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New Work Order – Organisationen im Wandel

Okt 16, 2014 10:00 CET

New Work Order – Organisationen im Wandel

Wiesbaden, 16. Oktober 2014 – „Nie zuvor“, mahnt die Trendforscherin Birgit Gebhardt, „mussten Unternehmen einen Strukturwandel, ein neues Medienverhalten und eine Überalterung gleichzeitig meistern.“ Mit welchen Mitteln einzelne Pioniere oder ganze Branchen versuchen, sich darauf einzustellen, beschreibt die Trendexpertin aus Hamburg in der Studie „New Work Order – Organisationen im Wandel“, die sie am 24. Oktober 2014 auf dem Trendforum der Orgatec vorstellen wird.

In der ersten, im Jahr 2012 realisierten Stufe des vom bso Verband Büro-, Sitz- und Objektmöbel initiierten „New Work Order“-Projekts hatten Gebhardt und ihre Koautoren des Trendbüros in Hamburg beschrieben, wie neue Kommunikationstechnologien und die Netzwerke der Generation Y die Zusammenarbeit in den Unternehmen verändern. Viele Unternehmen, so die seinerzeitige Erkenntnis, setzen auf Projektarbeit, um den erhöhten Anforderungen an Flexibilität und Interdisziplinarität zu begegnen. Aber nur in wenigen Unternehmen kann diese eigentlich gute Idee ihre volle Wirkung entfalten. In einer im Jahr 2013 durchgeführten Telefonbefragung berichtete die Mehrzahl der interviewten 450 Personalleiter und Geschäftsführer, dass die Projektarbeit in ihren Organisationen nicht etwa traditionelle Arbeitsabläufe ersetzt, sondern von den Mitarbeitern „on top“ zu bewältigen sei. Dass es Alternativen zu einer derart ineffizienten Doppelstruktur gibt, zeigt ein Blick in die Werkshallen. Dort haben sich längst fraktale Fabriken etabliert, in denen die Teams ihre Arbeitsabläufe weitgehend selbst organisieren.

Nach Einschätzung Gebhardts taugt die „Fabrik 2.0“ auch in anderer Hinsicht als Vorbild für den Bürobereich. Hier wurde nämlich längst vollzogen, was den Büroarbeitern noch bevorsteht: eine einschneidende Rationalisierungswelle. Die scheint auch notwendig zu sein. Nicht nur, weil in naher Zukunft weniger qualifizierte Arbeitnehmer zur Verfügung stehen werden, sondern auch, weil sich die Nachfrage der Kunden – unter anderem getrieben durch allgegenwärtige Informationen im Internet – immer schneller verändert. So musste beispielsweise die IT-Branche schon vor Jahren erkennen, dass ihre Entwicklungsprozesse viel zu langsam geworden waren, um mit den Wünschen ihrer Abnehmer Schritt zu halten. Deshalb ist es kein Wunder, dass gerade in diesem Wirtschaftszweig mit „Scrum“ (= Gedränge) ein Regelwerk für das Projektmanagement entwickelt wurde, das komplexe Aufgaben in Segmente unterteilt und damit ein schnelles Reagieren auf veränderte Anforderungen möglich macht.

Allerdings sieht Birgit Gebhardt auch hier Bestrebungen, neben den neuen, flexibleren Strukturen immer noch ein bisschen von den alten Hierarchieketten zu retten. Der Beschreibung des Modells aus der IT-Welt setzt sie daher die Vorgehensweise eines Landgasthofs gegenüber. Dessen Inhaber setzen in erster Linie auf Informationstransparenz und die Lust ihrer Mitarbeiter am eigenverantwortlichen Handeln. Dass das Unternehmen damit in erster Linie für Bewerber attraktiv ist, die später einmal in den eigenen Familienbetrieb wechseln oder in anderen Hotel- und Gaststättenbetrieben eine Führungsposition übernehmen wollen, nehmen die Chefs im Austausch für ein motiviertes Team gerne in Kauf. Den radikalsten Bruch mit traditionellen Unternehmensorganisationen beschreibt die Autorin der „New Work Order“-Studie mit der Vorstellung der Berliner Innovationsberatung „Dark Horse“. In ihr haben sich 30 Vertreter der Generation Y aus unterschiedlichen Fachdisziplinen zusammengefunden, um Konzerne, Mittelständler und NGO’s durch gezieltes Training und die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen in die Lage zu versetzen, selbst innovativ zu werden und zu bleiben. Das Besondere daran: Jeder der 30 Berater ist Kommanditist mit gleichen Rechten. Vorschläge dürfen nur abgelehnt werden, wenn eine überzeugendere Alternative vorgelegt wird; und wer sich eine Auszeit nehmen will, um zeitweise eigene Projekte zu verfolgen, kann dies jederzeit tun. Damit haben sich die Gründer von „Dark Horse“ über alle Empfehlungen für Unternehmensgründungen hinweggesetzt und den Traum vieler hochqualifizierter junger Nachwuchskräfte von einer sinnstiftenden Arbeit, die genügend Raum für persönliche Flexibilität lässt, in die Tat umgesetzt.

In der aktuellen Studie beschreibt Birgit Gebhardt aber nicht nur Praxisbeispiele. In Expertengesprächen und durch Auswertung internationaler Studien beleuchtet die Hamburger Trendforscherin zudem die Wünsche junger Nachwuchskräfte und das Konfliktpotenzial, das sich aus dem Aufeinandertreffen der Generation Y mit den Routinen älterer Kollegen ergibt. Immer wieder blitzt dabei die Erkenntnis auf, dass Räume eine wichtige Rolle spielen, wenn es gilt, Veränderungen in die Praxis umzusetzen. Wie in einer von der deutschen Büromöbelindustrie initiierten Studie nicht anders zu erwarten, widmet sich Gebhardt aber auch noch in einem eigenen Kapitel diesem Thema. Kurz zusammengefasst lautet ihre diesbezügliche Botschaft, dass Bewegung in den Köpfen auch Bewegung in und zwischen den Räumen voraussetzt. Sie empfiehlt, dafür „Angebote zu schaffen, die räumlich und gestalterisch anders aussehen als das klassische Büro“. Was dazugehört, hängt in starkem Maße von der Frage ab, wohin sich die jeweilige Organisation in Zukunft entwickeln soll. Oder wie es Hendrik Hund, Vorsitzender des bso, in seinem Grußwort zur Studie ausdrückt: „Die Gestaltung der Organisation und die Planung der Büroräume hängen eng zusammen. Patentrezepte und allgemein übertragbare Lösungen gibt es für beide nicht.“ Nach der Lektüre der Dokumentation ließe sich noch hinzuzufügen: „... und auch kein Weiter so“.

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