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Vom Arbeitgeber zum Gastgeber? – Corporate Hospitality

IBA Nachgefragt

Dauphin Züco / Averia XS
Top Thema
Jasmin Najiyya Jasmin Najiyya ·
7 Minuten

Im Rahmen des IBA Forum-Themenschwerpunkts „Mehrwert Büro“ beschäftigen wir uns derzeit mit Corporate Hospitality. Das Thema stößt auf großes Interesse. Denn immer mehr Unternehmen erkennen den Wert einer guten Arbeitsatmosphäre. Doch wie schaffen Unternehmen es, diese herzustellen? Was könnte Corporate Hospitality hier konkret bedeuten und wie ließe sie sich vor Ort, im Büro, umsetzen?

Gehen wir der Sache auf den Grund!

Definition Symbol

Was heißt „Hospitality“ eigentlich?

Manchmal wird ein Begriff so häufig verwendet, dass man sich ganz sicher ist: Klar, weiß ich, was das bedeutet. Doch stimmt das eigentlich? Treten wir also zunächst einen Schritt zurück und schauen uns erst einmal das Wort selbst an:

„Hospitality“ wird gemeinhin mit „Gastfreundschaft“ übersetzt. Aber auch „Gastlichkeit“, also die Art oder das Verhalten, das dazu führt, dass sich Gäste wohlfühlen, ist eine mögliche Übersetzung. Das Oxford English Dictionary definiert Hospitality als das freundliche und großzügige Empfangen und Unterhalten von Gästen, Besuchern oder Fremden. „Corporate Hospitality“ definiert das wichtigste Wörterbuch der englischen Sprache als Bewirtung und Unterhaltung von Geschäftspartnern. In Zeiten des Arbeitskräftemangels wird dieser Begriff derzeit auf das Innenverhältnis von Arbeitgebern und ihren Beschäftigten erweitert – und dabei neu definiert.

Im Prinzip geht es nach wie vor darum, als Gastgeber einen Rahmen zu schaffen, damit sich jeder behaglich und wohlfühlt – und produktiv sein kann. Warum also nicht auch den Mitarbeitern gegenüber gastfreundlich sein und so Wertschätzung und Augenhöhe signalisieren? Gerade die jüngeren Arbeitnehmer messen der Wertschätzung ihrer Person und ihrer Arbeit großen Wert bei. So könnte eine Haltung der Gastfreundschaft und Gastlichkeit tatsächlich dafür sorgen, Mitarbeiter zu binden und zu halten. Schauen wir uns also an, wie das praktisch aussehen könnte.

Räume für Gastfreundschaft

IBA Forum – Showrooms In den Hospitality Showrooms unserer Mitglieder finden Sie Einrichtungsideen für unterschiedliche Bürobereiche. Lassen Sie sich inspirieren!

Der Europäische Hof Heidelberg: Das perfekte Role Model für Corporate Hospitality

Menschen schätzen es, sich an Orten aufzuhalten, die sie freundlich empfangen und ihnen eine hohe Aufenthaltsqualität bieten. Ein gutes Beispiel dafür ist das 5‑Sterne-Grandhotel Europäischer Hof Heidelberg. Deshalb haben wir die geschäftsführende Gesellschafterin Dr. Caroline von Kretschmann gefragt, was einen guten Gastgeber ausmacht. Ihre Antwort: „Grundvoraussetzung für gute Gastgeberinnen und Gastgeber, wie übrigens auch für gute Führungskräfte, ist …, dass man Menschen mag und ihnen schöne Momente bereiten will. Daraus leiten sich hilfreiche Fähigkeiten wie Empathie, Kreativität und ein guter Geschmack ab. Die größte Herausforderung und das Spannendste zugleich ist für mich die Tatsache, dass jeder Gast einzigartig ist und individuelle Wünsche hat, die er erfüllt sehen will.“ Von Kretschmann muss es wissen, denn 2022 wurde sie, die das Familienunternehmen in vierter Generation auf höchstem Niveau führt, als „Hotelier des Jahres“ ausgezeichnet. Hospitality bedeutet für sie eine warme und einladende Atmosphäre zu schaffen, in der man sich wohlfühlt, und in der jeder Mensch mit seinen Bedürfnissen ganz buchstäblich gesehen wird.

