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In vielen Büros herrscht dringender Modernisierungsbedarf – Die neue Unternehmensbefragung des bso offenbart Schwachstellen bei der Einrichtung und Ausstattung von Büroarbeitsplätzen

Mai 24, 2011 10:00 CET

In vielen Büros herrscht dringender Modernisierungsbedarf – Die neue Unternehmensbefragung des bso offenbart Schwachstellen bei der Einrichtung und Ausstattung von Büroarbeitsplätzen

Wiesbaden, 24. Mai 2011 –Jedes vierte Unternehmen geht davon aus, dass Teile seiner Belegschaft in Büroräumen arbeiten, die sich negativ auf ihre Produktivität auswirken. 41,8 Prozent der Arbeitgeber erwarten zudem, dass die künftigen Anforderungen an die Arbeit auch Veränderungen der Einrichtungen notwendig machen werden. Dies zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie des bso Verband Büro-, Sitz- und Objektmöbel, Wiesbaden, an der sich 603 inländische Unternehmen beteiligt haben. Befragt wurden Produktions- und Dienstleistungsunternehmen sowie Behörden.

Längst hat sich in den Unternehmen die Überzeugung durchgesetzt, dass die Gestaltung des Arbeitsplatzes einen maßgeblichen Einfluss auf die Leistungen und das Wohlbefinden der Mitarbeiter hat, und die Mehrheit der Betriebe ist auch ganz zufrieden mit ihren Büroräumen. Sie beschreiben diese als „attraktiv“, „ergonomisch“ und „funktional“. Es könnte also alles in bester Ordnung sein für die rund 18 Millionen Menschen, die derzeit deutschlandweit irgendwo an einem Büroarbeitsplatz arbeiten. Auf den zweiten Blick sieht die Lage aber in vielen Unternehmen etwas anders aus. Dies fängt bereits bei der Wahl der Raumform an.

„Schreckgespenst“ Großraum

Bei Mitarbeitern eher unbeliebt sind große Büroeinheiten ohne trennende Wände zwischen den Arbeitsplätzen. Insbesondere Ablenkungen durch Kollegen und das Gefühl, selbst beobachtet zu werden wirken störend. Trotzdem setzen immer mehr Unternehmen auf sogenannte „Open Spaces“, die 25 und mehr Arbeitsplätze in einem Raum beherbergen. Diese Büroform gilt als besonders flexibel, kommunikationsfördernd und flächeneffizient. Die großen Räume sind jedoch selbst unter den Arbeitgebern umstritten. 34,1 Prozent aller Unternehmen, die solche Räume nutzen, glauben, dass sich die große Anzahl von Arbeitsplätzen in einem Raum negativ auf die Leistungen der Mitarbeiter auswirkt. 39 Prozent bestätigen zudem, dass die Zufriedenheit der Nutzer solcher Räume leidet.

Allerdings: Durchweg gut schneiden in der Befragung des bso nur die kleinen Büroeinheiten für ein bis zwei Personen ab. Schon bei Gruppenräumen für drei bis acht Personen rechnen 14,8 Prozent der Befragten mit Produktivitätseinbußen. Einer Berechnung des dem bso angeschlossenen buero-forum zufolge blieben damit insgesamt 37,6 Prozent aller Büroarbeiter erzwungenermaßen hinter ihrem Leistungspotential zurück. Hendrik Hund, Vorsitzender des bso, warnt dennoch vor voreiligen Schlüssen: „Die Studie zeigt neben der negativen Seite auch, dass es durchaus zahlreiche Beispiele für ausgesprochen gelungene Open Spaces gibt.“ Dies treffe sowohl auf die Produktivität als auch auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu. Tatsächlich sagen 27,3 Prozent aller Betreiber solcher Großräume, dass sie eine Produktivitätssteigerung beobachten konnten und 28,8 erleben ihre Mitarbeiter überdurchschnittlich motiviert und zufrieden. „Der Unterschied zwischen guten und schlechten Lösungen liegt fast immer in der Planung“, konstatiert Hund. „Wo in der Konzeptionsphase Arbeitsplätze falsch zugeordnet werden, an Beleuchtung und Klimatisierung gespart wird und akustisch und optisch schirmende Elemente vergessen werden, kann keine gute Arbeitsatmosphäre entstehen.“

Gesundheitsbewusstsein verbessert die Einrichtung

Dass viele Probleme hausgemacht sind, bestätigt ein Blick auf die Ausstattung der befragten Unternehmen. Der offenbart deutliche Unterschiede zwischen den Arbeitsplätzen in Unternehmen, die großen Wert auf Gesundheitsprävention legen und solchen Unternehmen, die sich insgesamt weniger um das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter kümmern. Hier gilt die Faustformel: Wer beispielsweise Gesundheitstage organisiert oder sportliche Aktivitäten seiner Mitarbeiter unterstützt, sorgt auch für einen attraktiven und ergonomischen Arbeitsplatz – und umgekehrt. Festzumachen ist dies vor allem an der Auswahl der Bürostühle und der Schreibtische. Beide sind wesentliche Faktoren, wenn es darum geht, Bewegung in den meist allzu statischen Arbeitsalltag zu bringen.

