Expertenwissen

Erfolgsfaktor Kreativität

Jede Innovation hat ihren Ursprung in kreativen Ideen. Die erfolgreiche Implementierung von Programmen, die Einführung neuer Produkte oder Serviceleistungen hängen davon ab, dass einzelne Personen oder ein Team eine gute Idee haben – und diese weiterentwickeln.

Aus: Amabile, T. M., Conti, R., Coon, H., Lazenby, J., & Herron, M., (1996). Assessing the work environment for creativity. Academy of Management Journal, 39(5), 1154.


Kreativität ist ein schöpferischer Prozess. Deshalb wird sie oft mit künstlerischem Schaffen assoziiert. Dieses ist aber nur ein Teilbereich der Kreativität.

Kreativität in der Büroarbeit bezeichnet die Fähigkeit, vorhandenes Wissen und Erfahrungen neu miteinander zu kombinieren, um daraus neue Ideen, Produkte etc. zu entwickeln.


Voraussetzungen

Teresa M. Amabile, Professorin für Business Administration an der Harvard Business School, nennt drei wesentliche Voraussetzungen für die Entstehung von Kreativität:

  • Expertise
    Sie umfasst alle Arten von Wissen (Bildung, Erfahrungen etc.) sowie technische und intellektuelle Fähigkeiten.
  • Fähigkeit zu kreativem Denken
    Gemeint sind sowohl die Fähigkeit, flexibel an neue Probleme heranzugehen, als auch die Fähigkeit, kreative Durststrecken zu überbrücken.
  • Motivation
    Im Vordergrund steht hier die intrinsische (innere) Motivation, die Menschen dazu antreibt, Aufgaben zu lösen.

Eine besondere Bedeutung unter den drei Grundvoraussetzungen für Kreativität hat die intrinsische Motivation. Ein starkes Interesse an der Lösung von Aufgaben kann zumindest teilweise fehlende Expertise ersetzen, weil hochmotivierte Personen meist willens und in der Lage sind, fehlendes eigenes Wissen von anderen Teammitgliedern oder extern zu beschaffen.

Quellen: How to Kill Creativity, Teresa M. Amabile in Harvard Business Review, September-Oktober 1998, und PD Dr. Jürgen Glaser, Dr. Britta Herbig, Vortrag Kreativität und Gesundheit im Arbeitsprozess – Kreativitätsförderliche Arbeitsgestaltung anlässlich der Fachkonferenz Büro (Neue Kultur der Arbeit) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) am 9.06.09 in Köln.


Kreativitätsmodell
nach Amabile:

 

Quelle: IBA-/buero-forum-Fachschrift Nr. 10 – Kreativität und Gesundheit, Autoren: Britta Herbig, Jürgen Glaser, 2009


Maßnahmen zur Förderung von Kreativität

Glaser und Herbig unterscheiden inhaltliche und formale Maßnahmen der Kreativitätsförderung.

Den stärksten Einfluss auf die Kreativität der Mitarbeiter haben die inhaltlichen Gestaltungsdimensionen wie z. B.:

  • Autonomie (hinsichtlich Arbeitsinhalten, -ort, -zeit)
  • Anforderungsvielfalt (Komplexität und Neuartigkeit)
  • Kreative Anforderungen (Bewusstsein, dass kreatives Denken gewünscht ist)
  • Ganzheitlichkeit (der Arbeitsaufgabe)

Formale Aspekte der Arbeitsgestaltung können die inhaltlichen Dimensionen positiv verstärken, indem sie diese sicht- und erlebbar machen und Kommunikationsprozesse unterstützen, z. B. in Form von:

  • Leitbildern und Führungsphilosphien
  • Raumgestaltung
  • Arbeitszeitmodellen
  • Arbeitsformen

Die besten Effekte werden daher erzielt, wenn inhaltliche und formale Gestaltungsdimensionen aufeinander abgestimmt werden.


Potenziale der Raumgestaltung

Ein Forscherteam der Stanford University befasste sich mit der Frage, unter welchen Bedingungen die Arbeitsumgebung einen positiven Einfluss auf die Kreativität der Beschäftigten hat. Erwartungsgemäß ließ ein attraktives Umfeld den kreativen Output signifikant ansteigen. Noch wirkungsvoller war es, wenn Bewegung und Ortswechsel in den Arbeitsprozess eingefügt wurden. In Kombination beider Faktoren, attraktives Umfeld und Bewegung, waren die Teilnehmer des Feldversuchs viermal produktiver als in einem tristen Raum, in dem sie nur im Sitzen arbeiten konnten.

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