Hospitality ist im Europäischen Hof Heidelberg eng verknüpft mit einer warmen und einladenden Atmosphäre.
Hospitality ist im Europäischen Hof Heidelberg eng verknüpft mit einer warmen und einladenden Atmosphäre.
Jeder Gast ist einzigartig, mit individuellen Wünschen, die er erfüllt sehen will.
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Empathie, Kreativität und ein guter Geschmack zeigen sich in kleinen Details.
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Wohlfühlort mit Mehrwert: Die „Arbeitsfabrik“ war gestern

Damit rückt die Gestaltung von Arbeitsräumen in den Blick. Raum muss künftig neu gedacht werden, weg von klassischen Büro-Designs hin zu mehr Nutzerzentrierung und Bedürfnisorientierung. Unternehmen tun gut daran, dem Büro einen neuen inhaltlichen Aufhänger zu geben und es mit Mehrwert aufzuladen. Das Stichwort lautet hier „Employee Experience“. Der Raumpsychologe und Designer Uwe Linke verweist dazu auf den Zusammenhang von Freude bei der Arbeit und Beurteilung der Arbeitgeberattraktivität. Räume, die so gestaltet sind, dass Mitarbeiter sich persönlich wahrgenommen und wertgeschätzt fühlen, und die vermitteln, dass man ihre Bedürfnisse ernst nimmt, sind ein guter Boden für eine partnerschaftliche Beziehung und können so zu Identifikation und Bindung beitragen. Linke verweist dazu auf die Rolle von Materialwahl, Farb- und Möblierungskonzepten. Ziel von Raumplanung sollte es demnach sein, Büros zu „kreieren, die Menschen in ihren Bann ziehen und ihnen einen Raum bieten, in dem sie sich als selbstwirksam und innerlich motiviert erleben“, so Linke.

Unternehmen müssen Räume schaffen, in dem sie sich ihre Mitarbeiter als selbstwirksam und innerlich motiviert erleben. Bild: VARIO Stay
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Das Büro bekommt einen neuen inhaltlichen Aufhänger und wird im besten Fall mit Mehrwert aufgeladen. Bild: Interstuhl Shuffle
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Materialwahl, Farb- und Möblierungskonzepte spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht das Büro zum Ort der Begegnung zu machen. Bild: Thonet
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Sind moderne Lagerfeuer die Lösung?

Das IT-Unternehmen SAP ist gerade dabei, seine Büros zu modernen Lagerfeuern umzugestalten. Ziel ist es, eine inspirierende Arbeitsumgebung für die Mitarbeiter zu schaffen, die zu Austausch und Kollaboration anregt. Die neuen Bereiche werden dafür mit modernster Technologie ausgestattet, um nahtloses Arbeiten und gegenseitiges Lernen zu ermöglichen. Die Idee, Raum als Lagerfeuer zu gestalten, ist nicht neu. Der US-Soziologe David Thornberg definierte vier Archetypen der Kommunikation, die immer wieder als Grundlage für Raumdesigns herangezogen werden. Einer dieser Archetypen ist das „Campfire“. Ähnlich wie beim gemeinsamen Sitzen um ein Lagerfeuer wird Raum in Unternehmen dafür so geplant, dass er Interaktionen in der Gruppe, Diskussionen auf Augenhöhe und kollegialen Austausch in entspannter Atmosphäre ermöglicht.

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Das Büro der Zukunft: Inbesitznahme auf Zeit

Ein weiteres wichtiges gestalterisches Prinzip für mehr Corporate Hospitality ist die Schaffung von Räumen, die eine angenehme und entspannte Atmosphäre erzeugen, und die die Mitarbeiter für sich in Besitz nehmen können. Clara Ott, Architektin und Projektmanagerin bei der weltweit größten Architekturplattform ArchDaily, empfahl deshalb auf dem IBA Thementag Vom Arbeitgeber zum Gastgeber?“ folgende vier Ansätze bei der Neugestaltung von Büros:

  • Zusammenarbeit fördern, mit einem interaktiven Arbeitsumfeld und Raum für Brainstormings, gemütlichen Sitzbereichen, Lerninseln und Gesprächslounges in anregendem Design
  • Nutzer unterstützen mit Räumen für Fokus‑, Sozial- oder Kollaborationszonen sowie Voraussetzungen für Inbesitznahme und Flexibilität schaffen mit variablen Elementen wie Schiebetüren, Vorhängen oder mobilen Möbeln
  • Technologie nutzen, z. B. mit smarten „Tech Theatres“ mit einer nutzerorientierten Steuerung von Licht, Temperatur, Akustik und interaktiven Kunstinstallationen, aber auch mit Nachhaltigkeitsfaktoren wie Recycling und umweltfreundlicher Energiegewinnung
  • Biophiles Design nutzen, z. B. durch Integration der Natur in Form von Pflanzen, Tageslicht und der Einbindung von Außenbereichen

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Fazit

Unternehmen können durch eine gezielte Gestaltung ihrer Arbeitsplätze eine Corporate Hospitality schaffen, die dazu beiträgt, dass sich Mitarbeiter wohlfühlen, das Büro gern nutzen und eine dauerhafte Bindung zum Unternehmen aufbauen. Wie das konkret gelingen kann, zeigen die Showrooms unserer Mitgliedsunternehmen im IBA Forum.

Titelbild: Dauphin HumanDesign Group

Zu weiteren Bildquellen siehe die jeweiligen Bildbeschriftungen, sowie Bilder des Europäischen Hof Heidelberg