22.06.2021
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Neue Potenziale

Mensch im Mittelpunkt

In ihrer vierten New Work Order-Studie fragt die Hamburger Trendexpertin Birgit Gebhardt, was das Büro in Zukunft leisten kann. Was wäre, wenn unsere Umgebung mit uns spricht, wenn sie Interessen verbindet, Gefühle berücksichtigt und so tatsächlich den Menschen in den Mittelpunkt stellt?

Künstliche und …

Wenig hilfreich findet Birgit Gebhardt, dass derzeit mehr über Künstliche Intelligenz gesprochen wird als über die Frage, was Menschen zur Zusammenarbeit und zum Lernen bringt. Dennoch erteilt die New Work-Expertin dem Einsatz Künstlicher Intelligenz und anderer digitaler Instrumente keine Absage. Vielmehr beschreibt sie in der unter dem Titel „The Human Factor@Work“ erschienenen Trendstudie, wie diese Faktoren uns bei der Arbeit unterstützen können. Beispielsweise könnten Smartwatches künftig nicht nur Daten über unseren Blutdruck und unsere Herzfrequenz liefern. Sie könnten uns darüber hinaus auch Auskunft darüber geben, wo wir uns am wohlsten fühlen, und – wenn wir das wollen – auch, wo wir am produktivsten arbeiten. Eine Spielerei? Vielleicht. Aber Beschäftigte, die wissen, welche Umgebung gut für ihr Wohlbefinden ist, werden dies auch einfordern.

… natürliche Intelligenz

Das heißt aber nicht, dass alles digital wird. Schließlich haben wir in den letzten Monaten erlebt, wie wichtig das persönliche Miteinander ist. Und:

„Menschen sind keine Gehirne in Bottichen. Wir sind körperlich, wir sind organisch und fühlen uns zu Dingen hingezogen, die immer gut für uns waren“, mahnt der Neurologe Collin G. Ellard, einer der Experten, die in der aktuellen New Work Order-Studie zu Wort kommen.

Das erklärt zum Beispiel, warum Pflanzen und selbst ihre Abbildungen einen so positiven Einfluss auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Menschen haben. „Sensitive Angebote verbessern den Working Spirit“, lautet denn auch die Überzeugung von Lacey Arslan. Sie prägte als Workplace Experience Designer die Arbeitswelt bei Adobe. „Wichtig“, so das Fazit von Birgit Gebhardt, „ist es, nicht Fläche durch Menschen zu teilen, sondern zu erforschen, welchen Einfluss die Wahrnehmung von Räumen auf unsere Arbeits- und Lernleistung hat und wie wir dieses Wissen nutzen können.“ Denn schließlich sei der Mensch immer noch die zentrale Ressource.


KURZ GEFASST

Wir haben die Birgit Gebhardt gebeten, in wenigen Worten zu beschreiben, womit sie sich in der jüngsten New Work Order-Studie beschäftigt und was die neue Arbeitswelt ausmachen wird.

Birgit Gebhardt, Autorin der New Work Order-Studien
Birgit Gebhardt, Autorin der New Work Order-Studien Lupe_grau

Frau Gebhardt, was meinen Sie damit, dass „weiche“ Faktoren unsere Denk- und Leistungsfähigkeit beeinflussen?
Dass unser Lernen doch anders funktioniert als das von Algorithmen. Uns beeinflussen Gefühle, Sinnesreize, die jeweilige Befindlichkeit, die Energie, die von anderen Menschen oder Orten ausgeht, eigene Erfahrungen, sogar ein evolutionäres Gedächtnis.

Wie erschließen wir uns dieses Potenzial?
Bei der Arbeit leider noch zu wenig. Das Gespür dafür müssen wir erst noch entwickeln. In der Industrialisierung war es viel weniger gefragt als heute.

Kann uns Künstliche Intelligenz dennoch helfen, besser zu lernen und zu arbeiten?
Ja, weil sie unsere individuellen Bedürfnisse, Eigenschaften und Verhaltensmuster erfassen, spiegeln und mit vorteilhaften Umgebungen kombinieren kann.

Wie könnte die menschenzentrierte Arbeitswelt aussehen?
Ich stelle mir multisensorische Lernlandschaften vor, mit atmosphärischer Stimulation, zum Beispiel für Konzentration und andere Arbeitsweisen – und mit unterschiedlichen emotionalen Ankern.


Hinweis:
Ausschnitte aus der Studie stellt Birgit Gebhardt am
1. Juli 2021 von 11.10 bis 12.00 Uhr im IBA Forum vor.
> zur kostenfreien Anmeldung


INFORMATIONEN ZUR STUDIE

Die New Work Order-Studien werden vom Industrieverband Büro und Arbeitswelt e. V. (IBA) veröffentlicht.
Verfügbare Sprachen: Deutsch und Englisch

Kostenfreier Download und weitere Informationen