06.08.2018
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Coworking 

Impulsgeber für Unternehmen

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (Fraunhofer IAO) widmete zum zweiten Mal ein Forschungsprojekt der Frage, welche Chancen Coworking für Unternehmen bietet. Dafür stellten die Stuttgarter Forscher unter dem Titel Coworking – Innovationstreiber für Unternehmen verschiedene Nutzungsarten zur Diskussion.

Elemente des Coworkings werden zunehmend in die eigene Arbeitsumgebung übernommen.
Elemente des Coworkings werden zunehmend in die eigene Arbeitsumgebung übernommen.
Die Aufnahmen zu diesem Beitrag entstanden bei der kununu GmbH, Wien; Foto: Carsten Lerp
Die Aufnahmen zu diesem Beitrag entstanden bei der kununu GmbH, Wien; Foto: Carsten Lerp

Positive Einschätzung

Als Teil seines Forschungsprojekts befragte das Fraunhofer IAO Führungskräfte aus Unternehmen aller Größenklassen. Antworten erhielten die Stuttgarter Forscher in erster Linie von solchen Personen, die bereits Erfahrungen mit Coworking Spaces gemacht oder sich zumindest schon näher mit dem Konzept auseinandergesetzt hatten. Ganz offensichtlich hinterließen diese Erfahrungen einen positiven Eindruck, denn die Befragten waren sich weitgehend darin einig, dass in der Coworking-Idee noch viele Potenziale stecken. Vor allem im Hinblick auf eine verbesserte Mitarbeitermotivation, die Verbesserung der Innovationsfähigkeit und den Zugewinn von Know-how sahen die Antwortenden große Chancen. Auch „am Puls der Zeit zu sein” ist für die Mehrheit ein Grund, künftig verstärkt Coworking für sich zu nutzen.

Die stärksten Konzepte

Jeweils 20 % der Unternehmen haben schon einmal Arbeitsplätze in Coworking Spaces angemietet, um so einzelnen Mitarbeitern eine Alternative zum Home Office zu bieten oder um zeitweise Platz für Team- und Projektarbeit zu schaffen. Die größten Potenziale sehen die befragten Unternehmen aber in der Integration von Coworking in die eigenen Räumlichkeiten. Dies biete Chancen für einen verbesserten Informationsaustausch zwischen den Mitarbeitern und daraus resultierend für eine bereichsübergreifende Entwicklung neuer Ideen.

Fast genauso viel Potenzial sehen sie in der Anmietung weiterer Räume für Team- und Projektarbeit. Hier punkten die räumliche Flexibilität und die Hoffnung, in den externen Räumen effizienter arbeiten zu können. Auch die Chance, von dem Know-how anderer Coworking-Space-Nutzer profitieren zu können, scheint eine Rolle zu spielen.

An dritter Stelle der Ideen mit Zukunftspotenzial steht dann aber doch die Nutzung von Arbeitsplätzen in Coworking Spaces als Alternative zum Home Office. Mit diesem Angebot verbinden die Unternehmen in erster Linie den Wunsch, „am Puls der Zeit zu sein”.

Zumindest interessant

Da sie im Vergleich zu den zuvor genannten Varianten wesentlich aufwendiger sind, fallen die Erwartungen an die Realisierung der folgenden Konzepte etwas verhaltener aus. So etwa die Idee, Coworking mit Zulieferern, Dienstleistern oder Entwicklungspartnern zu betreiben. Die Mehrzahl der Befragten hält sie für durchaus interessant. Besonders viele Vorteile werden hier naturgemäß in der Intensivierung der Zusammenarbeit gesehen.

Ähnlich bewertet wird Coworking im Rahmen von Accelerator- und Inkubator-Programmen. Gemeint ist hier die Unterstützung von Start-ups durch Betreiben eigener Räumlichkeiten oder durch die Förderung von Unternehmen in der Existenzgründungsphase. Darin sehen die Befragten deutliche Potenziale für die Verbesserung der eigenen Innovationsfähigkeit – beispielsweise die Chance, gemeinsam mit den Start-ups neue Produkte außerhalb der eigenen Kompetenzen zu entwickeln.

Auf überwiegendes Interesse stieß auch die Idee, als Ideenschmiede für das Unternehmen einen eigenen Coworking Space, der auch für Freelancer und Startups zugänglich ist, zu gründen. Das Konzept punktet in erster Linie mit der Chance, neue Mitarbeiter zu gewinnen oder zusätzliches Know-how für sich zu entdecken und so die Innovationsfähigkeit des eigenen Unternehmens zu stärken.

Weitere Möglichkeiten

Das Fraunhofer IAO stellte drei weitere Konzepte zur Diskussion. Hier waren sich die Befragten bezüglich des Nutzens und der Realisierbarkeit unsicher. Befürworter und Umfrageteilnehmer, die den Konzepten keine Chancen beimaßen, hielten sich jeweils die Waage. Dennoch sollen die Konzepte hier genannt werden:

  • Coworking im Verbund mit anderen Unternehmen, wobei zwei oder mehrere Unternehmen sich wechselseitig Flächen zur Verfügung stellen oder sie gemeinsam nutzen.
  • Coworking als Entwicklungsdienstleister. Dabei handelt es sich um die mutmaßlich noch nicht praktizierte Möglichkeit, dass Betreiber von Coworking Spaces Projektaufträge an ihre Mitglieder bzw. an ihre Mieter vermitteln.
  • Teil-Sabbatical oder Innovations Camps, in denen einzelne Personen oder ganze Teams die Möglichkeit erhalten, Coworking an einem Ferien- oder Urlaubsort mit Freizeit zu verbinden.

Versuch eines Fazits

Auch wenn Führungskräfte, die noch nie in Kontakt mit Coworking gekommen sind, vermutlich etwas zurückhaltender auf die zur Diskussion gestellten Nutzungs- und Variationsmöglichkeiten reagieren, zeigt die Studie des Fraunhofer IAO doch, welch großes und vor allem vielfältiges Potenzial in der Idee steckt. Das Prinzip Coworking wird die Arbeitswelt weiter beeinflussen: Wie es im Einzelnen umgesetzt wird, dürfte ein wichtiger Faktor sein, wenn Unternehmen gefordet sind, sich als agile und flexible Arbeitgeber zu beweisen (siehe THEMA Neues wagen).


Die Studie „Bauer, Wilheln (Hrsg), Stiefel, Klaus-Peter, Rief, Stefan: Coworking – Innovationstreber für Unternehmen, Fraunhofer IAO 2017” kann im Shop des Fraunhofer IAO bestellt werden.