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Mitarbeiterverpflegung:
Ein CSR-Tool?

Arbeitgeberattraktivität

Aufnahme bei der New Work SE, Hamburg
IBA Redaktionsteam IBA Redaktionsteam ·
6 Minuten

Eine verantwortungsvolle Verpflegung der Mitarbeiter gehört mittlerweile in vielen Unternehmen zu den Nachhaltigkeitsgrundsätzen. Beim Babynahrungshersteller Hipp ist die Betriebsgastronomie seit 2003 biozertifiziert. Das bedeutet nicht nur, dass die Betreiber der Kantine nur Obst und Gemüse aus pestizidfreiem Anbau beziehen, dank des Einsatzes von regenerativer Energie wird außerdem jedes dort angebotene Gericht klimaneutral zubereitet. Zudem folgt Hipp beim Lebensmitteleinkauf den nachhaltigen Kriterien „saisonal und regional“. Dass Tomaten und Beerenfrüchte im Winter nicht auf dem Speiseplan zu finden sind, ist für die Belegschaft bei Hipp normal.

Auch bei der der Sedus Stoll AG in Dogern, einem Anbieter für Büroeinrichtungen und Arbeitsplatzkonzepte, werden Mitarbeiter gesund versorgt. Die Betriebskantine arbeitet nach von den Firmengründern Christof und Emma Stoll vertretenen anthroposophischen Grundprinzipien und lässt Erkenntnisse aus der modernen Ernährungslehre in den Speiseplan einfließen. Die angebotenen vollwertigen Gerichte haben das Ziel, den Mitarbeitern Anregungen für gesunde Lebens- und Essgewohnheiten zu geben, das Bewusstsein für Umwelt und Gesundheit zu fördern und ganz allgemein die Lebensqualität zu verbessern. Sedus Stoll legt Wert auf den regionalen Bezug von Obst, Gemüse, Fleisch und weiteren Lebensmitteln aus ökologischem Anbau. Eine eigene Betriebsgärtnerei ergänzt das Angebot und liefert neben regionalen Herstellern frische Lebensmittel für die Kantine.

Lassen Sie sich inspirieren

Gastfreundschaft in den Showrooms Casino, Cafeteria oder arbeitsplatznahe Coffee-Bar, Beispiele finden Sie in den Hospitality-Showrooms.

Food Trends 2022

Damit sind beide Unternehmen Pioniere eines aktuellen Trends. Das Verhalten der Konsumenten entwickelt sich ganz allgemein hin zu mehr Bewusstheit, Nachhaltigkeit und Lokalität. Regionale Erzeugnisse, eine stärker pflanzenbasierte Ernährung und eine verantwortungsvolle Esskultur prägen das New Normal im Lebensmittelbereich. Genuss und die Qualität von Lebensmitteln werden mehr und mehr als Einheit gesehen.

Die Corona-Pandemie hat auch beim Thema Essen widersprüchliche Entwicklungen offen zutage treten lassen. Seit ihrem Ausbruch ernährten sich mehr Menschen ungesund als zu „Normalzeiten“. Laut einer YouGov-Studie mit mehr als 1.100 Befragten in Deutschland nahmen sie während des Lockdowns im Dezember 2020 durchschnittlich 14 Prozent mehr Junkfood zu sich als vor Corona. Gleichzeitig fand beim Thema Essen in weiten Teilen der Bevölkerung ein Umdenken statt, das zu geradezu disruptiven Entwicklungen führt. Vor allem der gesundheitliche Wert von Essen ist in den Vordergrund gerückt. Denn schließlich trägt die richtige Ernährung maßgeblich zu Wohlbefinden und individueller Gesundheit bei. Im Food-Bereich haben sich neue Wertesysteme entwickelt. Ökologische und soziale Nachhaltigkeit werden zum Qualitätskriterium. Der Wunsch nach einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion nimmt weiter zu, was einerseits zu einem Anstieg des Angebots an lokal hergestellten Nahrungsmitteln führt und andererseits den Anbau exotischer Obst- und Gemüsesorten, der Local Exotics, in regionaler Produktion forciert. Zero Waste, die Idee, Müll erst gar nicht entstehen zu lassen, führt dazu, dass sich Nachhaltigkeit auch immer mehr auf die Nutzung verlagert und Lebensmittelreste in der Folge besser verwertet werden. (Quelle: Food Trend-Maß 2022, Zukunftsinstitut)

Mitarbeiterverpflegung wird künftig neu gedacht. Bild: © istock
Mitarbeiterverpflegung wird künftig neu gedacht. Bild: © istock
Bewusstheit, Nachhaltigkeit und Lokalität werden wichtiger. Bild: Marisol Benitez
Bewusstheit, Nachhaltigkeit und Lokalität werden wichtiger. Bild: Marisol Benitez
New Work? Beschäftigte können ihr Essen teilweise selbst anpflanzen. Bild: Jonathan Kemper
New Work? Beschäftigte können ihr Essen teilweise selbst anpflanzen. Bild: Jonathan Kemper

Mitarbeiterverpflegung als Teil der CSR

Wenn Unternehmen wie Hipp und Sedus Stoll ihren Mitarbeitern und Besuchern eine gesunde und nachhaltige Ernährung im Betrieb ermöglichen, hat dies auch positive Auswirkungen im Rahmen des Employer Branding. Denn solche Leistungen prägen das Image von Unternehmen und ziehen Mitarbeiter mit ähnlichen Interessen an.

