06.08.2018
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Coworking Spaces

Profil einer Szene

Rund 1,7 Millionen Menschen werden im Laufe dieses Jahres weltweit in einem Coworking Space gearbeitet haben. Nicht gerade viele, aber die Dynamik und die Anpassungsfähigkeit der Coworking-Szene sind beeindruckend.

Das auf Coworking spezialisierte Online-Magazin Deskmag befragt einmal jährlich Betreiber und Nutzer von Coworking Spaces zur Entwicklung der Szene und veröffentlicht die Ergebnisse in seinem Global Coworking Survey. Nach der neuesten Hochrechnung wird die Zahl der Mitglieder in den verschiedensten Coworking Spaces Ende dieses Jahres weltweit bei etwa 1,7 Millionen Personen liegen. 2017 lag die Zahl der Nutzer bei knapp 1,3 Millionen, 2015 bei gerade einmal knapp einer halben Million. Nicht ganz so schnell wächst die Zahl der Angebote. 2017 hatten Interessenten die Wahl zwischen rund 15.500 Coworking Spaces. 2015 waren es 8.900, und Ende dieses Jahres wird es nach Berechnungen von Deskmag weltweit rund 18.900 Angebote für das gemeinsame Arbeiten geben.

Größer und professioneller

Wer nachrechnet stellt fest, dass sich die Coworking-Landschaft verändert. Lag die durchschnittliche Nutzerzahl eines Coworking Space im Jahr 2015 bei 61 Personen, werden in diesem Jahr durchschnittlich fast 90 Personen an einem Standort vereint sein. Die Veränderung ist nicht verwunderlich. Noch gilt in der Branche die Faustregel „mit zunehmender Nutzerzahl steigt die Wirtschaftlichkeit”.

Für die derzeit in Planung befindlichen Coworking Spaces sind durchschnittlich deutlich höhere Investitionssummen budgetiert als für den Aufbau der meisten älteren Räume eingesetzt wurde. Die höheren Budgets fließen zu großen Teilen in die Einrichtung. Zwar berichteten 2017 erst 36 % der Mitglieder, dass ihnen ein ergonomischer Drehstuhl zur Verfügung stehe und gerade einmal 14 % hatten die Möglichkeit, regelmäßig an einem Stehtisch zu arbeiten, aber die Situation verändert sich. Und: Neuere Spaces haben zunehmend mehr abgetrennte Gruppenräume in ihrem Flächenmix.

Der Trend geht auch im Coworking zu hochwertiger eingerichteten Räumen. Bild: Palmberg
Der Trend geht auch im Coworking zu hochwertiger eingerichteten Räumen. Bild: Palmberg

Damit werden Coworking Center auch für Unternehmen interessant. 2017 finanzierten noch fast 60 % aller Nutzer ihren Coworking-Arbeitsplatz aus eigener Tasche. Ein gutes Viertel bekam den Arbeitsplatz vom Arbeitgeber finanziert. Dieser Anteil dürfte zumindest in Deutschland in den nächsten Jahren deutlich zunehmen, wie die Befragung des Fraunhofer IAO zeigt, die wir in unserem zweiten Coworking-Beitrag vorstellen.

Bunt gemischt

Aber auch ohne Zutun größerer Unternehmen, die in kleinen Coworking Centern Räume für ihre Mitarbeiter buchen, verändert sich die Besetzung der Coworking Center. 2011 begann Deskmag einen seiner Artikel noch mit: „Der durchschnittliche Coworker ist jung, männlich, arbeitet in der Tech-Industrie, lebt in der Nähe der Coworking Spaces …” Dieses Bild stimmt offensichtlich nur noch in Teilen.

Marketing und Vertrieb erobern die neuen Coworking Spaces. Bild: König + Neurath
Marketing und Vertrieb erobern die neuen Coworking Spaces. Bild: König + Neurath

Heute sind Coworker im Durchschnitt 36 Jahre alt; 40 % der Nutzer sind weiblich. Unverändert hoch ist der Bildungsgrad der Coworker. Immerhin 85 % haben eine akademische Ausbildung. Auch heute noch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er oder sie im IT-Bereich arbeitet (22 % der Nutzer). Aber eine andere Gruppe holt auf. Mitarbeiter aus PR, Marketing und Vertrieb stellten derzeit immerhin 14 % der Coworking-Space-Nutzer, mit stark zunehmender Tendenz. Deutlich rückläufig war der Anteil der Berater. Er fiel von zuletzt 11 % auf einen Wert von 6 %. Die übrigen Nutzer verteilen sich auf unterschiedlichste Bereiche.

Sieht man von den wenigen, auf bestimmte Berufsgruppen spezialisierten Coworking Spaces ab, so herrscht auf den meisten Büroflächen ein bunter Mix hochqualifizierter Nutzer. Ein weiterer Grund, warum Coworking Spaces zu einem Impulsgeber für Unternehmen werden könnten.

infobox

„Coworking ist das flexible Arbeiten weitgehend voneinander unabhängiger Wissensarbeiter an einem gemeinsamen, institutionalisierten Ort. Das hierarchiefreie soziale Netzwerk ermöglicht dabei für die Beteiligten vielfältige Kooperationsvorteile.”
Quelle: Stefan Rief, Klaus-Peter Stiefel, Agnes Weiß: Faszination Coworking. Potenziale für Unternehmen und ihre Mitarbeiter


Die zentralen Ergebnisse der jährlichen Global Coworking Surveys werden in verschiedenen Artikeln auf www.deskmag.com veröffentlicht. Vertiefende Informationen können unter https://coworkingstatistics.com bestellt werden.