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Mit Unternehmenskultur Veränderungsprozesse unterstützen: Ein Interview mit Kerstin Potthoff-Koß

Unternehmenskultur

Kerstin Potthoff-Koß, Dräger
Jasmin Najiyya Jasmin Najiyya ·
6 Minuten

Auf der New Work Experience im Juni 2022 in Hamburg sprach Kerstin Potthoff-Koß, Change-Managerin, Team- und Business-Coach in der Global IT bei Dräger, mit Gero Hesse und Prof. Dr. Gesche Joost über Unternehmenskultur, das neue Normal und die Frage, wie New Work Führung verändert. Anlass für das IBA Forum noch einmal persönlich mit Kerstin Potthoff-Koß zu sprechen.

Frau Potthoff-Koß, Sie sind in Ihrer Funktion als Change-Managerin, Team- und Business-Coach für die Evolution der Global IT bei Dräger verantwortlich, bei der Agilität und Selbstorganisation als Grundlage für eine bereichsübergreifende Zusammenarbeit dienen. Wie hat New Work Führung und Zusammenarbeit verändert?

2018 haben mein Team und ich uns erstmals die Frage gestellt, wie die Arbeitswelt im Jahr 2025 aussehen wird. Welche Anforderungen werden dann an Räume, Führungskräfte und Mitarbeiter gestellt und wie müssen wir uns entwickeln? Zu diesem Zeitpunkt haben wir noch stark in Silos gearbeitet. 2020 haben wir dann gemeinsam mit über 80 Kollegen sowie wichtigen Kunden weltweit ein neues Operating Model definiert. Wir haben uns dafür Modelle von Spotify, Peach, Holokratie, Soziokratie und einige andere angesehen und daraus ein passgenaues Modell für die Zusammenarbeit bei Dräger entwickelt. Dessen vier grundlegende Prinzipien lauten: produktbasiert, kundenzentriert, crossfunctional und selbstorganisiert.

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Wie sieht die Selbstorganisation bei Dräger aus?

Selbstorganisation verlangt sowohl Mitarbeitern als auch Führungskräften einiges ab. Um den Wandel zu unterstützen, haben wir einige Mitarbeiter als Agile Coaches ausgebildet, die die Teams auf ihrem Weg begleiten. Führungskräfte setzen bei Dräger den Rahmen und befähigen Mitarbeiter, selbstverantwortlich Aufgaben und Arbeitsweise zu strukturieren. Im Rahmen der Evolution haben wir Führung daher nach Verantwortungsbereichen aufgeteilt: Wir haben zum einen Product Owner, die fachlich verantwortlich sind, People Leads, die sich um die Belange der Mitarbeiter kümmern, und das Team selbst, das das Wie des Arbeitens bestimmt. All diese Bausteine haben zu einer offeneren, agileren Arbeitskultur geführt. In der Global IT arbeiten alle Mitarbeiter, vom Praktikanten bis zum CIO, in einer komplett offenen Activity-based-Working-Fläche. Führungskräfte leben dabei im Büro für alle sichtbar vor, wie wir Zusammenarbeit sehen.

Welche Auswirkung hat das auf die Arbeitsweise in Ihrem Unternehmen?

Die Zusammenarbeit ist durch das neue Operating Model viel agiler und selbstbestimmter geworden. Mitarbeiter und Teams haben nun die Verantwortung, selbst zu entscheiden, wie und wo sie am besten arbeiten können. Dadurch, dass die Teams bei uns selbstorganisiert arbeiten und Entscheidungen im Konsent treffen müssen, benötigen sie aber auch die entsprechenden Informationen, um die Entscheidungen überhaupt treffen zu können. Kommunikation ist daher das A und O, für die die Führungskräfte Transparenz und Offenheit schaffen müssen. Zudem haben die Mitarbeiter viel mehr Möglichkeiten zu gestalten. Gerade junge Kollegen finden das neue Operating Model für ihre berufliche Weiterentwicklung sehr interessant. Da wir in das Rollenmodell gewechselt sind, kann sich jetzt jeder seinen Stärken entsprechend im Unternehmen entwickeln. Mitarbeiter können neue Rollen ausprobieren, sich fachlich und inhaltlich weiterentwickeln und auch das Thema Purpose ist sehr wichtig bei Dräger. Hier kriegen wir tolles Feedback.

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Wie setzt Dräger New Work im Bereich der Arbeitsplatzgestaltung um?

Wir arbeiten in der Global IT nach einem Activity-based-Working-Modell. Zunächst haben wir unsere Mitarbeiter gefragt, wie sie zukünftig arbeiten wollen und wie häufig sie für welche Tätigkeiten im Büro sein möchten. Ergebnis war ein hybrides Modell, bei dem sich die Teams mindestens einmal pro Woche im Büro einfinden möchten. Auf Basis der Ergebnisse wurde die Fläche dann umgestaltet. Wir sind dafür weg von festen Arbeitsplätzen und hin zu Desk-Sharing gegangen, haben aber auch entsprechende Silent Zones für konzentriertes Arbeiten eingerichtet. Die Fläche ist komplett nonterritorial und offen für alle Abteilungen. Dadurch wird das Büro zum Energiebooster, zum Lern- und Erfahrungsraum, unserem Global IT Heimathafen.

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Eine neue Arbeitsfläche zu haben, nur um der Arbeitsfläche willen, das funktioniert nicht. Es braucht zunächst ein ‚Why‘ und erst danach sollte die Fläche gestaltet werden. Was sind die Bedürfnisse, wie wollen wir zukünftig zusammenarbeiten? Was brauche ich für eine gute Zusammenarbeit und was muss im ersten Schritt erfolgen? Ich darf nicht erst die Fläche machen und mich dann wundern, wenn die Fläche nicht funktioniert. Kerstin Potthoff-Koß

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Wie macht Dräger Unternehmenskultur greifbar?

Wir setzen bei Dräger stark auf Kommunikation und haben ein Kulturmodell für Führung und Zusammenarbeit etabliert. Es nennt sich „We Lead“ und darin heißt es: Jeder kann Vorbild sein. Und genauso leben wir unsere Arbeits- und Unternehmenskultur. Zudem haben wir eine Kulturwandel-Initiative ins Leben gerufen, die mit dem Evolution Festival erstmals im Frühjahr dieses Jahres sechs Tage lang eine virtuelles Festival-Programm rund um das Thema New Work bot. Das Format war so erfolgreich, dass wir es 2023 erneut auflegen.

Inwiefern kann Unternehmenskultur Veränderungsprozesse unterstützen?

Unternehmenskultur ist meiner Meinung nach grundlegend für Veränderung. Hier sind die Grundwerte und die Grundannahmen eines Unternehmens verankert. Für mich ist ein Shift hin zu einer agilen, selbstbestimmten Haltung notwendig, damit wir künftig mutig mit Veränderungsprozessen umgehen können. Natürlich immer in Abstimmung mit meinem Team und meinen Mitmenschen und mit dem Leitgedanken, dass die Entscheidungskompetenz beim Individuum liegt.

 

Frau Potthoff-Koß, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Kerstin Potthoff-Koß, Change-Managerin, Team- und Business-Coach, ist mit ihren Ideen und Impulsen für die Evolution der Global IT bei Dräger verantwortlich. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Entwicklung und Etablierung eines neuen Operating Model in der IT, bei dem Agilität und Selbstorganisation die Grundlage einer bereichsübergreifenden Zusammenarbeit sind.

Titelbild: Kerstin Potthoff-Koß

Activity-based-Working bei Dräger Dialog Global IT