Gestaltung, die die Bedürfnisse von Menschen in den Mittelpunkt stellt, flexible Raumkonzepte, Akustik, neue Technologien und Kreislaufwirtschaft: Zahlreiche IBA-Mitgliedsunternehmen greifen zur ORGATEC 2026 unterschiedliche Fragen zur Zukunft der Arbeitswelt auf. Ausgewählte Messekonzepte und angekündigte Produktneuheiten der Aussteller im Umfeld des Wherever Whenever – Work Culture Festivals geben einen Einblick in die Themen, mit denen sich die Büro- und Einrichtungsbranche derzeit beschäftigt.
Wie müssen Arbeitsumgebungen gestaltet sein, damit sie unterschiedliche Tätigkeiten und Bedürfnisse unterstützen? Welche Rolle spielt das Büro als Ort der Begegnung und Zusammenarbeit? Und wie lassen sich Flexibilität, Wohlbefinden und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen miteinander verbinden? Diese Fragen beschäftigen die Büro- und Einrichtungsbranche seit Jahren. Mit veränderten Arbeitsweisen, neuen Technologien und steigenden Anforderungen an die Nutzung von Flächen gewinnen sie jedoch weitere Facetten.
Unter dem Leitthema „From Rooms to Relationships“ rückt die ORGATEC 2026 die Beziehungen zwischen Mensch, Raum und Arbeitskultur in den Mittelpunkt. Auch die IBA-Mitgliedsunternehmen, die sich vom 27. bis 30. Oktober im Rahmen des Wherever Whenever – Work Culture Festivals in Halle 6 präsentieren, greifen diese Zusammenhänge auf. Anhand ausgewählter Messekonzepte und angekündigter Produktneuheiten lassen sich fünf thematische Schwerpunkte nachzeichnen.
Menschenzentrierte Arbeitsumgebungen
Die Bedürfnisse der Beschäftigten bilden einen zentralen Ausgangspunkt für die Gestaltung von Arbeitsumgebungen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um ergonomische Möbel. Auch Licht, Akustik, Materialien, räumliche Vielfalt und die Möglichkeit, zwischen unterschiedlichen Arbeitsbereichen zu wählen, beeinflussen die Qualität eines Arbeitsplatzes. Sedus greift diese Zusammenhänge mit dem Konzept „Habitats by Sedus“ auf. Unter dem Leitmotiv „Spaces that Care – Wellbuilding for Human Nature“ beschreibt das Unternehmen das Büro als Zusammenspiel unterschiedlicher räumlicher Angebote für Konzentration, Austausch, Bewegung und Erholung. Je nach Tätigkeit und individuellem Bedürfnis sollen Beschäftigte zwischen verschiedenen Umgebungen wählen können. Actiu stellt unter dem Motto „Life Friendly Spaces: Living the Experience“ ebenfalls die individuellen Bedürfnisse in den Mittelpunkt. Neben der Anpassungsfähigkeit von Räumen geht es dabei um die sinnliche Wahrnehmung: Materialien, Oberflächen, Akustik und Atmosphäre werden als Faktoren betrachtet, die das Erleben einer Arbeitsumgebung beeinflussen. Einen anderen Zugang wählt Kinnarps. Mit der Arbeitsplatzanalyse Next Office® untersucht das Unternehmen, wie Menschen tatsächlich arbeiten und welche Anforderungen sich daraus für die Gestaltung ergeben. Quantitative Daten und qualitative Erkenntnisse bilden die Grundlage für bedarfsgerechte Raumkonzepte. Statt von vorgegebenen Einrichtungslösungen auszugehen, setzt Kinnarps damit bei der tatsächlichen Nutzung der Arbeitsumgebung an.