Als Mittel, um Corporate Social Responsibility (CSR) gerecht zu werden, bietet die Mitarbeiterverpflegung viele Ansatzpunkte. Bereits das Angebot als solches kann einen Mehrwert für die Beschäftigten darstellen, allerdings nur, wenn Genuss und Nachhaltigkeit nicht zu kurz kommen. Bei der Mitarbeiterverpflegung wird es also künftig darauf ankommen, ein klimafreundliches, ausgewogenes Speisenangebot zu entwickeln und bei der Essensauswahl auf Saisonalität, Regionalität, kurze Lieferwege und die Vermeidung von Verpackungsmüll zu achten.

Besonders nachhaltig ist sicher eine bedarfsgerechte Zubereitung von Speisen anhand von Vorbestellungen, um der Verschwendung von Lebensmitteln aktiv entgegenzuwirken. Entsprechende Buchungen können in der hybriden Arbeitswelt ganz einfach mit der Reservierung von Arbeitsplätzen, Meeting- und Besprechungsräumen verbunden werden. Tools und smarte Anwendungen für die intelligente Verwaltung von Räumen und Ressourcen sind vorhanden. Sie müssen nur entsprechend erweitert werden. Mehrweggeschirr und die Einhaltung grundlegender Arbeits‑, Sozial- und Umweltstandards bei den Lebensmittelproduzenten sollten selbstverständlich sein.

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Als Beispiel für Nachhaltigkeit und die Einbindung von Mitarbeitern beim Thema Verpflegung gilt der neue Campusgarten der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, der im April 2022 eingeweiht wurde. Auf Basis eines studentischen Ideenwettbewerbs ist hier eine rund 6.400 Quadratmeter große Freifläche entstanden, Studenten und Mitarbeiter der Mainzer Universität können Patenschaften für einzelne hier angelegte Hochbeete übernehmen. Damit wird nicht nur der Ansatz nachhaltiger Verpflegung unterstützt. Bei der garten- und wegebaulichen Umsetzung wurde auch auf nachhaltige Materialien und eine klimagerechte Auswahl der Pflanzen geachtet. So bietet das Areal insbesondere auch Raum für Entspannung, Regeneration, Wohlbefinden und gemeinsames Lernen.

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Inspirationsquelle: Urban Farming

Lebensmittel in Innenstädten bzw. der näheren Wohnumgebung herzustellen ist aktueller denn je, wenngleich es keine neue Idee ist. Urban Farming, die innerstädtische Landwirtschaft, geht unter anderem auf Überlegungen zur städtischen Nahrungsproduktion von Landschaftsarchitekt und Autor Leberecht Migge aus den 1920er Jahren zurück. Mit dem zunehmenden Umweltbewusstsein und dem intensiveren Wunsch nach gesünderer Ernährung und mehr Nachhaltigkeit liegt Urban Farming heute wieder voll im Trend.

Urban Farming existiert in unterschiedlichen Ausprägungen und verändert das Stadtbild. Ob es sich um die Kultivierung von Nutz- oder Zierpflanzen auf industriellen Brachflächen, um für Obst- und Gemüseanbau genutzte Flachdächer oder um vertikale Pflanzungen an Gebäuden und Hausfassaden handelt: Urban Farming hält Einzug in die Städte. Der positive Effekt: Städtische Grünflächen binden CO2, verbessern die Luft, sorgen für ein besseres Mikroklima und tragen zur Verkürzung von Transportwegen bei. Als negativer Effekt von Indoor Farms ist der hohe Energieverbrauch zu nennen.

Fast überall findet sich Platz für Urban Farming. Bild: iStock
Fast überall findet sich Platz für Urban Farming. Bild: iStock

Das Titelbild dieses Beitrags wurde im New Work Harbour, dem Unternehmenssitz der New Work SE in Hamburg, aufgenommen. Das dortige Betriebsrestaurant kann auch für Veranstaltungen genutzt werden. Das eigentlich Besondere ist aber, dass Mitarbeiter dort auch Lebensmittel kaufen können: von Nudeln und Pesto bis zur Flasche Wein für einen gemütlichen Abend zu Hause.