutzung von Holzresten aus der eigenen Produktion. Parallel stellen wir unsere Dienstwagenflotte schrittweise auf Elektrofahrzeuge um und arbeiten gemeinsam mit Logistikpartnern an emissionsärmeren Transportlösungen.

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Der European Green Deal erhöht die Anforderungen an Unternehmen deutlich. Sehen Sie darin eher Chance oder Risiko?

Beides. Natürlich bringen neue europäische Regelwerke zusätzlichen Aufwand mit sich. Gerade international tätige Unternehmen müssen unterschiedliche nationale Umsetzungen im Blick behalten. Das bindet Ressourcen. Gleichzeitig bietet der Green Deal aber auch eine große Chance. Er schafft einen gemeinsamen Rahmen und gibt eine klare Richtung vor. Für unsere Branche bedeutet das die Möglichkeit, Innovationen voranzutreiben und Nachhaltigkeit systematisch in Produkte und Prozesse zu integrieren. Ich glaube, wir sollten diese Entwicklung nicht als Belastung verstehen, sondern als Chance, Verantwortung zu übernehmen und unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu stärken.

Welches Signal soll das neue IBA-Statement senden?

Vor allem, dass wir als Branche Verantwortung übernehmen. Mit dem Statement zeigen wir, dass wir gemeinsame Standards entwickeln, Transparenz schaffen und uns aktiv auf den Weg machen, unsere Emissionen zu reduzieren. Gleichzeitig möchten wir Unternehmen motivieren, sich intensiver mit ihrer eigenen CO₂-Bilanz auseinanderzusetzen. Nachhaltigkeit ist kein Wettbewerb um die besten Zahlen. Entscheidend ist, dass wir auf einer gemeinsamen Grundlage arbeiten und Schritt für Schritt besser werden.

Frau Schulte, vielen Dank für das Gespräch.

Amelie Schulte ist Nachhaltigkeitsreferentin bei Assmann Büromöbel GmbH & Co. KG. Im Industrieverband Büro und Arbeitswelt e. V. (IBA) engagiert sie sich im Nachhaltigkeitskreis sowie in der Arbeitsgruppe Regelwerke. Gemeinsam mit weiteren Vertretern der Mitgliedsunternehmen wirkte sie an der Erarbeitung des IBA-Statements zur Bilanzierung und Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen mit. 

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Titelbild: Amelie Schulte