Begegnung, Flexibilität und Wohnlichkeit
Mit der Veränderung von Arbeitsweisen wandeln sich auch die Erwartungen an das Büro. Neben dem individuellen Arbeitsplatz gewinnen Bereiche für Zusammenarbeit, informelle Gespräche und gemeinschaftliche Aktivitäten an Bedeutung. Gleichzeitig werden Räume zunehmend für unterschiedliche Nutzungen konzipiert. Unter dem Motto „New Designs for Human Connection“ beschäftigt sich INCLASS mit der Gestaltung von Kommunikations- und Begegnungsbereichen. Flexible Besprechungszonen und wohnlich gestaltete Aufenthaltsbereiche sollen unterschiedliche Formen des Austauschs unterstützen. Auch Forma 5 und esPattio betonen die soziale Funktion von Arbeitsumgebungen. Wohnliche Sitzlandschaften und gemeinschaftlich genutzte Bereiche werden dabei mit ergonomischen Sitzlösungen von Löffler ERGO verbunden. Bei Mara steht die Veränderbarkeit von Räumen im Vordergrund. Der Hersteller beschreibt seinen Messeauftritt als „An ecosystem of evolving spaces“ und setzt auf Einrichtungslösungen, die in unterschiedlichen Arbeits‑, Konferenz‑, Coworking- und Hospitality-Umgebungen eingesetzt werden können. Viasit greift die Anpassungsfähigkeit von Arbeitsumgebungen mit modularen und mobilen Möbelkonzepten auf. Die zunehmende Annäherung von Arbeits‑, Wohn- und Hospitality-Welten spiegelt sich auch in den Konzepten von Interstuhl und Thonet wider. Während Interstuhl unter dem Motto „Office is all.“ wohnliche Gestaltung mit ergonomischen Anforderungen und Bewegung im Arbeitsalltag verbindet, beschäftigt sich Thonet mit der Frage, wie sich Komfort, gestalterische Vielfalt und Funktionalität in unterschiedlichen Arbeits- und Kommunikationsbereichen miteinander vereinbaren lassen.
Akustik und Rückzug
So wichtig Begegnung und Zusammenarbeit sind, so unverzichtbar bleiben Ruhe und Konzentration. Offene Arbeitsumgebungen müssen deshalb unterschiedliche Anforderungen miteinander vereinbaren. Konzentriertes Arbeiten, vertrauliche Gespräche und digitale Besprechungen benötigen andere räumliche Bedingungen als informeller Austausch oder Teamarbeit. Akustik bleibt vor diesem Hintergrund ein wichtiger Bestandteil der Arbeitsplatzgestaltung. Dabei geht es nicht allein darum, Geräusche zu reduzieren, sondern passende Bedingungen für unterschiedliche Tätigkeiten zu schaffen. Nowy Styl und Kusch+Co stellen ihren gemeinsamen Messeauftritt unter das Motto „Playing with silence“. Akustikkabinen und schallabsorbierende Elemente sollen dazu beitragen, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kommunikation und Rückzug zu schaffen. Hushoffice greift mit „Designed to belong“ einen weiteren Aspekt auf: Neben der Funktion akustisch geschützter Arbeitsbereiche geht es um ihre gestalterische Integration. Unterschiedliche Farben und Materialien ermöglichen es, Akustikkabinen auf die jeweilige Raumgestaltung abzustimmen. Auch BuzziSpace verbindet akustische Lösungen mit Licht, Ästhetik und Materialität. Schallabsorption wird damit nicht nur als technische Anforderung betrachtet, sondern bereits bei der Gestaltung von Arbeitsumgebungen mitgedacht.