Als sinnvoll gelten hier Stühle, die sogenanntes dynamisches Sitzen ermöglichen. Gemeint sind Drehstühle, in denen sich der Nutzer kurzzeitig zurücklehnen kann, um den Rücken zu entspannen und die Durchblutung zu fördern. Ein weiterer Faktor sind Möglichkeiten, langes Sitzen durch Arbeiten im Stehen zu unterbrechen. 98,0 beziehungsweise 83,4 Prozent der gesundheitsorientierten Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern derart ausgestattete Büroarbeitsplätze. Unternehmen, in denen Prävention eine geringe Rolle spielt, legen zwar ebenfalls großen Wert auf gutes Sitzen, kurzzeitiges Arbeiten im Stehen ist aber nur in knapp 60 Prozent aller Betriebe möglich. In vielen Unternehmen profitiert bislang ohnehin nur ein Teil der Arbeitnehmer von einem gut ausgestatteten Arbeitsplatz. Am deutlichsten werde dies anhand des Anteils der Sitz-Steh-Arbeitstische. „In mittleren und großen Unternehmen sind hierzulande erst 12 Prozent aller Büroarbeitsplätze mit solchen Tischen ausgestattet. Bei unseren skandinavischen Nachbarn werden sie bereits in fast allen Büros eingesetzt“, gibt denn auch Willi Schneider, Leiter des buero-forum zu bedenken. Dabei seien Sitz-Steh-Arbeitstische gegenüber Stehpulten und anderen Möglichkeiten im Stehen zu arbeiten, häufig wesentlich vielseitiger nutzbar, weil die gesamte Tischfläche inklusive der darauf liegenden Unterlagen und des Bildschirms nach oben gefahren werden können. Nachholbedarf gibt es nach Aussagen des Einrichtungsexperten selbst bei den Bürostühlen, auf die alle befragten Unternehmen großen Wert legen. Denn nur in knapp 20 Prozent aller Betriebe kann derzeit die gesamte Belegschaft auf Stühlen Platz nehmen, die dem aktuellen Stand der Technik entsprechen.

Die Arbeit der Zukunft erfordert andere Arbeitsplätze

Die Befragungsergebnisse stimmen die Auftraggeber der Studie dennoch positiv. Viele Interviewpartner wiesen darauf hin, dass sie ihre Einrichtungen nach und nach auf einen höheren ergonomischen Standard umstellen. Zusätzliche Impulse kommen aus der Veränderung der Büroarbeit. Das Gros der Befragten geht nämlich davon aus, dass Teamarbeit in ihren Unternehmen künftig eine noch größere Rolle spielen wird, als dies heute schon der Fall ist. Außerdem erwarten branchenübergreifend 55,1 Prozent der Befragten, dass ihre Mitarbeiter künftig eigenverantwortlicher arbeiten werden und 57,9 Prozent sind sich sicher, dass Kreativität für die tägliche Arbeit eine größere Rolle spielen wird. In Konsequenz halten 41,8 Prozent aller befragten Unternehmen Veränderungen des Aussehens und der Ausstattung ihrer Büroräume für sinnvoll. Insbesondere Arbeitgeber mit mehr als 200 Büroarbeitsplätzen haben schon mit der Anpassung an die neuen Anforderungen begonnen. 29,4 Prozent aller Unternehmen haben die Umstellung noch vor sich oder planen bereits zusätzliche Maßnahmen.

So fällt das Fazit aus Sicht der Büromöbelhersteller denn auch in mehrerer Hinsicht positiv aus. „Ein gutes Drittel der befragten Unternehmen offenbart sich auch hinsichtlich der ergonomischen Qualität ihrer Arbeitsplätze als attraktive Arbeitgeber, ein weiteres Drittel ist auf einem guten Weg“, fasst Hendrik Hund die Ergebnisse der Befragung zusammen und sieht darin Chance und Herausforderung für die gesamte Einrichtungsbranche. „Es ist unsere Aufgabe, die Entscheider in den Betrieben durch eine fachkundige Beratung zu unterstützen, um Fehler, wie sie beispielsweise im Zusammenhang mit Umzügen in größere Raume leider häufig gemacht werden, zu vermeiden.“

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