14.03.2022
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Studie

Erkenntnisse aus
Arbeitgeberbewertungen

Für die im Januar 2022 veröffentlichte Studie befassten sich Dr. Katharina Radermacher, Akademische Rätin am Lehrstuhl für Personalwirtschaft der Universität Paderborn, und ihre Kollegin Enja Marie Herdejürgen mit der Bereitschaft von Beschäftigten, ihre Unternehmen an andere weiterzuempfehlen. Dafür werteten sie Daten aus, die von der Arbeitgeberbewertungsplattform kununu und dem IBA im Zusammenhang mit der Verleihung des Best Workplace Award 2019 erhoben wurden. Zur Verfügung standen 13.033 Datensätze mit Bewertungen der Arbeitgeberattraktivität und zusätzlichen Angaben zur Arbeitsplatzgestaltung. Ergänzend dazu wurden aus 44.000 Freitextbewertungen, die im Jahr 2019 bei kununu abgegeben worden waren, zufällig 1.788 vertiefende Kommentare ausgewählt und analysiert.


Weiterempfehlungen als Recruitment-Tool

Die Studie
Die Studie "Erkenntnisse aus Arbeitgeberbewertungen: Das Potential von Arbeits­atmosphäre und Arbeitsplatz­gestaltung für die Weiterempfehlungs­bereitschaft" erschien im Januar 2022. Lupe_grau

Zunächst widmeten sich Radermacher und Herdejürgen jedoch auf Basis früherer wissenschaftlicher Untersuchungen (Literaturrecherche) der Frage, welche Bedeutung Weiterempfehlungen von Beschäftigten für Unternehmen haben. Demnach stellt die Weiterempfehlungsbereitschaft von derzeit Beschäftigten auf Arbeitgeberbewertungsplattformen eine zentrale Informationsgröße für Bewerber dar. Die Unternehmen selbst profitieren von positiven Weiterempfehlungen, was sich in der Pre-Hire-Phase gleichermaßen in einem effizienteren Recruitment-Prozess, einer Verbesserung der Qualität der Bewerbungen und einer höheren Passung des Bewerberpools zeigt. In der Post-Hire-Phase sind bei vorausgegangenen Weiterempfehlungen durch Mitarbeiter eine höhere Arbeitszufriedenheit und eine längere Betriebszugehörigkeit zu registrieren. 


Weiche Faktoren sind ausschlaggebend

Auf die Frage, was die Weiterempfehlungsbereitschaft der eigenen Mitarbeiter motiviert, gab dann die Analyse der Daten zum Best Workplace Award Auskunft. Klassische Jobmerkmale wie Gehalt, Work-Life-Balance, Jobsicherheit und Weiterbildungsmöglichkeiten sind von jeher relevant für den Rekrutierungserfolg. Tatsächlich ist ihr Einfluss auf die Arbeitgeberattraktivität, Mitarbeiterzufriedenheit und Weiterempfehlungsrate aber geringer als häufig vermutet. Die größte Bedeutung für die Weiterempfehlungsbereitschaft haben nämlich die sogenannten Soft-Faktoren, allen voran die Arbeitsatmosphäre, gefolgt vom Verhalten von Vorgesetzten und der innerbetrieblichen Kommunikation. Auch die Arbeitsplatzgestaltung und Arbeitsplatzmerkmale haben einen positiven Einfluss auf die Weiterempfehlungsbereitschaft. Das gilt besonders für flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit zur Nutzung verschiedener Arbeitsbereiche innerhalb des Unternehmens. Das Angebot unterschiedlich eingerichteter Räumlichkeiten erhöht zudem die Qualität der Kommunikation im Unternehmen. Keinen Einfluss auf die Weiterempfehlungsbereitschaft hat dagegen die Frage, ob für die konzentrierte Arbeit am Schreibtisch kleine, geschlossene Raumeinheiten zur Verfügung stehen oder ob in offenen Räumen gearbeitet wird. Das gilt auch für die Intensität und die Qualität der Kommunikation mit den Kollegen.

Direkte Effekte auf die Weiterempfehlungsbereitschaft
Direkte Effekte auf die Weiterempfehlungsbereitschaft Lupe_grau

Aspekte der Arbeitsatmosphäre

Im letzten Teil der Studie widmeten sich die beiden Autorinnen der Frage, welche Einflussgrößen die Arbeitsatmosphäre bestimmen. Dazu verwendeten sie die im Jahr 2019 bei kununu geposteten Kommentare. Ob die Arbeitsatmosphäre von Mitarbeitern als positiv empfunden wird, hängt, so die gewonnene Erkenntnis, im Wesentlichen vom Zusammenhalt unter den Kollegen ab, von erlebter Hilfsbereitschaft, von Teamwork und Kollaboration, Freundlichkeit und Offenheit. Gestützt wird der so gewonnene positive Eindruck durch gute Führungskräfte, die auf die Bedürfnisse der Beschäftigten eingehen, durch eine emotionale Verbundenheit mit dem Unternehmen und seiner Kultur. Auch hier hat die Gestaltung der Büroräume wieder einen signifikanten Effekt und liegt damit in etwa gleichauf mit dem positiven Einfluss einer modernen Büroorganisation auf die Arbeitsatmosphäre.

Effekte auf die Arbeitsatmosphäre
Effekte auf die Arbeitsatmosphäre Lupe_grau

Die drei wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie

  • Die Weiterempfehlungsbereitschaft kann insbesondere durch weiche Faktoren wie Arbeitsatmosphäre, Vorgesetztenverhalten und Kommunikation beeinflusst werden.
  • Arbeitsplatzmerkmale, allen voran flexible Arbeitszeiten und die flexible Nutzung von Arbeitsbereichen, weisen ein bisher unberücksichtigtes Potenzial für die Weiterempfehlung auf.
  • Um eine positive Wahrnehmung der Arbeitsatmosphäre zu erreichen, sollte der Zusammenhalt unter den Kollegen gestärkt und physische und emotionale Belastungen vermieden werden.

Die Studie steht unter IBA Publikationen zum kostenlosen Download zur Verfügung. Im Media Center des IBA Forum finden Sie einen Mitschnitt eines Vortrags vom 27. Januar 2022, mit dem Frau Dr. Katharina Radermacher die wichtigsten Ergebnisse der Studie vorstellte.