Technologie und Lernen
Neue Technologien verändern Arbeitsprozesse und Formen der Zusammenarbeit. Insbesondere Künstliche Intelligenz wirft die Frage auf, wie sich Tätigkeiten und damit auch die Anforderungen an Arbeitsumgebungen künftig entwickeln werden. Bene greift das Thema unter dem Motto „OFFICES. BUILT FOR HUMANS. POWERED BY AI.“ auf. Im Mittelpunkt steht das Zusammenspiel von Mensch, Technologie und Raum. Dabei beschäftigt sich das Unternehmen mit den Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt und den Konsequenzen für die Gestaltung von Büros. VS Vereinigte Spezialmöbelfabriken setzt mit dem Leitgedanken „Neues Arbeiten ist neues Lernen“ einen anderen Schwerpunkt. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der zunehmenden Verbindung von Arbeiten, Lernen und Wissensaustausch und den dafür nötigen räumlichen Voraussetzungen. Flexible Umgebungen sollen sowohl individuelle Tätigkeiten als auch gemeinsames Lernen und Zusammenarbeit ermöglichen.
Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung
Kreislaufwirtschaft gehört inzwischen zu den zentralen Themen der Büro- und Einrichtungsbranche. Neben der Verwendung recycelter und nachwachsender Rohstoffe geht es zunehmend darum, Möbel langlebig, reparierbar und wiederverwertbar zu gestalten. Gleichzeitig gewinnt die Frage an Bedeutung, wie sich bereits vorhandene Möbel länger nutzen lassen. Diese unterschiedlichen Ansätze spiegeln sich auch bei den Ausstellern wider. Während BuzziSpace unter anderem mit recycelten und biobasierten Materialien arbeitet, beschäftigt sich Nowy Styl neben der ressourcenschonenden Produktentwicklung auch mit der Rücknahme und Aufbereitung gebrauchter Möbel. Einen weiteren Aspekt greift newen spaces auf. Die Plattform unterstützt die Weitervermittlung und Wiederverwendung hochwertiger Büromöbel und verbindet dafür Hersteller, Anbieter und neue Nutzer. Damit rückt neben der Gestaltung neuer Produkte auch der Umgang mit dem bereits vorhandenen Möbelbestand stärker in den Blick.
Arbeitskultur als verbindendes Element
Ob an den Bedürfnissen ausgerichtete Raumgestaltung, flexible Einrichtungskonzepte, Akustik, neue Technologien oder Kreislaufwirtschaft: Die Schwerpunkte der IBA-Aussteller auf der ORGATEC 2026 spiegeln unterschiedliche Anforderungen an die Gestaltung von Arbeitsumgebungen wider. Gemeinsam ist ihnen die Auseinandersetzung mit der Frage, wie Räume den Arbeitsalltag und die Zusammenarbeit unterstützen können. Dazu passt das Messe-Leitthema „From Rooms to Relationships“. Es lenkt den Blick über die Gestaltung einzelner Arbeitsplätze auch auf die Bedeutung von Begegnung, Austausch und Unternehmenskultur. Denn wie Menschen zusammenarbeiten, hängt zwar nicht allein von der räumlichen Umgebung ab, wird aber durch sie beeinflusst. Diese Verbindung zwischen Raum und Arbeitskultur greift das Wherever Whenever – Work Culture Festival in Halle 6 auf. Während die IBA-Aussteller ihre Konzepte und Lösungen für unterschiedliche Arbeitsumgebungen präsentieren, beschäftigen sich die Vorträge, Diskussionen und Workshops mit den gesellschaftlichen, organisatorischen und kulturellen Fragen rund um die Zukunft der Arbeit.
Weitere IBA-Mitgliedsunternehmen auf der ORGATEC 2026:
Die Präsenz der IBA-Mitgliedsunternehmen auf der ORGATEC reicht über die hier vorgestellten Beispiele hinaus. Auch Humanscale, Federico Giner, Klöber und LD Seating sind auf der Messe vertreten. Der Beitrag zeigt damit einen thematischen Ausschnitt aus den Messeaktivitäten der IBA-Mitglieder.
Die Ausstellerübersicht des Wherever Whenever – Work Culture Festivals bietet Informationen zu den dort vertretenen Unternehmen und ihren Standorten in Halle 6: https://iba.online/festival/2026/programm/aussteller/
Titelbild: IBA